„How do you roll?“ in Stuttgart Vorfahrt für Rollschuhfahrer in der Stadt

Von Petra Häussermann 

Es geht auch anders: Am Sonntag war die Paulinenbrücke, ansonsten eine wichtige Straßenverbindung, ein Eldorado für Rollschuhfahrer, Inliner und Fußgänger. Möglich machten es einige Studenten. Wir sagen wie.

Eine Straße für Rollschuhfahrer: Spaß auf der Paulinenbrücke Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Eine Straße für Rollschuhfahrer: Spaß auf der Paulinenbrücke Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Stuttgart - Coole Musik hallte über den Platz, junge Familien nutzten die aufgestellten Sitzgelegenheiten für eine Pause und schauten dem bunten Treiben der Rollschuhfahrerinnen und Rollschuhfahrer zu. Riesige silberne Würfel auf dem Asphalt signalisierten, dass die Straße nun gerade nicht den Autos gehörte. Rund 150 Besucher lockte das Projekt „How do you roll?“ von Architekturstudierenden am Sonntag auf die Paulinenbrücke.

Freie Bewegungsfläche

Mit der Frage ermuntern die Initiatoren zum Nachdenken über das künftige Mobilitätsverhalten in der Stadt. Dabei gelang ihnen, den Straßenraum für zwei Stunden in eine offene und bunte Rollschuhbahn zu verwandeln, und Inlinern, Rollschuhfahrern und Fußgängern die Straße als freie Bewegungsfläche zur Verfügung zu stellen, was viele gerne nutzten.

Der Veranstaltungsort war nicht zufällig gewählt: Für die angehenden Architektinnen und Stadtplaner Anna Dörrig, Cristina Estanislao, Paul Stockhausen und Feydrea Vialista ist die Paulinenbrücke ein „kompromissloser Ort“ mitten in der City. Dominiert vom Auto, sei sie ein Verkehrsbauwerk aus Zeiten autogerechter Städte, die das Zentrum durchziehe und einen grauen Unort hinterlasse.

Aus einer Seminaridee entstanden

Die Idee zu diesem Projekt entstand in einem Seminar über provisorische Architektur an der Fakultät Architektur und Stadtplanung der Universität Stuttgart im zurückliegenden Wintersemester. „Zuerst war nur der witzige Gedanke, die Paulinenbrücke in eine Rollschuhbahn zu verwandeln“, erzählt die Venezolanerin Cristina Estanislao. Von den insgesamt 20 Projekten, die aus der Kooperation mit der Initiative Stadtlücken, dem Reallabor für nachhaltige Mobilitätskultur und dem Städtebau-Institut entstanden, erhielten drei einen Preis der Universität, darunter die Rollschuhbahn. „Damit stieg der Druck, die Idee auch umzusetzen“, berichtet sie. Mit dem Preisgeld wurden die Planungen konkret: Ein Verleih aus Hamburg lieferte rund 100 Paar Rollschuhe, Sitzgelegenheiten wurden organisiert sowie Werbung über Plakate und soziale Medien angeleiert. Für das Projekt entstanden sogar T-Shirts mit einem eigenen Logo, die viele Studierende am Sonntag trugen.

Sonderthemen