Singen, Tanzen, Akrobatik: Pepe Hörer (9) steht bei der Disney-Produktion im Stuttgarter Stage Palladium Theater auf der Bühne. Er genießt seine Auftritte als Dschungel-Junge.

Lampenfieber vor dem Auftritt? Kennt Pepe nicht. „Wenn ich auf der Bühne stehe, habe ich einfach nur Spaß“, sagt der Neunjährige aus Warmbronn frech und selbstbewusst zugleich. Seit November 2023 spielt er den kleinen Tarzan der Disney Produktion im Stuttgarter Stage Palladium Theater. Und wenn der Saal ausverkauft ist, dann sind immerhin mindestens 1800 Augenpaare auf ihn gerichtet. Pepe ist einer von momentan 16 Kindern, die sich in der Rolle des Waisenjungen, der unter Gorillas mitten im Dschungel aufwächst, abwechseln.

 

Eine der ersten Szenen in diesem Musical gehört dem kleinen Tarzan und seiner Affenmama Kala, die dem kleinen Menschenjungen als Baby das Leben gerettet hat, nachdem seine leiblichen Eltern bei einem Schiffsunglück vor der Küste Afrikas ums Leben gekommen waren. Auf allen vieren bewegt sich Pepe alias Tarzan geschmeidig über die Bühne, schlägt Räder, steht auf den Händen. Er reckt sich in die Höhe, streckt stolz die Brust heraus und trommelt darauf fest mit den Fäusten, stößt affenartige Laute aus: „Hu, hu, hu.“

Gorillas wirbeln Menschenjungen durch die Luft

Wenig später fliegt eine Horde Gorillas akrobatisch lässig an ihren Lianen hängend ganz knapp über den Zuschauerköpfen hinweg ins Geschehen ein, wirbeln den Menschenjungen durch die Luft. In einer anderen Szene vergnügt sich der junge Tarzan mit seinem besten Freund Terk hoch oben in den Baumwipfeln, singt mit ihm ein Duett und schwingt sich an der Liane mit einem Freudenschrei mutig wieder auf den Boden hinab. Schwindelfreiheit wird bei diesem Job vorausgesetzt. So auch die Freude an Gesang, Schauspiel, Tanz und Akrobatik.

Pepe Hörer (rechts) als kleiner Tarzan mit seinem erwachsenen Pendant. Foto: privat

Über eine Freundin hatte die Warmbronner Familie Hörer im November 2022 zufällig mitbekommen, dass die Disney-Produktion für das Tarzan-Musical kleine Darsteller sucht. „Weil Pepe, der damals noch sieben Jahre war, gerne tanzt und singt und auch schon an einem Musikkurs teilgenommen hat, dachte ich mir, dass er dabei Spaß haben könnte“, erzählt Mutter Barbara Hörer. Sie informierte sich gemeinsam mit Pepe im Internet, was das mit den Musicals auf sich hat und was von den Kindern alles gefordert wird. Der Sohn war begeistert, also ging schnell eine Bewerbung inklusive eines Fotos raus. Eine Einladung zum ersten Casting ließ nicht lange auf sich warten.

„Das Schwierigste zu lernen war der Makaku“

In der Zwischenzeit war Pepe acht, kleiner als 1,36 Meter sowieso, und Höhenangst hat er auch nicht. Beste Voraussetzungen, um überhaupt eingeladen zu werden. Insgesamt 180 Online-Bewerbungen gingen bei Disney ein, 85 Kinder wurden zum ersten Casting im Februar 2023 eingeladen. 25 kamen weiter, Pepe war einer von ihnen. Danach folgte ein intensives sechswöchiges Training. „Das Schwierigste zu lernen war der Makaku“, sagt Pepe. Also eine Art Flick Flack rückwärts ohne Anlauf über die Seite. Zudem bekamen die Kinder ein Lied sowie einen Dialog mit auf den Weg, die sie einstudieren sollten. Im entscheidenden Casting reisten Disney-Vertreter aus den USA als Jury-Mitglieder an. Von 25 noch verbliebenen Kindern wurden final zehn ausgewählt, die bei den Shows mitmachen dürfen. Pepe hatte es auch hier geschafft. Bis zur Premiere wurde das Trainingspensum noch intensiver.

