Penny in Weil der Stadt Warum man hier seit fast 10 Jahren auf den Supermarkt wartet
Schon 2016 war ein Discounter im Weil der Städter Teilort Schafhausen geplant. Ein Eröffnungstermin ist aber immer weiter nach hinten gerutscht. Was ist passiert?
Schon 2016 war ein Discounter im Weil der Städter Teilort Schafhausen geplant. Ein Eröffnungstermin ist aber immer weiter nach hinten gerutscht. Was ist passiert?
Man hatte es sich rosig ausgemalt: Im Herbst 2022, als der Weil der Städter Gemeinderat zuletzt zusammenkam, um über die Planungen für einen Supermarkt im Ortsteil Schafhausen zu beraten, träumten die Bauentwickler von der KIZ Unternehmensgruppe, die Stadtverwaltung und Gemeinderäte von einer Eröffnung zum Weihnachtsgeschäft 2023. Und das war schon spät – einst bestand der Wunsch, dass im Frühjahr 2020 im nagelneuen Penny-Discounter geshoppt werden kann.
Passiert ist auf der grünen Wiese im Westen von Schafhausen bis jetzt aber – wenig. Die Flächen sind längst gekauft, ein erster Planentwurf wurde bereits vor drei Jahren offengelegt. Trotzdem warten die Schafhausener weiter auf den Supermarkt vor der eigenen Haustür. Das Projekt, das inzwischen fast ein ganzes Jahrzehnt im Gespräch ist, läuft schleppend.
Was ist passiert? Als Mitgrund für die Verzögerung nannte der Erste Beigeordnete der Stadt, Jürgen Katz, schon vor einigen Jahren die „eher zögerliche“ Beauftragung eines Planungsbüros seitens Penny. Zu Buche schlägt aber auch der Aufwand, der sich aus der ersten Offenlegung der Supermarktpläne ergeben hatte: Vor drei Jahren präsentierte der Entwickler die Planung der Öffentlichkeit, ein nötiger Schritt im oft langwierigen Prozess hin zum rechtskräftigen Bebauungsplan. Einwände können in diesem Schritt nicht nur die Bevölkerung, sondern auch andere betroffene Einrichtungen und Behörden vorbringen.
Und diese Einwände haben, so scheint es, einen langen Rattenschwanz. „Aus der Offenlegung wurde klar, das seitens des Vorhabenträgers noch erhebliche Tätigkeit notwendig ist“, sagte Oliver Strobel vom zuständigen Planungsbüro Citiplan in der jüngsten Sitzung des Weiler Gemeinderats. Neue Gutachten mussten her, die Planungen angepasst werden.
Da wären etwa das Regierungspräsidium, dass sich mit der Forderung von sichereren Zu- und Abfahrtswegen zu Wort gemeldet hat. Der Ein- und Ausfahrbereich an der Landesstraße wurde dann wesentlich vergrößert. Das Landratsamt in Böblingen äußerte Sorge über die Lärmbelastung. Ein beauftragtes Büro musste also eine zusätzliche schalltechnische Untersuchung durchführen. Außerdem gefordert hatte das Landratsamt, dass sich der Regenwasserabfluss gegenüber der unbebauten Fläche nicht erhöht – ein Ingenieursbüro wurde daraufhin mit der Erstellung eines Entwässerungskonzepts beauftragt.
Hinzu kamen weitere nötige Gutachten zum Thema Grünordnung, zum Habitat- oder Bodenschutz – ein Prozess, der scheinbar fast ganze drei Jahre in Anspruch nahm. Eine konkrete Einschätzung dazu, ob die Verzögerung in Sachen Penny-Markt auf ein Versäumnis seitens des Vorhabenträgers zurückzuführen ist, lässt sich der Erste Beigeordnete Katz nicht entlocken, er kommentiert aber: „Trotzdem kann man sagen, dass die Projektentwicklung mitunter sehr zögerlich voran gebracht wurde.“ Großen Einfluss habe man auf das private Projekt seitens der Stadt nicht gehabt, so Katz, auch wenn man versucht habe, etwa bei Abstimmungen mit dem Regierungspräsidium zu unterstützen.
Unumstritten ist die Entwicklung des Penny-Marktes in Schafhausen derweil nicht, besonders wegen des Verkehrs: Konfliktpotential gibt es etwa, weil ein noch auf der Fläche bestehender landwirtschaftlicher Weg künftig über den Penny-Parkplatz führen muss. Außerdem können Kunden in Zukunft über die Landesstraße nur aus Richtung Weil der Stadt einbiegen und in Richtung Schafhausen abfahren – alle anderen müssen auf der anderen Seite des Geländes über die Althengstetter Straße fahren, die, so fürchten besonders manche Anwohner und Gemeinderäte, dadurch zu sehr verkehrlich belastet würde.
Für den Ersten Beigeordneten ist die Lage des Penny-Marktes zwischen den beiden Ortsteilen rechts und links der Würm aber genau richtig, die aktuelle Verkehrsplanung die beste Option. „In Merklingen wohnen Menschen an einer Straße, wo täglich 18 000 Autos vorbeifahren“, kommentierte er vor den Gemeinderäten. „Die halten das auch aus.“ Zumal sich die erwarteten 985 Fahrten entlang der Althengstetter Straße auch nur auf die Öffnungszeiten des Supermarkts beschränken würden.
Trotz der Debatte um die verkehrliche Anbindung hat der Gemeinderat die veränderte Planung inzwischen gebilligt, eine zweite Offenlegung ist jetzt für das dritte Quartal, die Abstimmung über einen finalen Bebauungsplan für das vierte Quartal angedacht. Einen potenziellen Termin für den Baustart hat Citiplan derweil nicht mehr genannt: Versprechen in diese Richtung hat man in der Vergangenheit wohl einmal zu oft brechen müssen.