Junge Männer geben sich auf einer Dating-Plattform als Mädchen aus, locken Männer in Hinterhalte – und dann eskaliert die Gewalt. Nun geht es unter anderem um versuchten Mord.

Vier junge Männer sollen sich auf einer Dating-Plattform als Mädchen ausgegeben haben, um mit mutmaßlichen Pädophilen in Kontakt zu kommen - und diese beim fingierten Date zu bedrohen und berauben. Vor dem Landgericht in Stuttgart beginnt am Freitag (9.00 Uhr) der Prozess gegen die Angeklagten. Sie sind unter anderem wegen versuchten Mordes, Vergewaltigung und besonders schwerer räuberischer Erpressung angeklagt. 

 

Laut Staatsanwaltschaft gaben sich die Männer als 16- bis 18-jährige Mädchen aus. Mit Messern, Pfefferspray, Schlagstöcken oder Schusswaffen bewaffnet, hätten sie ihre Opfer schließlich bei den Treffen angegriffen und teilweise ausgeraubt, vergewaltigt oder sehr schwer verletzt.

Auf Online-Datingplattformen schrieben die selbsternannten Pedo-Hunter Männer an und lockten sie zu Treffen. (Symbolbild) Foto: Sina Schuldt/dpa

Polizei: „Nur die Masche genutzt“

Ein solches Vorgehen selbsterklärter Pädophilen-Jäger kursiert derzeit unter dem Schlagwort „Pedo-Hunting“ in sozialen Netzwerken. Die Polizei Stuttgart betonte nach der Razzia, die angegriffenen Männer hätten in den meisten Fällen nichts falsch gemacht. Der Begriff „Pedo-Hunter“ passe daher nicht. „Die Tatverdächtigen haben diese Masche schlichtweg genutzt, um die Männer anzugreifen und auszurauben“, hieß es.

Der Kreis der mutmaßlichen Täterinnen und Täter soll deutlich größer gewesen sein: Mehr als zwei Dutzend Wohnungen wurden Ende des Jahres in und um Stuttgart, Esslingen und Waiblingen durchsucht. Nach damaligen Angaben der Polizei werden 15 weitere Männer und 3 Frauen verdächtigt, in unterschiedlicher Weise beteiligt gewesen zu sein.

Insgesamt sind vor der Jugendstrafkammer fast 20 Verhandlungstage bis Mitte Juli geplant.