In einem Kunstprojekt haben sich die Mädchen und Jungen der Albert-Schweitzer-Schule mit Werten wie Gleichberechtigung und Mitbestimmung beschäftigt. Die Schulleitung erklärt, warum ihr das so wichtig ist.

Stadtleben und Stadtkultur : Alexandra Kratz (atz)

Das Wetter passt, die Stimmung ist gut: Im Hof der Albert-Schweitzer-Schule auf der Rohrer Höhe sind Biertischgarnituren aufgebaut. Bunte Luftballons schaukeln im sachten Wind. An Bauzäunen hängen große farbenfrohe Banner. Und genau um die geht es an diesem Mittwochvormittag. Denn die Mädchen und Jungen der Schule haben sich in einem Kunstprojekt mit dem Thema Demokratie auseinandergesetzt. Zur Vernissage feiert die Schulgemeinschaft ein Fest.

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Das nach Albert Schweitzer benannte Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum auf der Rohrer Höhe ist etwas Besonderes. Mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung lernen die Mädchen und Jungen dort nicht nur nach den klassischen Bildungsplänen. „Ziele der schulischen Förderung sind vor allem der Aufbau und die Stabilisierung eines positiven Arbeitsverhaltens sowie die Steigerung der Konzentrationsfähigkeit. Wir üben mit den Schüler*innen gezielt Lerntechniken ein, um sie auf ein selbstständiges und eigenverantwortliches Lernen an der allgemeinen Schule vorzubereiten“, heißt es im Konzept.

Kindern eine Stimme geben

„Wir haben eine besondere Schülerschaft, die viele persönliche Themen mitbringt“, erklärt der Schulleiter Martin Hermann. Und nicht in allen Familien werde Demokratie gelebt. Darum seien der Schule Werte wie Gleichberechtigung und Mitbestimmung besonders wichtig. „Selbstverständlich leben wir diese Werte in unserem Schulalltag, und doch bleibt es oft abstrakt“, sagt Martin Hermann. Die stellvertretende Schulleiterin Maria Theresia Burkert fügt hinzu: „Wir sind in der besonderen Verantwortung, den uns anvertrauten Kindern eine Stimme zu geben, weil ihre Eltern ihnen oft keine Stimme geben können.“

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„Das Kunstprojekt hat das Thema Demokratie anschaulich, greifbar, erlebbar gemacht“, ergänzt David Aust, Regionalleiter bei der Stiftung Jugendhilfe aktiv, dem Träger der Albert-Schweitzer-Schule. Einen großen Teil dazu beigetragen hat die Künstlerin Bernadette Hörder, die das Projekt leitete. „Das gemeinsame Tun löst etwas aus“, sagt sie. Wenn die Kinder miteinander arbeiten, darüber diskutieren, wie ihr Banner aussehen soll und zu einer gemeinsamen Lösung kommen, dann sei das gelebte Demokratie. Zudem haben die Schülerinnen und Schüler Botschaften und Slogans entwickelt, die nun auf den Kunstwerken zu sehen sind: „Bunte Vielfalt“ heißt es dort zum Beispiel, und darüber sind großen Blumen zu sehen. „Team Phönix hält zusammen“ steht unter einem Bild, dass die Schattenrisse seiner Macher zeigt. Eine Mädchengruppe hat in bunten Buchstaben unter anderem getextet: „Mädchen und Jungs haben gleiche Rechte“. Alle Ideen seien von den Kindern und Jugendlichen selbst gekommen, betont Bernadette Hörder. Sie habe diese lediglich aufgenommen und bei der Umsetzung geholfen.

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Jubiläumsfest der Paulinenpflege im Juni

Die Banner hängen noch mindestens bis zum 24. Juni an dem Metallzaun, hinter dem ein Neubau für die Albert-Schweitzer-Schule entsteht. Dann soll Finissage sein, und zudem feiert die Schulgemeinschaft das 202-jährige Bestehen der Paulinenpflege als einen Teil der Stiftung Jugendhilfe aktiv. „Wegen Corona mussten wir das 200-Jahr-Jubiläum zweimal verschieben“, erklärt David Aust. Den Schülerinnen und Schülern soll das Kunstprojekt aber noch lange darüber hinaus präsent sein.

Spielstadt an der Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Plieningen

Auch die Kinder und Jugendlichen an der Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Plieningen haben sich in dieser Woche einem besonderen Projekt gewidmet. An dem Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum, das ebenfalls den Schwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung hat und ebenfalls zur Stiftung Jugendhilfe aktiv gehört, konnte nach zwei Jahren Coronapause wieder eine Spielstadt organisiert werden. „Wir wollen die Stärken der Kinder zutage fördern. Sie lernen dabei ganz viel“, sagt die Rektorin Maria Waltner. Noch viel wichtiger ist aber: „Die Kinder sind im Glück.“