Perkins Park wird 40 Jahre alt Bundesweit kämpft ein Stuttgarter ums Überleben der Clubs

Michael Presinger in seinem leeren Perkins Park, der im Dezember 40 Jahre alt wird, aber wegen Corona nicht feiern kann. Foto: Lichtgut/Julian Rettig 15 Bilder
Michael Presinger in seinem leeren Perkins Park, der im Dezember 40 Jahre alt wird, aber wegen Corona nicht feiern kann. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Am 3. Dezember wollte der Perkins Park den 40. Geburtstag feiern. Michael Presinger, von Anfang an dabei, kämpft jetzt auf Bundesebene für die Öffnung der Clubs. Mit den richtigen Lüftungsanlagen könne dies gelingen, sagt er.

Lokales: Uwe Bogen (ubo)

Stuttgart - Die Tanzfläche im großen Saal des Perkins Parks ist mit Hockern und Tischen zugebaut. Wenn Diskotheken oder Clubs zur Bar ohne Tanz werden, dürfen sie in der Coronakrise aufmachen. „Es lohnt sich nicht“, sagt Michael Presinger, der seit bald 40 Jahren die Geschicke an diesem Killesberg-Ort lenkt, „wir machen es vor allem, um nicht in Vergessenheit zu geraten.“ Doch eines stellt der 68-Jährige klar, der den Pachtvertrag mit der Stadt Stuttgart als Besitzerin der einstigen Veranstaltungsstätte der Reichsgartenschau bis 2035 (dann ist er 83) verlängert hat: „Sobald die Sperrstunde kommt, hören wir mit unserem Lounge-Betrieb endgültig auf.“

Presinger trifft sich mit Politikern in Berlin, Stuttgart und München

Pleiten, abgebrannte Lokale, Intrigen – dies alles hat Presinger, eine Clublegende der Stadt, in seiner langen Laufbahn als einstmals bundesweit tätiger Gastronom schon erlebt. „Dass eines Tages die Corona-Pandemie kommt und uns alle niederdrückt“, sagt er, „hätte ich mir niemals vorstellen können.“ Andererseits: Knapp 40 Jahre hat der Perkins Park, der an einem kalten Wintertag im Dezember 1980 als „Nobeldiskothek“ eröffnet worden ist, überlebt. Mit dem Konzept einer Großraumdisco orientierten sich Presinger und sein damaliger Geschäftspartner Gerd Schüler am New Yorker Studio 54. Es gab Tiefen und Stürme, aber immer ging es weiter. Deshalb glaubt der Gründer, die bisher schwerste Krise seiner Karriere auch noch überwinden zu können. „Aber nur“, betont er, „wenn die Politik jetzt die richtigen Entscheidungen trifft.“

Als Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Diskotheken und Tanzbetriebe (BDT) ist der Stuttgarter viel unterwegs, um eben die Politik zum Handeln zu drängen. Mal trifft er in Berlin Minister, mal ist er Experte einer Anhörung im bayerischen Landtag. „Wir sind die Lösung für das Partygeschehen“, sagt er dann gern, „nicht das Problem.“

Tanzen mit Mundschutz hält er für möglich

Das Problem seien die vielen illegalen Partys, die auch in Stuttgart weit verbreitet seien. „Es gibt Wirte, die lassen ihre Gäste zum Tanz durch Hintereingänge rein, machen vorne zu“, weiß Presinger, „außerdem nehmen sie ihnen die Handys ab, damit Tanzszenen nicht gepostet werden.“ Späher hielten Ausschau, ob die Polizei naht. Sobald die Beamten kämen, werde die Musik leise gestellt, der Tanz beendet und die Maske aufgesetzt. Dieses illegale Treiben, davon ist der Geschäftsführer des Perkins Parks überzeugt, lasse sich nur unterbinden, wenn legale Feiermöglichkeiten bestünden.

Die Politiker will er überzeugen mit perfektem Luftaustausch. „Da müssen wir mehr investieren und genauer hinschauen“, findet der 68-Jährige. Noch immer würde es nur wenige Studien geben, die belegen, dass Aerosole bei Luftreinigern und guter Belüftung so gut wie keine Chance hätten. Tanzen mit Mund- und Atemschutz kann er sich gut vorstellen. „Wir haben atmungsintensive Masken, die wir am Eingang verteilen würden“, sagt Presinger.

„Kontrollen sind besser als illegale Partys“

Die Infektionszahlen steigen weiter. Ist dies nicht ein schlechter Zeitpunkt, um für die Öffnung von Clubs und Diskotheken zu werben? „Gerade jetzt“, findet er, „muss allen klar werden, dass Kontrollen und hundertprozentige Nachverfolgung in legalen Treffs besser sind als illegale Partys.“ Sollte die Politik weiterhin eine Lockerung des Nachtlebens blockieren, stehen die Wünsche des Bundesverbands Diskotheken und Tanzbetriebe im Dehoga fest. „Wir brauchen eine Überbrückungshilfe, auch nach Ende des Jahres 2020, bis zum Normalbetrieb“, betont Presinger. Weitere Forderungen sind eine Fixkostenabdeckung sowie ein Unternehmerlohn. „Denn auch die Betreiber, die kein Kurzarbeitergeld bekommen, müssen privat Mieten bezahlen.“ Nach der Wiedereröffnung müsse die Mehrwertsteuer sieben Prozent betragen auf den Eintritt. Andernfalls sei eine Pleitewelle bisher nicht gekannten Ausmaßes nicht zu stoppen.




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