Job bei Bosch Darauf müssen Bewerber achten
Bosch sucht Absolventen und Professionals, also Leute mit Berufserfahrung. Eine Personalmanagerin verrät, worauf es ankommt und was Bewerber vermeiden sollten.
Bosch sucht Absolventen und Professionals, also Leute mit Berufserfahrung. Eine Personalmanagerin verrät, worauf es ankommt und was Bewerber vermeiden sollten.
Der Technologiekonzern Bosch hat in Deutschland zurzeit etwa 3000 Stellen ausgeschrieben, der Schwerpunkt liegt im Bereich IT und Engineering. Pro Monat gehen allein für die 14 Standorte im Großraum Stuttgart rund 11000 Bewerbungen ein. Sabine Schubert, Leiterin People Acquisition Campus bei Bosch, verrät, wie Bewerber am besten punkten können.
Was macht eine Bewerbung für Sie interessant?
Eine gute Bewerbung muss inhaltlich interessant, ansprechend gestaltet und knackig formuliert sein.
Welche Rolle spielen Noten und Studienabschlüsse?
Je nach Stelle waren die Ergebnisse der Abschlusszeugnisse früher unverrückbar, also ein überzeugendes Abitur und ein guter Studienabschluss. Das hat sich etwas geändert. Heute legen wir mehr Wert auf das Gesamtpaket. Wenn jemand nicht die besten Noten hat, kann er das etwa mit interessanten praktischen Erfahrungen ausgleichen.
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Wie läuft das Bewerbungsverfahren, und wann erfolgt eine Einladung zum Gespräch?
Wir schreiben eine Stelle aus und veröffentlichen diese in gängigen Jobportalen und sozialen Netzwerken wie beispielsweise LinkedIn. Danach sichten wir die eingehenden Unterlagen. Dabei achten wir vor allem auf den Lebenslauf und prüfen, ob er den Anforderungen der Stelle entspricht. Passt der erste Eindruck, gibt es eine Einladung zum Gespräch. Zuletzt haben wir aufgrund der Pandemie vor allem virtuelle Gespräche geführt und damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Bewerberinnen und Bewerber fühlen sich wohl in ihren eigenen vier Wänden. Daher werden virtuelle Erstgespräche auch in Zukunft Teil unseres bewerberfreundlichen Prozesses bleiben. Sie sind einfacher zu organisieren und ersparen den Bewerbern eine Anreise.
Wie bereite ich mich am besten aufs Vorstellungsgespräch vor?
Für einen Bewerber oder eine Bewerberin ist so ein Gespräch sicherlich eine Prüfungssituation. Daher ist es gut, sich vorab mit der Stelle auseinanderzusetzen und sich die Frage zu stellen: Worum geht es eigentlich, was wird gefordert und was bringe ich mit? Wichtig ist auch, auf den eigenen Lebenslauf einzugehen, denn der ist „die Visitenkarte“. Ein Vorstellungsgespräch ist letztlich ein Verkaufsgespräch. Wie vermarktet sich der Bewerber? Kann er seine Geschichte interessant und pointiert erzählen oder wird sie ausufernd?
Was außer der beruflichen Qualifikation macht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus, nach denen Sie suchen? Was ist das Haupthindernis?
Für mich ist entscheidend, wie sich jemand im Gespräch gibt. Wirkt sie oder er authentisch und natürlich oder eher aufgesetzt? Zeigt ein Bewerber unterschiedliche Mimiken und Emotionen? Beispiel Lebenslauf: Oft scheitern Kandidaten daran, die drei wichtigsten Stationen im Lebenslauf zu nennen, weil es ihnen schwerfällt, auf den Punkt zu kommen. Kommt man vom Hölzchen aufs Stöckchen, verliert man schnell den roten Faden. Das verringert die Chancen erheblich.
Was für Fragen stellen Sie – etwa wie durchsetzungsstark jemand ist?
Es kann schon mal die Frage kommen: Wo haben Sie denn in Ihrem Lebenslauf oder in der Vergangenheit eine Situation erlebt, in der sie sich durchsetzen mussten? Es geht mir dabei um Selbstreflexion – darum ob jemand seine Erfolge benennen kann. Es kann auch um Situationen gehen, in denen es nicht so gut gelaufen ist. Ich frage nicht: Sind Sie belastbar? Ich arbeite mit offenen Fragestellungen wie zum Beispiel: Gibt es eine Situation, in der Sie Belastbarkeit gezeigt haben? Das kann dann ein dringender Abgabetermin sein, den es einzuhalten galt, oder eine komplexe Themenstellung, bei der man viele Bälle in der Luft gehalten hat.
Mit welchen Aktivitäten abseits von Studium und Beruf können Bewerberinnen und Bewerber bei Bosch punkten?
