Trumpf So punkten Bewerber

, aktualisiert am 17.08.2023 - 15:59 Uhr
Carolin Werth aus der Personalleitung bei Trumpf in Ditzingen Foto: Trumpf

Beim Werkzeugmaschinen- und Laserspezialisten kommt es nicht nur auf Begeisterung für Technologien an, sagt Carolin Werth aus der Personalleitung. Was Bewerber bei Trumpf wissen sollten. 

Stuttgart - Trumpf ist ein international agierender Spezialist für Werkzeugmaschinen, Lasertechnik und Software für die industrielle Fertigung. Welche Bewerberinnen und Bewerber beim Familienunternehmen die besten Chancen haben, erläutert Carolin Werth, Head of HR Services am Stammsitz in Ditzingen.

 

Frau Werth, bei Trumpf gehen jede Woche rund 800 Bewerbungen ein. Manche sind erfolgreich, andere fallen unter den Tisch. Was gibt für Sie den Ausschlag?

In der Bewerbung muss offenkundig sein, dass sich jemand ernsthaft mit unserem Unternehmen auseinandergesetzt hat. Eine gewisse Technologieaffinität sollte erkennbar sein, ebenso Begeisterung für Trumpf als Familienunternehmen sowie unsere Produkte. Das sollte neben den formalen Kriterien für jede Stelle erfüllt sein und fällt beim Sichten auch schnell ins Auge – zum Beispiel, wenn sich der Bewerber direkt auf eine Publikation oder ein Produkt von uns bezieht. Mit einem Standardschreiben punkten Bewerber nicht.

Die Bewerbung läuft über ein Onlineportal. Zu den Dokumenten, die eingereicht werden müssen, gehört neben einem tabellarischen Lebenslauf auch ein Motivationsschreiben. Worauf achten Sie dabei?

Das Motivationsschreiben darf keine Wiederholung des Lebenslaufs sein. In diesem Schreiben geht es um handfeste Argumente, warum sich jemand für die ausgeschriebene Stelle begeistert. Es ist wichtig, deutlich zu machen: Was bringe ich mit, und was hat Trumpf davon? Jeder sollte sich bewusst machen: In einer Bewerbung steckt Werbung für sich. Diese Werbung muss diejenige Person überzeugen, die das liest. Je präziser das Motivationsschreiben formuliert ist, desto besser.

Welche Rollen spielen Noten?

Klar schauen wir auch auf die Noten. Es gibt formale Voraussetzungen für bestimmte Stellen, die erfüllt sein müssen. Aber Noten allein sind nicht das einzige Kriterium, das wir bei der Auswahl berücksichtigen. Wir achten zudem auf die Kompetenzen, die ein Bewerber mitbringt, und ob er persönlich zu uns passt.

Was kommt nach dem schriftlichen Verfahren?

Hat uns ein Bewerbungsschreiben überzeugt, findet ein erstes Gespräch mit der entsprechenden Führungskraft aus dem Fachbereich sowie dem HR-Bereich statt. Wir sind neugierig, die Bewerberin oder den Bewerber näher kennenzulernen! Aber andersherum stellen auch wir uns vor. Wir wollen zeigen, was unser Unternehmen ausmacht und welche Leistungen wir bieten. Natürlich hat der Bewerber den größeren Redeanteil, da wir ihn oder sie so gut wie möglich kennenlernen wollen. Optimalerweise wissen beide Seiten nach diesem Gespräch, ob sie zueinander passen.

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Wie kann man sich auf das Gespräch vorbereiten?

Für mich ist es wichtig zu sehen, ob sich der Bewerber intensiv mit Trumpf als Unternehmen und vor allem mit der ausgeschriebenen Stelle befasst hat. Zur Vorbereitung helfen Fragen wie: Welches sind die wesentlichen Punkte aus meinem Lebenslauf, die ich noch einmal erwähnen will? Welche Punkte, die im Lebenslauf nicht vorkommen, will ich trotzdem ansprechen? Was sind meine Kernaussagen, was macht mich persönlich aus? Was bringe ich für die Stelle und für Trumpf mit? Gerne auch eigene Fragen für das Gespräch mitbringen, die sich in Vorbereitung auf das Gespräch ergeben haben. Auf dieser Basis entwickelt sich das Bewerbungsgespräch zu einem guten Dialog, in welchem sich beide Seiten kennenlernen können. Dabei gilt: immer authentisch bleiben.

