PCB in Esslingen Vier Schulen liegen über dem Grenzwert

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Das Thema PCB in Esslingen ist größer als gedacht: Nun ist klar, dass nicht nur die Zollbergrealschule in Esslingen mit dem Giftstoff kontaminiert ist, sondern auch drei weitere Schulen im Stadtgebiet. Möglicherweise sind auch noch andere Schulen oder Kindergärten betroffen.

Im  Hauptgebäude der Zollbergrealschule in Esslingen ist der Grenzwert um das Zehnfache überschritten. Foto:  
Im Hauptgebäude der Zollbergrealschule in Esslingen ist der Grenzwert um das Zehnfache überschritten. Foto:  

Esslingen - Die Bürgerinitiative um Jörg Sanzenbacher übt in Sachen PCB-Belastung der Esslinger Zollbergrealschule weiterhin Druck aus. Sie fordert, die Stühle auf den Sondermüll zu schaffen, weil der Grenzwert überschritten sei und droht der Stadtverwaltung mit einer Anzeige wegen Körperverletzung.

Die Stadt indessen bleibt bei ihrem ursprünglichen Plan und will den Unterricht in Container verlagern, die nach den Pfingstferien zweistöckig auf dem Hartplatz neben dem Schulgebäude stehen sollen. Das Mobiliar dazu kommt vermutlich aus der Adalbert-Stifter-Schule in der Pliensauvorstadt und dann landen die alten Stühle in der Zollbergrealschule tatsächlich auf dem Sondermüll.

Containerlösung gilt als pädagogisch sinnvoller

Oliver Wannek, der Chef des Städtischen Gebäudemanagements Esslingen (SGE), ist gerade dabei, die Container zu bestellen. Die SGE geht davon aus, dass sie 70 bis 80 Stück benötigt, um den Unterricht sicher zu stellen. Aus Sicht der Schule ist die Containerlösung pädagogisch sinnvoller als ein Umzug in die teilweise leer stehende Adalbert-Stifter-Schule.

Inzwischen ist klar, dass in drei weiteren Schulen der Grenzwert überschritten ist, allerdings weit weniger dramatisch als auf dem Zollberg. War dort der Grenzwert um das Zehnfache zu hoch, ist er es in der Realschule Oberesslingen um den Faktor vier. In Oberesslingen haben die Fachleute Werte von 400 Nanogramm bis 1140 Nanogramm pro Kubikmeter Luft gemessen. Erlaubt sind aber nur 300 Nanogramm pro Kubikmeter. Mit einem Lüftungskonzept und einer Sanierung in den Sommerferien will die SGE die Belastung unter den Grenzwert drücken.

Lüftungskonzepte sollen helfen

Ähnliches gilt für die Grundschule Sulzgries. Hier gibt es derzeit in den Fluren noch eine Belastung von 500 Nanogramm pro Kubikmeter. Bis 2017 war auch dort die Belastung in den Klassenzimmern über dem Grenzwert, doch wurden die Zimmer bereits vor zwei Jahren saniert. Mit einem Lüftungskonzept und Umbauten in der Sommerpause will die SGE nun auch den Grenzwert in den Fluren unter die Gefahrenschwelle senken.

Die vierte Schule, in der die Grenzwerte zu hoch sind, ist die Grundschule im Stadtteil St. Bernhard. Im April ergaben sich hier PCB-Werte zwischen 255 und 675 Nanogramm. Allerdings hat sich in dieser Schule auch ein kritischer Wert des Dioxin-ähnlichen PCB-118 gefunden. Der Grenzwert bei PCB-118 liegt bei zehn Nanogramm pro Kubikmeter Luft, in der Schule wurden bis zu 16 Nanogramm gemessen. Auch hier soll zunächst gelüftet und dann saniert werden.

Es könnte noch mehr kontaminierte Schulen geben

Entwarnung gibt die SGE für die Adalbert-Stifter-Schule und die Lerchenäckerschule in Oberesslingen. Das heißt aber nicht, dass es nicht noch weitere vergiftete Schulgebäude im Stadtgebiet geben könnte. Denn die Experten haben erst diese sechs Schulen untersucht.

Auf der Agenda stehen inzwischen 18 weitere Schulgebäude und elf Kindertagesstätten, die zwischen 1960 und 1980 errichtet wurden, und von dem gefährlichen Weichmacher kontaminiert sein könnten. Es gibt also noch einiges zu tun für die Bauverwaltung.

PCB, polychlorierte Biphenyle, sind Gifte, die sich langsam im Fettgewebe anreichern. Sie gelten als krebserregend und als Auslöser für eine Reihe von Krankheiten wie Bluthochdruck und Unfruchtbarkeit. Weil das Gift tief in den Nahrungskreislauf eingedrungen ist, nimmt man PCB zumeist über die Nahrung auf.