Wir schauen uns grundsätzlich sowohl die fachlichen Qualifikationen als auch die Sozialkompetenz an. Nebenberufliche Aktivitäten können im Laufe des Gesprächs eine Rolle spielen, hier geht es aber nicht um eine Aufzählung von Leistungen und Pokalen. Vielmehr möchten wir herausfinden, wie ein Bewerber in einer konkreten Situation vorgehen würde. Nehmen wir als Beispiel einen Embedded Softwareingenieur. Bei diesem Profil geht es neben der fachlichen Expertise auch darum, im Team zu interagieren, um gemeinsam Aufgaben mit Algorithmen zu lösen. Beteiligt sich die Bewerberin oder der Bewerber in seiner Freizeit etwa an Hackathons, kann dies ein Beispiel für Teamfähigkeit sein.
Wie sollten Bewerber auftreten, um beim Gegenüber einen guten Eindruck zu hinterlassen?
Da wir derzeit vor allem virtuelle Gespräche führen, kommt es durchaus vor, dass der Bewerbende nicht in die Kamera schaut. Es ist wichtig, sich auf das virtuelle Gespräch vorzubereiten und vorher auszuprobieren, wie man Bildschirm und Kamera am besten ausrichtet. Der erste Eindruck zählt: Hier kommt es auch auf ein gepflegtes Erscheinungsbild an, man sollte zum Beispiel beim Aufstehen nicht plötzlich eine Jogginghose sehen.
Wie wichtig sind Gegenfragen?
Wenn ein Bewerber eine Frage nicht verstanden hat, sollte er sich trauen, nachzufragen, nach dem Motto: Worauf wollen Sie hinaus? Und wenn eine Bewerberin oder ein Bewerber selbst Fragen zur Stelle hat, ist das für mich ein wichtiges Zeichen von Interesse – etwa dazu, wie sich das Team zusammensetzt oder wie viel Berufserfahrung die Teammitglieder haben.
Was sollte man im Vorstellungsgespräch nicht tun oder sagen?
Wenn jemand sich im Ton vergreift, ist das unpassend. Bewerber sollten aktiv zuhören, auf Signale achten und versuchen zu verstehen, was der Gesprächspartner will. Sonst machen sie sich durch Monologe uninteressant. Es gibt auch Situationen, in denen Bewerber mit Plattitüden arbeiten. Etwa, wenn man sich im Personalbereich bewirbt und argumentiert, man wolle mit Menschen zusammenarbeiten. Das ist für mich oberflächlich. Die Frage ist nicht tief genug beantwortet, wenn ich noch mehrmals mit „Warum“ oder „Was meinen Sie damit“ nachhaken muss.
Bosch will den Umbruch in der Automobilindustrie aktiv gestalten – Stichwort Vernetzung, Digitalisierung und Elektrifizierung – und Marktführer für vernetzte Künstliche Intelligenz für das Internet der Dinge (IoT) werden. Welche Eigenschaften sind Bosch bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor diesem Hintergrund besonders wichtig, und welche Qualifikationen und Ausbildungsrichtungen sind besonders gefragt?
Unsere Profilschwerpunkte liegen in den Bereichen IT, Software und Engineering. Wir suchen Kandidatinnen und Kandidaten die etwa einen Hintergrund als Cloud Solution Architect, Software Developer oder Embedded Software Developer haben. Die Anforderungen an diese Profile leiten sich grundsätzlich immer aus der Stelle ab. Neben der fachlichen Qualifikation ist es beispielsweise auch wichtig, kommunizieren zu können – sowohl im Team als auch im internationalen Umfeld. Als globales Technik- und Dienstleistungsunternehmen sitzen unsere Kolleginnen und Kollegen überall auf der Welt. Daher legen wir den Fokus auch darauf, wie jemand im interkulturellen Kontext agiert. Kann sie oder er sich beispielsweise auf die indische oder amerikanische Kultur einlassen?
In welchem Ausmaß werden Stellen für Fach- und Führungskräfte nicht intern, sondern mit externen Bewerbern besetzt?
Wir schreiben Stellen intern und extern aus. Der Mix macht es. Den Weg hin zu einem führenden IoT-Unternehmen gehen wir gemeinsam mit unseren eigenen Mitarbeitern, brauchen aber auch externe Impulse.
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Lässt sich eine Karriere bei Bosch planen? Reicht es fachlich gut zu sein?
Bei unseren Führungskräften geht es um Durchsetzungsstärke, Konfliktfähigkeit, Gestaltungskompetenz, aber auch die persönliche Wertorientierung hat große Bedeutung bei Bosch. Wenn jemand auf Biegen und Brechen Karriere machen will, ist er bei uns nicht richtig. Es geht darum, sich durchzusetzen und gleichzeitig sein Umfeld mitzunehmen – das ist für uns kein Widerspruch. Von Fragen „wo sehen Sie sich in drei Jahren?“ kommen wir immer mehr weg. Die beruflichen Entwicklungspfade haben sich stark verändert. Viel entscheidender ist, was jemand im Rahmen seiner beruflichen Entwicklung wichtig ist. Das ist unabhängig von der Position. Grundsätzlich gibt es bei Bosch unterschiedliche Laufbahnen, die wir kontinuierlich weiterentwickeln. Derzeit pilotieren wir die Expertenlaufbahn für Softwareentwickler. Auch ein Wechsel zwischen den Laufbahnen ist möglich.
Wie viele bestehen die Probezeit nicht?
Das sind weniger als ein Prozent.