Personal in Stuttgart wird aufgestockt Ansturm auf Wohngeld – fünf Monate Wartezeit

Der Bund hat das Wohngeld zum Jahresanfang erhöht und den Kreis der Berechtigten deutlich ausgeweitet. Foto: imago/Lobeca

In Stuttgart hat sich die Zahl der Anträge auf den Mietzuschuss gegenüber dem Vorjahr um mehr als die Hälfte erhöht.

Die Stuttgarter Verwaltung wird seit der Einführung des erhöhten Wohngelds mit Jahresbeginn mit Anträgen geflutet und hat bereits enorme Rückstände. Die Zeit bis zur Genehmigung hat sich um das 2,5-fache erhöht und beträgt aktuell rund fünf Monate, die Leistung wird allerdings nachgezahlt. Der Gemeinderat hat am vergangenen Donnerstag weitere 25 Stellen genehmigt, um den Ansturm zu verkraften. Weil die Anträge nun auch online gestellt werden können, sei das Verfahren vereinfacht worden, so die Verwaltung. 547 Onlinemeldungen sind im ersten Quartal registriert worden. Zudem sind der Zentralbereich der Wohngeldbehörde und zwei Dienststellen des Sozialamts in größere Räume im Gebäude Torstraße 15 gezogen.

 

Der Empfängerkreis hat sich verdreifacht

Die Höhe des Wohngeldes wurde am 1. Januar deutlich angehoben, und man hat eine dauerhafte Heizkostenkomponente sowie eine Klimakomponente eingeführt. Das Wohngeld erhöht sich bundesweit im Schnitt um 190 Euro pro Monat, der Empfängerkreis verdreifacht sich, sodass nun breite Teile der Mittelschicht die Berechtigung zumindest prüfen lassen. Rund 1,4 Millionen Haushalte zusätzlich haben nun Anspruch auf die staatliche Leistung, die von den Kommunen ausgezahlt wird.

In der Landeshauptstadt hat sich die Zahl der Anträge im ersten Quartal im Vergleich zum Zeitraum Januar bis März 2022 von 4045 auf 6335 erhöht. Das ist ein Anstieg um 57 Prozent. Zusätzlich erhielten 2923 Haushalte, die bisher schon Wohngeld empfingen, im Februar durch einen neuen Bescheid automatisch die Erhöhung.

3938 Empfänger erhielten den nun dauerhaft gültigen Heizkostenzuschuss. Der Auszahlungsbetrag erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr von rund vier auf 7,7 Millionen Euro, das ist ein Anstieg um 86 Prozent.

Personalbedarf kann nur abgeschätzt werden

Die Stadt hat eine Taskforce eingerichtet, die sich mit den notwendigen Maßnahmen beschäftigt, um den Ansturm zu bewältigen, der keine vorübergehende Erscheinung ist, sondern eine dauerhafte Belastung darstellt. Bisher kann der Personalbedarf nur abgeschätzt werden, weshalb neue Stellen befristet sind – die Mitarbeiter erhalten aber einen unbefristeten Anstellungsvertrag. Von rund 25 Stellen betreffen allerdings nur etwa 18 den Bereich Wohngeld. Vier davon werden in einem neuen Kompetenzzentrum geschaffen, in dem die Mitarbeiter wie Quereinsteiger nach einem einheitlichen Konzept effektiv und schnell eingearbeitet werden sollen.

Weitere sieben betreffen Abteilungen, die sich mit an den Wohngeldbezug gekoppelten Leistungen beschäftigen. Dabei handelt es sich um die sozial- und familienpolitischen Instrumente Bonuscard + Kultur sowie die Familiencard. Deren Attraktivität veranlasst viele Haushalte, überhaupt Wohngeld zu beantragen. Die signifikante Ausweitung des Kreises von Berechtigten könnte eine Steigerung auf 15 000 Anträge zur Folge haben, so die Verwaltung. Zudem erwartet das Jobcenter eine Zunahme der sogenannten Bedarfsgemeinschaften auf rund 4200. Im vergangenen Jahr hatten nur Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in 1411 Haushalten mit Wohngeldbezug Bildungs- und Teilnahmeleistungen erhalten. Den zusätzlichen Personalaufwand veranschlagt die Stadt in diesem Jahr mit rund 770 000 Euro, in den nächsten beiden Jahren wird er auf 1,8 Millionen Euro taxiert. Mit 23 300 Euro schlägt die monatliche Zulage von 100 Euro als Motivationshilfe für Sachbearbeiter zu Buche.

Informationen auf städtischer Internetseite

Die Verwaltung verweist auf den Wohngeldrechner auf ihrer Internetseite, mit dessen Hilfe man selbst einschätzen kann, ob ein Antrag sinnvoll ist. Mittlerweile setzt die Stadt auf die elektronische Akte, mit der Daten automatisch übernommen werden können. Auch dafür stellt sie zusätzliches Personal ein. Die Stadt sieht sich damit im Land und bundesweit an der Spitze. Anspruchsberechtigte können den Antrag auch mit dem Smartphone oder Tablet stellen. Alle anderen Anträge – etwa zur Erhöhung oder auf Zuschuss für Immobilieneigentümer – müssen allerdings weiterhin per Mail oder postalisch gestellt werden.

Wohngeld ist ein Zuschuss zur Miete oder Belastung (bei selbst nutzenden Eigentümern) für Haushalte mit geringen Einkommen. Das Wohngeld leistet hier einen wirksamen Beitrag zur Verringerung der Wohnkostenbelastung. Anspruch und Höhe des Wohngeldes hängen ab von der Anzahl der zu berücksichtigenden Haushaltsmitglieder, der Höhe des Gesamteinkommens und der Höhe der zuschussfähigen Miete oder Belastung.

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