Eineinhalb Stunden vor dem Auftritt sitzt der Warmbronner in der Maske. Vier helfende Hände drehen seine schulterlangen Haare zu Schnecken ein, befestigen sie mit Haarnadeln, stecken das Mikrofon dran und stülpen für einen guten Halt einen Seidenstrumpf drüber. Darauf kommt die zerzauste Tarzan-Perücke. Jedes Kind hat für den kompletten Abend einen Betreuer an die Seite, der sich um das Kind kümmert und schaut, dass es ihm gut geht. Diesmal übernimmt Studentin Leyla, deren Bruder vor zehn Jahren schon mal den Tarzan gespielt hat, diese Aufgabe.

Die Dschungelbemalung kommt zum Schluss

Sie geht mit Pepe in die Aufwärmhalle, studiert nochmals alle Laufwege und Akrobatik-Elemente ein. Alles ist zeitlich genau getaktet. Der Dirigent erscheint, gibt am Klavier die Tonlage an und macht mit dem Darstellungen Stimmübungen. Tarzans Freund Terk, bereits in kompletter Kostümierung, gesellt sich hinzu. Gemeinsam üben sie ihr Duett. Fehlt nur noch das Tarzan-Outfit: der Lendenschurz, darunter ist das Sicherungsgeschirr versteckt, an dem die Darsteller in die Lüfte gezogen werden. Die braun-grüne Dschungelbemalung folgt zum Schluss. „Alles, was ich auf der Bühne kann, habe ich im Training zusammen mit den anderen Tarzanen gelernt“, sagt Pepe. Konkurrenzdenken gibt es nicht.

Wie er den zeitlichen Musical-Aufwand mit der Schule vereinbaren kann? „Sehr gut, ich hab nur Einser und Zweier im Zeugnis“, sagt der Grundschüler, der in Warmbronn die vierte Klasse besucht, und grinst. „Das Musical ist eine schöne Erfahrung für ihn, doch es ist wichtig, dass die Schule nicht vernachlässigt wird, sonst würde das auch nicht funktionieren“, sagt die Mutter, die ihren Sohn immer nach Stuttgart fährt. Einige Mitschüler hätten schon eine Vorstellung von ihm gesehen. „Die finden das cool“, sagt Pepe. Aber im normalen Leben möchte er einfach nur Pepe sein, der gerne Klavier spielt oder Sport macht wie Schwimmen, Basketball und Tennis. Er trifft sich gerne mit seinen Freunden. Seit Kurzem tanzen sie zusammen Zumba. „Das macht richtig Spaß“, schwärmt der Neunjährige.

Zum großen Finale darf Pepe noch einmal auf die Bühne und sich vom Publikum für seine 26. Show feiern lassen. Am 2. November wird sein 30. Auftritt sein. Dann hofft Pepe sehr auf eine Verlängerung – denn er hat mega viel Spaß auf der Bühne.

Das Disney-Musical „Tarzan“

Vorstellungen
 Noch bis zum September 2025 läuft das Disney-Musical „Tarzan“ im Stuttgarter Stage Palladium Theater. Die Spielzeiten: Dienstag und Mittwoch ab 18.30 Uhr, Donnerstag und Freitag ab 19.30 Uhr, Samstag um 14.30 Uhr sowie 19.30 Uhr, Sonntag um 14 Uhr sowie 19 Uhr. Eine Vorstellung dauert 2 Stunden und 50 Minuten. Die Musik für das Tarzan-Musical hat Phil Collins komponiert.

Tickets
 Eintrittskarten gibt es ab 65 Euro und sind online unter www.stage-entertainment.de buchbar.