Paulinenpark im Westen Kultur für alle bei Krempels

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Mit einem neuen Kulturprogramm möchte die Hausleitung die Begegnungsstätte Krempels Bistro beleben und sich mehr in der Nachbarschaft integrieren. Schon seit 2013 ist das Alten- und Pflegeheim Paulinenpark an der Seidenstraße 35 beheimatet.

Bisher besuchen die Veranstaltungen in Krempels Bistro hauptsächlich die Bewohner aus dem Haus. Das soll künftig anders werden. Jeder ist willkommen. Foto: Paulinenpark
Bisher besuchen die Veranstaltungen in Krempels Bistro hauptsächlich die Bewohner aus dem Haus. Das soll künftig anders werden. Jeder ist willkommen. Foto: Paulinenpark

S-West - Wer im Alter in ein Pflegeheim ziehen muss oder sich selbst bewusst dafür entscheidet, der gibt oft nicht nur die eigene Selbstständigkeit und die eigene Wohnung auf, sondern auch sein Sozialleben und die Nachbarschaft. Eberhard Frei hat sich deshalb ein Ziel gesetzt: „Wenn wir den 40. Geburtstag mit dem Paulinenpark feiern, dann möchten wir hier im Stuttgarter Westen so viele Kontakte haben wie in unserem zweiten Haus in Möhringen“, sagt der Hausleiter des Pflegezentrums Paulinenpark an der Seidenstraße 35, an der Grenze von Stuttgart-Mitte zum Westen. „Wir fühlen uns im Westen daheim. Dort wollen wir ein Angebot bieten“, ergänzt Frei noch.

Mehr Nachbarschaft leben im Westen

Im Paulinenpark wohnen 69 Senioren, aufgeteilt auf verschiedene Hausgruppen. „Unsere Bewohner sollen aber nicht wie auf einer Insel leben“, so sein Wunsch. Deshalb hat Frei mit seinen Mitarbeitern Ende Februar ein neues Kulturprogramm gestartet in Krempels Bistro, der Begegnungsstätte im Erdgeschoss des Paulinenparks. „Wir wollen den Leuten im Westen zeigen, dass sie keine Berührungsängste haben müssen.“

Um das Programm in Gang zu bringen, engagiert er sich neben seiner Arbeit als Hausleiter nun als Kulturmanager. „Das ist jetzt quasi mein Hobby“, sagt er und lacht. Von Freitag bis Sonntag ist Krempels Bistro nun seit diesem Winter geöffnet. Frei versucht an mindestens einem der Tage eine kulturelle Veranstaltung anzubieten. Ein Nachmittag mit Jazz und Swing stand zum Beispiel an diesem Samstag, 21. April, ab 15 Uhr auf dem Programm.

Um Kontakte zu knüpfen, hat sich Frei unter anderem an das Forum der Kulturen gewandt. Er will den Kulturvereinen die Möglichkeit geben, Krempels Bistro für Aufführungen oder Veranstaltungen zu nutzen, umgekehrt dürften die Vereine den Raum auch so für sich benützen. „Das soll für beide Seiten eine Win-Win-Situation werden“, so hofft Frei.

Ende April haben sie einen Märchennachmittag geplant mit einem Migrantenverein. Dabei lesen Kinder aus ihren Märchen, die teilweise in fremden Sprachen geschrieben sind und dann übersetzt werden, für die Senioren aus dem Haus. „Wir wollen bewusst nicht nur ein Programm für ältere Menschen anbieten, sondern ein Treffpunkt für alle Generationen sein“, sagt auch Birte Stährmann, die bei der Evangelischen Diakonissenanstalt für die Pressearbeit zuständig ist.

Gut funktioniere dieser Austausch über mehrere Generationen hinweg schon mit der Kindertagesstätte Evalino, die direkt im Haus ist. „Da konnten wir schon viele Ängste oder auch einfach nur Barrieren abbauen“, sagt Frei. Gerade für Kinder sei es ja auch wichtig zu begreifen, dass zum Beispiel in einem Rollstuhl einfach auch nur ein Mensch sitze.

Auch interkulturell möchte man sich öffnen mit den Kulturveranstaltungen. Wie zum Beispiel am Donnerstag, 19. Mai: Da lädt ein ägyptischer Verein zum Fastenbrechen in Krempels Bistro ein, mit dem Menschen muslimischen Glaubens traditionell den Ramadan beenden. Oft wird es auch Zuckerfest genannt. Der Kontakt zu dem Verein ist über das Forum der Kulturen entstanden.

Krempels Bistro soll zum Treffpunkt im Quartier werden

Das Mehrgenerationenhaus der Diak Altenhilfe Stuttgart, einer Tochtergesellschaft der Evangelischen Diakonissenanstalt, wurde im Juli 2013 eröffnet, das Quartier drum herum wurde dadurch auch aufgehübscht.

Im Juli feiert die Einrichtung mit einer Festwoche ihr fünfjähriges Bestehen im Westen. Der Paulinenpark beherbergt viele Senioren, die auf ihre Selbstständigkeit Wert legen, ebenso wie Menschen mit Pflegebedarf. Beim gemeinsamen Wohnen sollen die Strukturen von Familien wieder lebendig werden, weshalb die 69 Einzelzimmer des Pflegezentrums in sechs Wohngruppen unterteilt sind. Etwa elf bis zwölf Bewohner bilden je eine Hausgemeinschaft.

Beim Kontakt nach außen sieht Frei aber noch Luft nach oben. Er wünscht sich ein noch nachbarschaftlicheres Verhältnis rund um den Paulinenpark.

Nutzen möchte man dafür auch den 25. Mai: Das ist der Tag des Nachbars, der Deutschlandweit mit vielen kleinen Festen gefeiert wird. In Krempels Bistro will man an diesem Tag einen Spielenachmittag organisieren. „So etwas lebt aber natürlich davon, dass viele kommen und ihre Spiele mitbringen“, sagt Frei, der vor etwa zweieinhalb Jahren die Leitung vom heutigen Geschäftsführer der Diak Altenhilfe, Florian Bommas, übernommen hat. Bommas kümmert sich derzeit verstärkt um die bauliche Erneuerung der zweiten Einrichtung, des Pflegezentrums Bethanien in Möhringen. Das wurde bereits schon vor 40 Jahren gebaut. „Die sind dort wie ein eigener Stadtteil und total integriert“, sagt Stährmann. Dahin will man im Paulinenpark nun auch kommen.

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