Pauluskirche in Zuffenhausen Ein neues Dach für das Zuffenhäuser Wahrzeichen

Der 49 Meter hohe  Turm  wurde zum Wahrzeichen Foto: /privat
Der 49 Meter hohe Turm wurde zum Wahrzeichen Foto: /privat

Die Pauluskirche in Zuffenhausen wird von Januar an saniert. Insgesamt sind dafür 2,1 Millionen Euro veranschlagt, um eine Finanzierungslücke zu schließen, soll es verschiedene Aktionen geben, außerdem wurde ein Spendenkonto eingerichtet.

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Zuffenhausen - Der 8. März 1903 war ein großer Tag für Zuffenhausen: Seine Majestät Wilhelm II., König von Württemberg, war samt Gattin Charlotte angereist, um die neu erbaute Pauluskirche einzuweihen. Die Ausstattung des vom Architekten Heinrich Dolmetsch im neoromanischen Stil erbauten Gotteshauses war für die damalige Zeit außergewöhnlich, die elektrische Orgel, das elektrische Geläut und das elektrische Licht wurden gar als „erstmalig in der ganzen Welt“ beschrieben. Benannt wurde die Kirche nach dem Apostel Paulus.

Der Turm ist 49 Meter hoch

Knapp 120 Jahre später ist das Gebäude immer noch ein imposanter Bau: Der 49 Meter hohe Turm ist weithin sichtbar und gilt als Wahrzeichen Zuffenhausens. Und der Klang der Mühleisen-Orgel ist weit über die Grenzen Stuttgarts hinaus bekannt und berühmt. Auf den zweiten Blick freilich zeigt sich, dass der Zahn der Zeit an dem Gebäude genagt hat.

Und ausgerechnet vom Himmel her kommt der schlimmste Feind: Regenwasser hat dem Dach und der Fassade dermaßen zugesetzt, dass teilweise schon kleine Gesteinsbrocken herausbrechen und herunterfallen. „Es besteht keinerlei akute Gefahr“, sagt Martin Schaaf aus dem Kirchengemeinderat. Das Gebäude sei unter ständiger Beobachtung. Dennoch ist klar: Es muss dringend etwas passieren.

Bereits im Januar soll deshalb die Sanierung starten. Turm, Turmaufgang, Dach und Außenfassade werden repariert beziehungsweise erneuert, außerdem muss eine neue Dämmung eingebaut werden. Allein die zu sanierende Dachfläche beträgt rund 800 Quadratmeter. „Es ist wichtig, die Bausubstanz zu sichern“, erläutert Martin Schaaf. Beauftragt mit den Planungen wurde das Stuttgarter Architektenbüro Hänle + Philipp. Bei den Arbeiten muss Rücksicht auf den Denkmalschutz genommen werden, das Bauwerk steht unter der höchsten Schutzstufe. Immerhin: Der Hahn und das Kreuz ganz oben auf dem Turm der Pauluskirche sind unbeschädigt und können bleiben, wie und wo sie sind.

Die Arbeiten sollen anderthalb Jahre dauern

Gut anderthalb Jahre sollen die Arbeiten dauern. Einen detaillierten Zeitplan gibt es bereits: Am 10. Januar wird damit begonnen, das Baugerüst zu errichten, für den 16. Januar ist eine Infoveranstaltung für die Gemeinde und alle anderen Interessierten angedacht. Im Frühjahr könnten die Steinmetzarbeiten anfangen, im Sommer käme dann das Dach an die Reihe. Ziel ist es, dass sämtliche Arbeiten im Sommer 2023 beendet sind. Während der Bauzeit kann die Kirche weiterhin genutzt werden.

Rund 2,1 Millionen Euro sind für die Sanierung veranschlagt. 1,2 Millionen sollen von der evangelischen Kirchengemeinde kommen, den Rest steuern der Kirchenbezirk und die Landeskirche bei. Einen Haken hat der Finanzierungsplan bislang aber: Der Kirchengemeinde fehlen noch rund 100 000 Euro. Die Finanzlücke soll über Spenden geschlossen werden. Geplant sind unter anderem ein Sponsorenlauf, verschiedene Benefizkonzerte und ein Verkaufsstand in der Kirche, an dem diverse Souvenirs von Postkarten bis hin zu selbst gebauten kleinen Kunstwerken aus Fassadensteinen und Dachziegeln angeboten werden. Offiziell hätte die Spendenaktion im Rahmen des Pauluskirchen-Adventsmarktes eröffnet werden sollen, doch der musste wegen den Bestimmungen der Coronapandemie abgesagt werden. Dennoch kann jeder, der die Sanierung der Pauluskirche unterstützen möchte, ab sofort einen Obolus entrichten. Bei der BW-Bank wurde ein Spendenkonto eingerichtet, es lautet: IBAN: DE 02 6005 0101 0002 4432 56 BIC: SOLADEST600.

Weit mehr als ein Gotteshaus

„Wir sind glücklich über jeden Euro“, sagt Pfarrerin Sarah Schindler. Sie freue sich schon darauf, wenn die Kirche wieder in neuem Glanz erstrahle. Es sei wichtig, jetzt zu handeln, bevor noch weiterer Schaden am Bauwerk entstehe. Dem pflichtet Dekanin Elke Dangelmaier-Vinçon bei und ergänzt: „Die Pauluskirche ist die gute Stube Zuffenhausens. Sie ist nicht nur der optische Mittelpunkt, sondern auch ein Ort der Begegnung.“ In der Tat wird das Gotteshaus nicht nur von der evangelischen Gemeinde genutzt, unter anderem dient es auch als Proberaum für den Musikverein, Konzertsaal für musikalische Events verschiedenster Stilbereiche wie Rock oder Jazz, außerdem findet dort regelmäßig ein so genannter Kirchenschmaus statt, bei dem es kostenlose Mahlzeiten gibt.




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