Pegida-Demo in Stuttgart Tausende stellen sich Pegida entgegen

Von the/dpa 

300 Teilnehmer hat der Veranstalter der ersten Stuttgarter Pegida-Demo am Sonntagnachmittag angemeldet. In etwa 200 dürften es gewesen sein. Die Gegner, darunter die Bundestagsabgeordneten Karin Maag, Stefan Kaufmann und Ute Vogt, waren deutlich in der Überzahl.

Die Pegida-Gegner sind in Stuttgart deutlich in der Überzahl. Foto: www.7aktuell.de | Robert Dyhringer 34 Bilder
Die Pegida-Gegner sind in Stuttgart deutlich in der Überzahl. Foto: www.7aktuell.de | Robert Dyhringer

Stuttgart - Radsternfahrt, Frühlingsflohmarkt und natürlich die Pegida-Kundgebung mit diversen Gegenveranstaltungen - wie erwartet ist am Sonntagnachmittag in der Stuttgarter Innenstadt der Teufel los gewesen. Es kam zu starken Verkehrsbehinderungen. Die Polizei sperrte die Hauptverkehrsachsen rund um die Stuttgarter City ab.

Tausende Gegendemonstranten stellte sich dem ersten Aufmarsch der Pediga-Bewegung in der Landeshauptstadt entgegen. Etwa 4000 Gegendemonstranten waren in der Innenstadt versammelt, sagte ein Polizeisprecher - unter ihnen auch die Bundestagsabgeordneten Stefan Kaufmann, Karin Maag (beide CDU) und Ute Vogt (SPD).

Die Beamten versuchten, den Kornprinzplatz freizuhalten, wo sich rund 200 mit Deutschlandfahnen ausstaffierte Pegida-Anhänger versammelt hatten. Hauptredner der Pegida-Kundgebung war der Publizist Michael Mannheimer. Auch Mitglieder der Gruppierung „Berserker Pforzheim“ wurden gesichtet, die dem rechten Spektrum zugeordnet werden kann. Angemeldet wurde die Kundgebung nach Behördenangaben von einer Frau, die bereits einen früheren Aufmarsch in Villingen-Schwenningen angekündigt hatte.

Die Pegida-Parolen gingen in den Rufen der Gegendemonstranten ("Flüchtlinge bleiben, Pegida vertreiben") unter. Diese begegneten der islamkritischen Bewegung auch mit ironischen Plakaten wie „Egal wie viel Volk ihr seid, wir sind Völker!“.

Es fliegen Äpfel und Eier

Die Beamten mussten einzelne Streitigkeiten und Rangeleien schlichten und den Pegida-Demonstranten den Zugang zum Kronprinzplatz bahnen. Dabei wurden auch Polizeibeamte zu Pferde eingesetzt. Äpfel und Eier flogen. Auch eine Rauchbombe wurde in die Mitte des Kundgebungsplatzes geworfen.

Die Einsatzkräfte beschlagnahmte zwei Transparente, weil ihre Träger sich laut Polizei dahinter verschanzten, um nach den Beamten zu treten.

"Friedlich ist etwas anderes"

"Friedlich ist etwas anderes, als das, was ein Teil der Gegendemonstranten gemacht hat", sagte Polizeisprecher Stefan Keilbach. Sechs Polizisten seien verletzt wurden, "manche durch Tritte, andere erlitten Knalltraumata wegen der Feuerwerkskörper." Nach Ende der Kundgebung eskortierte eine Hundertschaft zwei Busse mit Pegida-Anhängern durch die Innenstadt. Rund 50 weitere marschierten unter starker Polizeibewachung zur S-Bahnhaltestelle am Schlossplatz. Wieder mussten die Beamten den Teilnehmern den Weg frei machen. Dabei kamen auch Schlagstöcke und Pfefferspray zum Einsatz. Auf der Theodor-Heuss-Straße musste die Polizei eine Blockade auflösen. Zum Teil sei es auch zu Steinwürfen auf die Busse gekommen.

Die Polizei sprach etliche Platzverweise aus, Festnahmen habe es aber entgegen anderslautender Gerüchte keine gegeben, so Keilbach.

Die Polizei war mit sieben Hundertschaften vor Ort, tausend Polizisten waren im Einsatz.

Die Veranstalter der Gegendemonstrationen hatten rund 8000 Teilnehmer angemeldet, Pegida hatte mit mehreren Hundert Anhängern gerechnet. Das Bündnis „Für Vielfalt, gegen Rassismus“ mobilisierte rund 70 Organisationen, Kommunalpolitiker und Gewerkschaftsvertreter gegen die Protest-Aktion der Islamkritiker.

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde Deutschlands (TGB), Gökay Sofuoglu, warnte: „Pegida darf keine Zukunft in dieser Stadt und in diesem Land haben.“ Er forderte die Parteien auf, sich stärker von Pegida zu distanzieren. Der DGB-Landesvorsitzende Nikolaus Landgraf betonte: „Unsere Gesellschaft muss die Ängste vor sozialem Abstieg, vor Arbeitslosigkeit und Altersarmut ernst nehmen.“ Diese Ängste dürften nicht von rechten Gruppen benutzt werden, um gegen Minderheiten zu hetzen.

#NoPegidaS - die Gegendemo auf Twitter:

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