Die Personalturbulenzen an der Landesschule des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Baden-Württemberg erreichen nun auch die Führungsspitze. Nach mehreren Abgängen von hochrangigen Mitarbeitern verlässt nun auch der langjährige Geschäftsführer die Ausbildungsstätte für Notfallsanitäter mit Hauptsitz in Pfalzgrafenweiler (Kreis Freudenstadt). Der seit gut 15 Jahren amtierende Alfred Schulz, der schon seit einigen Monaten nicht mehr im Dienst war, werde seine Tätigkeit „auf eigenen Wunsch nicht mehr aufnehmen“, bestätigte ein Sprecher des DRK-Landesverbandes Baden-Württemberg Informationen unserer Zeitung.
Näheres könne man „aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes“ nicht sagen, fügte er hinzu; auch von Schulz selbst war keine Auskunft zu erhalten. Dem Vernehmen nach wird er zum Jahresende offiziell ausscheiden. Von der Webseite der Schule wurde der Geschäftsführer bereits getilgt, nur im Impressum erscheint er noch als Vertretungsberechtigter neben dem Co-Geschäftsführer, dem Stuttgarter DRK-Landesgeschäftsführer Marc Groß.
Bei der Doppelspitze soll es bleiben
Groß amtiert aktuell von Stuttgart aus als alleiniger Geschäftsführer der DRK-Landesschule, unterstützt von einer Mitarbeiterin in Pfalzgrafenweiler, die als „ständige Vertretung der Geschäftsführung“ ausgewiesen wird. Das Rote Kreuz will aber an der bisherigen Doppelspitze aus Stuttgarter und örtlichem Geschäftsführer festhalten. Es sei beabsichtigt, die Stelle von Schulz wieder zu besetzen, teilte der Sprecher mit. Im Zusammenhang mit der Personalie soll es eine Sondersitzung des Aufsichtsrates der Schule gegeben haben, dem die DRK-Landeschefin Barbara Bosch vorsitzt.
Der Abgang von Schulz erfolgt nicht einmal ein Jahr nach der Trennung vom langjährigen Gesamtschulleiter Rico Kuhnke. Dieser war im vorigen Herbst „mit sofortiger Wirkung freigestellt“ worden, wie es in einer internen Information hieß – offiziell in gegenseitigem Einvernehmen. Als Gründe wurden „unterschiedliche Vorstellungen über die zukünftige Ausrichtung der DRK-Landesschule“ genannt. Tatsächlich soll es zwischen Schulz und Kuhnke schon länger Differenzen gegeben haben; in dem Konflikt stellte sich der Aufsichtsrat letztlich auf die Seite des Geschäftsführers.
DRK spricht von „Phase der Neuausrichtung“
Nach langem Schweigen zu den Turbulenzen an der Landesschule hatte der DRK-Sprecher zuletzt mitgeteilt, diese befinde sich derzeit „in einer Phase der Neuausrichtung ihrer Führungsstruktur“. Von einer Krise könne keine Rede sein, die Ausbildung der dringend benötigten Notfallsanitäterinnen und -sanitäter laufe in „bewährt hoher Qualität“ weiter. Zuletzt hatten mehrere Führungskräfte die Schule verlassen, darunter die stellvertretende Gesamtschulleiterin und der Schulleiter in Pfalzgrafenweiler, einem von landesweit elf Standorten.
Als Hauptproblem der Schule gilt der Mangel an Lehrkräften mit der seit einigen Jahren geforderten Doppelqualifikation aus Notfallsanitäter-Ausbildung und medizinpädagogischem Studium. Diese fehlten derzeit „in ganz Deutschland“, betont das DRK. Nachdem die Aufsichtsbehörden – Sozialministerium und Regierungspräsidium – bisher noch ein Auge zudrückten, bestehen sie inzwischen zusehends auf der Einhaltung der Vorgaben. Wegen der Engpässe wurde teilweise bereits das Ausbildungsangebot reduziert.