Performance im Theater Rampe She She Pop macht auf der Bühne Wünsche wahr

Die Bühne im Theater Rampe wird bei She She Pop zum Raum der Wünsche. Foto: Dominique Brewing

Das Kollektiv She She Pop hebt im Theater Rampe bei der Performance „Alles Mögliche“ die Grenze zwischen Bühne und Zuschauer auf. Wie kommt das an?

Machen She She Pop nun Impro-Theater? „Die Bühne ist leer, und es gibt nur eine Regel: Alles, was hier gleich passieren soll, muss vorher öffentlich angekündigt werden“ – so lautet das Programm, so steht es im Heft. „Alles Mögliche“ heißt das Stück des Performancekollektivs, das am Freitag im Theater Rampe Premiere feiert. She She Pop führen ihr Publikum zielstrebig durch den Abend. Ihnen geht es darum, die Grenzen zwischen Bühne und Alltagsleben, zwischen Wunsch und Wirklichkeit zu befragen. Mitunter bringen sie ihre Zuschauer dazu, diese Grenzen zu überschreiten, wenn auch zaghaft. Erst ist die Bühne mit einem breiten roten Band gesperrt, eine große Schleife in der Mitte. Ein Geschenk?

 

Ein schlichtes Spiel – mit philosophischem Tiefgang

Was also, wenn die Bühne zum Raum würde, in dem Wünsche wahr werden – „Wenn sich alle diese Wünsche oder Visionen oder Vorschläge in diesem Raum, in den Köpfen zusammensetzen würden, wie bei einem riesigen Puzzle, an dem von allen Seiten gleichzeitig gearbeitet wird, bei dem aber niemand weiß, wie es aussieht?“ Das scheinbar schlichte Spiel ist grundiert mit philosophischen Ideen; es geht um Kontingenz, es geht um Utopien. Und es gibt ein zweites Mikrofon, schräg hinter jenem Mikrofon der Wünsche – dieses Mikrofon gehört der Vergangenheit. Zuerst einmal machen She She Pop sich also auf die Suche nach der verlorenen Gegenwart und ihren Voraussetzungen. Die Mitglieder des Kollektivs sprechen davon, was in ihrem Leben war, vor 25 Jahren, und was vielleicht sein wird, wenn noch einmal so viel Zeit vergeht.

Der Sitznachbar wird zur Cousine

Zum Stück gehören gemeinsame Singspiele und ein kleines Buch, das im Saal umherwandert, in das jeder, der möchte, eintragen darf, wen er vermisst, Namen, die zuletzt verlesen werden. Es gibt einen imaginären Besuch bei einer Telefonsex-Hotline. She She Pop – Sebastian Bark, Johanna Freiburg, Lisa Lucassen, Mieke Matzke, Illia Papatheodorou und Berit Stumpf – erzählen, tanzen, tauschen die Kostüme, entkleiden sich dabei fast vollständig.

Es gibt eine kleine Fläche, auf der auch das Publikum tanzen darf – ein Zuschauer nimmt das Angebot gleich an und tanzt dort für den Rest des Abends, andere stoßen sporadisch zu ihm. Einmal fordern She She Pop ihre Zuschauer auf, die jeweils neben ihnen Sitzenden fortan als ihre Cousinen anzusehen und ihnen Unterstützung anzubieten. She She Pops Spiel nimmt Zufall und spontane Eingebungen auf, ist dabei aber klar strukturiert. Die Truppe entwickelt eine sympathische Beziehung zu ihrem Publikum. Das rote Geschenkband, das die Bühne zunächst abriegelte, wird von den Zuschauern zuletzt von hier nach dort geworfen und verbindet Menschen miteinander – alle möglichen.

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