Pentagon Der Kriegsminister unter Beschuss der eigenen Leute

Nennt sich Kriegsminister: Pete Hegseth – Trumps Mann fürs Grobe Foto: AP/dpa/Alex Brandon

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth soll den Befehl erteilt haben, wehrlose Überlebende in der Karibik zu töten. Der Kongress will dies nun untersuchen.

Die Vorwürfe gegen Pentagon-Chef Pete Hegseth sind massiv und kommen dieses Mal aus den eigenen Reihen. Genauer gesagt aus den für die Aufsicht seines Ministeriums zuständigen Ausschüssen im Kongress. Demnach soll der Verteidigungsminister persönlich den Befehl erteilt haben, zwei Menschen zu töten, die den ersten US-Angriff auf ein mutmaßliches Drogenboot am 2. September überlebt hatten. Aus Sicht von Völkerrechtlern wäre das ein Kriegsverbrechen.

 

Im Senat kündigte der republikanische Vorsitzende des Streitkräfteausschusses, Roger Wicker, eine förmliche Untersuchung an. Im Repräsentantenhaus verspricht sein Parteifreund Mike Rogers ebenfalls eine vollständige Aufklärung der Vorwürfe. Der Abgeordnete Mike Turner erklärte, falls die Berichte von Washington Post und CNN stimmten, „wäre das ein rechtswidriger Akt.“

Seltene Einigkeit mit den Demokraten

Die Republikaner finden sich in seltener Einigkeit mit den Demokraten, die viele Fragen zu den rund zwei Dutzend Angriffen mit mindestens 82 Toten auf angebliche Drogenboote durch die US-Streitkräfte und die Rolle Hegseths dabei haben. Senator Tim Kaine (Demokrat) sprach von „möglichen Kriegsverbrechen" und sein Kollege Ed Markey forderte den Rücktritt Hegseths.

Auf X wies Hegseth die Berichte als „erfunden, hetzerisch und abwertend“ zurück. Die US-Angriffe in der Karibik seien „sowohl nach US-amerikanischem als auch nach internationalem Recht rechtmäßig“, schrieb der Verteidigungsminister. Sie hätten zum Ziel, „den Handel mit Drogen zu stoppen, Drogenboote zu zerstören und die Drogenhändler zu töten, die die amerikanische Bevölkerung vergiften“. An Bord der Air Force One verteidigte Trump seinen umstrittenen Pentagonchef. „Ich glaube ihm zu 100 Prozent“, erklärte der Präsident vor Reportern zu den Dementis seines Ministers. Gleichzeitig ging er auf vorsichtige Distanz zu dem berichteten Befehl über einen zweiten Angriff auf Überlebende. „Nein, ich hätte das nicht gewollt. Keinen zweiten Schlag.“

Trump mischt auch im Wahlkampf in Honduras mit

Eine von vielen Volten des US-Präsidenten – dazu gehört auch die Begnadigung des ehemaligen honduranischen Präsidenten Juan Orlando Hernánde. Ein New Yorker Gericht hatte den rechtsgerichteten Politiker 2024 zu 45 Jahren Haft verurteilt, weil er Honduras in einen Narcostaat verwandelt hatte. Das Gericht hielt es für erwiesen, dass Hernández über 20 Jahre lang den Schmuggel von über 500 Tonnen Kokain aus Südamerika in die USA ermöglicht hat. Dabei verwandelte er Honduras in einen Umschlagplatz und Zufluchtsort für Drogenkartelle aus ganz Lateinamerika. Der zweiwöchige Prozess in New York verschaffte Einblick, wie sehr Politik, Regierung und Organisierte Kriminalität in Honduras verflochten waren. Laut Aussagen eines Zeugen der Anklage rühmte sich Hernández damit, „die Nasen der Gringos mit Drogen vollzustopfen“.

Die Ankündigung, Hernández begnadigen zu wollen, erfolgte direkt vor den Präsidentschaftswahlen in Honduras am Sonntag. Trump unterstützt den rechten Kandidaten Nasry „Tito“ Asfura, einen Parteifreund von Hernández. Er drohte, die Wirtschaftshilfe für Honduras zu streichen, wenn sein Favorit nicht gewinnt. Nach Stand der bisherigen Auszählung der Wahlen vom Sonntag lag Asfura vorn.

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