Paulinenbrücke in S-Süd Bezirksbeiräte unter Harndrang

Von Götz Schultheiß 

Es ist schlecht, wenn man beim Bummel durchs Stuttgarter Gerberquartier von einem inneren Drang abgelenkt wird. Eine öffentliche und kostenlose Toilettenanlage bei der Paulinenbrücke soll Druck aus der Angelegenheit nehmen.

Wenig einladend sieht die Toilette im Schatten der Paulinenbrücke aus. Foto: Leif Piechowski
Wenig einladend sieht die Toilette im Schatten der Paulinenbrücke aus. Foto: Leif Piechowski

S-Süd - Für 1,325 Millionen Euro will die Stadt eine Treppe von der Paulinenbrücke zum Rupert-Mayer-Platz und der Tübinger Straße in Richtung der Marienkirche hin errichten. Zum Ausgangspunkt der künftigen Brücke führt ein Fußweg, der bisher abrupt an einer Brüstung endet.

Die Treppenanlage, die aus fünf Podesten und fünf Treppenläufen bestehen soll, wird den Höhenunterschied von 7,50 Meter überwinden. Weil die Art und Weise der Gestaltung des Areals am Rupert-Mayer-Platz und der Tübinger Straße noch ungewiss ist, besteht der unterste Teil der Anlage aus einem Provisorium in einfacher Bauweise. Dabei soll auch das Umfeld der Treppenanlage gestaltet werden. Dabei müssen die unterirdischen Räume der ehemaligen Trafostation und die Toilettenanlage samt Treppe bis zu einem Niveau von 1,50 Meter unter dem Boden abgebrochen werden. Die Hohlräume müssen dann, damit der Boden später nicht einbrechen kann, mit Flüssigboden, der nicht ganz so fest ist wie Beton, gefüllt werden. Die Bauarbeiten sind im Zeitraum zwischen 8. Oktober und 26. April vorgesehen.

Bestehende Toilette ist seit Jahren geschlossen und marode

Diesen Plänen hat der Bezirksbeirat Süd mit großer Mehrheit zugestimmt. Die Zustimmung erfolgte allerdings unter zwei Bedingungen. Nach der ersten soll die Stadt die Treppe mit Rampen ausstatten, dass sie auch Menschen mit Kinderwagen benutzen können. Barrierefrei kommt man allerdings bisher nur über das Gerber auf die Paulinenbrücke.

„Der Ruhestand ist ein Genuss/weil man kann und nicht mehr muss“, reimte einst Wilhelm Busch. Umgekehrt ist es fatal, , wenn man mal muss und nicht kann. Deshalb hat das Gremium, das sich in die Nöte der Stadtbummler einfühlen kann, einstimmig gefordert, dass bei der Treppe eine kostenlose öffentliche Toilettenanlage errichtet wird. Die bestehende ist seit einigen Jahren geschlossen und so marode, dass die Sanierung teurer wäre als ein Neubau.

Die Abfallwirtschaft Stuttgart soll sich äußern

Eine funktionierende Toilettenanlage im diesem Areal ist also die zweite Bedingung, die der Bezirksbeirat erfüllt sehen will. Ein weiterer wichtiger Grund für das Beharren auf dem WC: Das Gremium will die Aufenthaltsqualität beim Gerber an der Paulinenbrücke erhöhen und vermeiden, dass nicht mehr oder weit weniger als bisher an der Marienkirche gepinkelt wird. „Ich will nicht den Rückbau der Toilettenanlage beschließen, ohne dass festgelegt wird, dass ein neues, kostenloses WC kommt. Das muss Maßgabe des Beschlusses sein“, sagte Wolfgang Javorek (Grüne). Angesichts der hohen Kosten der Treppenanlage, kam Wolf-Dieter Wieland (FDP) ins Grübeln: „Warum verbessern wir die Beleuchtung des Weges nicht, dann bräuchten wir gar keine Treppenanlage?“ Der Bezirksvorsteher Raiko Grieb erinnerte ihn jedoch daran, dass der Bezirksbeirat schon vor vielen Jahren, als diverse Beiräte noch nicht dem Gremium angehörten, für die Treppe plädiert hatte.

Für die öffentlichen Toiletten und ihre Pflege ist die Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS), eine Tochter der Stadt, zuständig. „Wir müssen von ihr eine Antwort bekommen, wie es dort weitergehen kann“, sagte Joachim Andelfinger vom Tiefbauamt. Bei den Bauarbeiten kümmere man sich ja auch um die Entwässerung der Treppenanlage, an die ja auch die Mitarbeiter-Toilette für die dort geplante Fahrradstation angeschlossen werden solle. In diesem Zusammenhang könne man über eine öffentliche Toilettenanlage reden.

Bei den Bauarbeiten will das Tiefbauamt behutsam vorgehen. Am Rupert-Mayer-Platz hätten die Obdachlosen und Drogenabhängigen, die sich dort treffen eine Art Gedenkstätte. An diese wolle man nur bis maximal fünf Meter heranrücken, um deren Gefühle nicht zu verletzen.

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