Personalie lässt aufhorchen Chef der Energieagentur Ludwigsburg geht: „Ich verlasse kein sinkendes Schiff“

Anselm Laube sieht die Zeit für eine neue Aufgabe gekommen. Foto: Ludwigsburger Energieagentur

Anselm Laube verabschiedet sich Ende März von der Energieagentur Ludwigsburg. Er glaubt dennoch an die Zukunft der Einrichtung, auch bei einem Regierungswechsel im Land.

Es sind harte Zeiten für Umweltfreunde. In Zeiten knapper Kassen streichen Kommunen Mittel für Projekte zusammen, die den Klimawandel einbremsen könnten. Marbach zum Beispiel will sich keinen Klimaschutzmanager mehr leisten. Dazu möchte die Bundesregierung den Einbau von Öl- und Gasheizungen wieder zulassen. Ausgerechnet in dieser Phase verliert die Energieagentur Kreis Ludwigsburg (LEA) Ende März ihren Geschäftsführer und ihr Aushängeschild. Anselm Laube hat seinen Abschied verkündet. Zeichnen sich da etwa erste Auflösungserscheinungen ab?

 

Das Gegenteil sei der Fall, versichert der 38-Jährige. „Wir sind mittlerweile so stabil, dass ich guten Gewissens gehen kann. Ich bin keine Ratte, die das sinkende Schiff verlässt“, stellt er klar. Er habe die Aufgabe als Projekt begriffen. Es sei um den Aufbau und die Etablierung der Agentur gegangen. Dieser Prozess sei abgeschlossen. 2018 habe er angefangen. „Da war ich praktisch allein“, sagt er. Inzwischen bestehe das Team aus rund 40 Frauen und Männern. Drei Geschäftsführer gäben den Takt vor. Für Laube war die Zeit gekommen, sich einer neuen Herausforderung zuzuwenden.

Laube will dort wirken, wo die Energiewende umgesetzt wird

Die LEA berät zum Beispiel bei Aufbau von Wärmenetzen. Foto: Archiv (Marijan Murat/dpa)

Zum 1. April wird der Maschinenbauingenieur die Betriebsleitung der Stadtwerke in Vaihingen an der Enz übernehmen. Damit muss er nicht mehr so lange in seinen Wohnort Karlsruhe pendeln. Aber vor allem möchte er nun dort wirken, wo die Energiewende umgesetzt wird. Bei den Standards seien Pflöcke eingerammt worden. Es sei im Grunde allgemein anerkannt, dass die Zukunft bei Wärmenetzen, Wärmepumpen und anderen umweltschonenden Lösungen liege. „Der Weg ist vollkommen klar. Mein Interesse ist jetzt, das in die Praxis zu übertragen“, erklärt Laube.

Umgekehrt sieht er bei der LEA nicht die Felle davonschwimmen, weil Kommunen oder eine mögliche andere Landesregierung vielleicht Geldhähne zudrehen könnten. In die Karten spiele der Agentur, dass sich jede Investition in die Energiewende auszahle. Ob man ein Gebäude dämme, sich eine PV-Anlage aufs Dach schraube oder eine umweltfreundliche Heizung installieren lasse. All das rentiere sich, spare auf Sicht Geld. Denn Wind und Sonne seien die mit Abstand günstigsten Energieträger. „Deshalb haben wir auch die Kämmerer der Kommunen auf unserer Seite“, sagt Laube.

Fast alle Kommunen sind Mitglied bei der LEA

Die Montage von PV-Anlage zahle sich auf Sicht auch finanziell aus, betont Anselm Laube. Foto: Archiv (picture alliance/dpa)

In der Tat ist der Rückhalt der Städte und Gemeinden aktuell groß. 38 von 39 Kommunen im Landkreis Ludwigsburg sind Mitglieder bei der LEA, die sich zu rund 15 Prozent aus den Beiträgen ihrer Unterstützer finanziert. In ähnlicher finanzieller Dimension bewegt sich die Förderung durch das Land. Das Gros des Budgets generiere man über Beratungsleistungen oder durch die Mitwirkung bei bestimmten Projekten wie dem Aufbau eines Wärmenetzes in Steinheim, erklärt Anselm Laube. „Es gelingt uns gut, die Leute zu erreichen. Die Nachfrage ist weiter da. Wir sind etabliert und der Exotenrolle längst entwachsen“, sagt der Fachmann.

Wichtig sei zudem, dass die Wertschöpfung vor Ort bleibe, während bei Geschäften mit fossilen Energieträgern andere Staaten profitierten. Laube findet zugleich, dass in den Rathäusern bisweilen noch die Expertise für die Wärmewende und die Zusammenhänge fehle. Das sei aber die Voraussetzung, „damit Wärmeversorgung vor Ort gelebt werden kann“. Insofern wird Laube auch versuchen, diesen Spirit nach Vaihingen zu tragen. „Für das Finanzielle findet man immer Lösungen. Es geht darum, dass man sich als Kommune auch auf den Weg macht“, sagt Laube.

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