Wie wichtig sind außerberufliche Aktivitäten, etwa persönliche Hobbys und soziales Engagement?

Das ist uns wichtig. Wir sind ein Familienunternehmen, und das gesellschaftliche Engagement hat bei Trumpf in Summe einen wichtigen Stellenwert. Wir achten darauf, ob sich Bewerber auch privat und sozial engagieren. Für uns ist es wichtig zu sehen, dass jemand Leidenschaft zeigt. Wenn wir merken, er brennt für eine Sache – egal ob es ein Hobby ist oder ein berufliches Thema – dann ist das ein gutes Zeichen. Das alles zusammen macht den Menschen aus.

Worin besteht aus Ihrer Sicht die besondere Trumpf-Kultur?

Da fallen mir gleich mehrere Schlagwörter ein: Hohe Innovationsfreude, mutig sein. Frische Ideen verfolgen. Offen sein für Neues, unternehmerischer Gestaltungswille. Das alles ist fest in unserer DNA verankert. Jeder kann durch unternehmerisches Denken seinen Beitrag zum Erfolg leisten. Auch der Zusammenhalt über Abteilungs-, Standort- und Ländergrenzen hinweg zeichnet uns aus.

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Sie fordern dazu auf, auch Gehaltsvorstellungen zu nennen. Trumpf bezahlt in der Regel nach dem Tarif der Metallindustrie. Wäre es klug, im Gespräch mehr zu fordern?

Bewerber sollten ehrlich angeben, was sie erwarten. Jeder sollte sich fragen: Was bringe ich für die Stelle mit, welche Kompetenzen habe ich, welche Berufserfahrung? Und wie sieht der Markt momentan aus? Wer sich darüber vorher Gedanken macht, kommt in der Regel zu einer realistischen Einschätzung. Wenn die eigenen Erwartungen aber zu weit von der Realität entfernt sind, wird es mit der Stelle auch nicht funktionieren.

Lässt sich der berufliche Aufstieg planen?

Wir bieten verschiedene Karrierewege bei Trumpf. Wer beispielsweise in der Position eines Junior-Entwicklungsingenieurs einsteigt, kann mit dieser Tätigkeit zum Spezialisten aufsteigen. Er kann sich aber auch zum Projektleiter oder zur Führungskraft weiterentwickeln. Wichtig ist, offen für Neues zu sein und die Chancen mitzunehmen, die das Unternehmen bietet. Manchmal gibt es auch links oder rechts des eigenen Bereichs Möglichkeiten, wie beispielsweise die Entsendung in eine unserer 84 Tochtergesellschaften. Daher sind Offenheit und Flexibilität wichtig, denn oft kommt es im Leben anders als man denkt.

Hat sich das in den vergangenen Jahren verstärkt?

Flexibilität wird immer wichtiger. Der Arbeitsalltag wird schneller, die Themen ändern sich, es kommen neue Herausforderungen und neue Produkte hinzu. Da ist es umso wichtiger, sich schnell auf Neues einstellen zu können und auch neue Dinge lernen zu wollen. Dann kommt der Erfolg von allein.

Expertin für Rekrutierung

Führungsposition
Carolin Werth kam 2016 zu Trumpf und hat aktuell die Positionen Global Head of HR Business Partner und Head of HR Services inne. Sie führt am Sitz der Zentrale in Ditzingen einen Bereich von 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, in welchem sowohl strategische HR-Fragestellungen begleitet als auch alle HR-relevanten Mitarbeiteranliegen bearbeitet werden.

Quereinstieg
Carolin Werth hat an der Universität der Bundeswehr in München Pädagogik und Bildungswissenschaften studiert und dort auch in Humanwissenschaft promoviert. Sie hat zudem einen Masterabschluss in Business Administration der ESB Business School Reutlingen. Vor dem Einstieg bei Trumpf war sie zwölf Jahre Offizier bei der Bundeswehr.

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