Peinliche SMS Wölfle entschuldigt sich für peinliche SMS

Von Thomas Borgmann 

Wölfle entschuldigt sich öffentlich für die fehlgeleitete SMS. Zurücktreten will er nicht, doch er weiß um die negative Folgen.  

Werner Wölfle bedauert peinliche SMS. Quelle: Unbekannt 13 Bilder
Werner Wölfle bedauert peinliche SMS. Quelle: Unbekannt

Stuttgart - Die Stuttgarter Grünen kommen nicht zur Ruhe. Ein halbes Jahr nach ihrem Sieg bei der Landtagswahl, in der sie hier vier Mandate erobert haben, hat Werner Wölfle, der langjährige Fraktionschef im Gemeinderat und neue Bürgermeister für die allgemeine Verwaltung und die Krankenhäuser, jetzt heftige Aufregung verursacht: Eine private Nachricht, die Wölfle an einen Bekannten gerichtet hatte, schickte er am 13. September von seinem neuen Handy aus versehentlich an eine Zeitungsredaktion.

Der Wortlaut: "Selbst dieser Franke wird im Stami untergebracht. Ist mir das peinlich. Kein Unterschied zu den Schwarzen. Gruß Werner." Gemeint war Philipp Franke, der Kreisvorsitzende der Grünen, dessen Berufung zum Referenten im Staatsministerium Wölfle persönlich für einen Fehler hält.

Nachdem der für alle Beteiligten peinliche Fehler gestern publik geworden war, entschuldigte sich Werner Wölfle öffentlich. Gegenüber dem Südwestrundfunk sagte er: "Mir ist das peinlich, denn so etwas gehört sich nicht. Ich entschuldige mich bei Philipp Franke. Eine private Ansicht per SMS - so etwas wird's bei mir nicht mehr geben." Aus seiner privaten Einschätzung sei, so Wölfle, "eine politische Nummer geworden". Er habe damit sich selbst geschadet, nicht aber seiner Aufgabe als Bürgermeister. An einen Rücktritt denke er nicht. Er werde mit Philipp Franke das Gespräch suchen.

Schuster steht hinter Wölfles Arbeit

Franke selbst erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur dapd: "Werner Wölfles Kritik ist sachlich völlig ungerechtfertigt. Die Nachricht sagt mehr über ihn aus als über mich." Alle Grünen, so betonte der Kreisvorsitzende, seien "gefordert, das grün-rote Projekt zum Erfolg zu bringen".

Gestern Mittag haben Oberbürgermeister Wolfgang Schuster, der zu Gesprächen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin weilte, und Werner Wölfle eine gemeinsame Erklärung abgegeben. Von Schuster heißt es darin: "Bei den Grünen gibt es immense innerparteiliche Spannungen, das ist offenkundig. Ich will das nicht bewerten.

Wir pflegen im Rathaus einen anderen Stil." Wichtig für ihn sei: "Die von Werner Wölfle versandte private Nachricht hat nichts mit seiner Aufgabe als Verwaltungsbürgermeister zu tun." Deshalb werde er, Schuster, "weiterhin mit Bürgermeister Wölfle vertrauensvoll zusammenarbeiten". Auch Peter Pätzold, der neue Fraktionschef der Grünen im Gemeinderat und damit Nachfolger Wölfles, betonte, es habe sich um eine rein private Äußerung gehandelt: "Es besteht daher kein Grund, irgendwelche politischen Konsequenzen aufgrund dieser Äußerung zu fordern."

Weitere interne Unstimmigkeiten bei den Grünen

Von Wölfle heißt es in dieser gemeinsamen Erklärung: "Ich habe eine private Nachricht an einen Freund geschrieben, darin einen ganz persönlichen, spontanen Eindruck geäußert." Diese kurze Mitteilung sei versehentlich an eine Zeitungsredaktion gegangen. Er entschuldige sich dafür ausdrücklich bei Philipp Franke. Und weiter: "Da es sich um eine rein private Äußerung gehandelt hat und keine politische, ist damit alles gesagt."

Wie wiederholt berichtet, hatte es nach dem Wahlsieg vom 27.März innerhalb der grünen Kreispartei persönliche Rangeleien um die Besetzung von Ministerposten und anderen wichtigen Ämtern in der neuen grün-roten Landesregierung gegeben. Damals hatte Werner Wölfle den Eindruck gewonnen, der Kreisvorsitzende Philipp Franke wolle eine mögliche Berufung des erfahrenen Landes- und Kommunalpolitikers in die neue Regierung oder eine leitende Funktion in einem Ministerium bewusst verhindern - um seine eigenen politisch-beruflichen Ambitionen nicht zu gefährden. Franke wiederum hat dies stets vehement bestritten.

Es gehe um Schadensbegrenzung

Doch damit nicht genug: vor wenigen Wochen ist auch das Zerwürfnis zwischen dem neu gewählten Bürgermeister Werner Wölfle und seinem Amtsvorgänger Klaus-Peter Murawski offenkundig geworden. Nach einem entsprechenden Bericht der StZ  hatten jedoch beide ihre gegenseitige Wertschätzung betont und jegliches Zerwürfnis bestritten. Aus Kreisen der Stuttgarter Grünen hieß es dazu jedoch, Wölfle und Murawski seien darum bemüht, die gegenseitigen Animositäten nicht nach außen dringen zu lassen - man wolle Schadenbegrenzung betreiben.

Morgen Abend treffen sich die Stuttgarter Grünen im Osten zu einer Mitgliederversammlung, bei der das Thema Stuttgart21 im Vordergrund stehen sollte - nun wird es dort gewiss auch um Werner Wölfles fehlgeleitete SMS gehen.

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