Personalmangel bei der Stadt 1300 Stellen bei der Stadt Stuttgart sind unbesetzt

Die Spitze im Stuttgarter Rathaus muss sich dem Thema Personalmangel stellen. Foto: dpa/Marijan Murat

Der Gesamtpersonalrat der Stadt Stuttgart fordert eine „Stuttgart-Zulage“, um die Stadt Stuttgart als Arbeitgeber attraktiver zu machen. Er hat auch klare Vorstellungen, wie viel es sein soll.

Stadtleben/Stadtkultur: Jan Sellner (jse)

Trotz einiger finanzieller Anreize hat die Stadt Stuttgart größte Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen. „Personalmangel ist bereits jetzt und wird in den kommenden Jahren vermehrt eines der massivsten Probleme für die Stadtverwaltung bleiben“, sagte die Vorsitzende des städtischen Gesamtpersonalrats, Claudia Häußler, auf Anfrage. Die Situation habe sich gegenüber den vergangenen Jahren tendenziell noch verschärft. Stand Juni seien von rund 16 000 Stellen bei der Stadt etwa 1300 unbesetzt gewesen. Darunter auch neu geschaffene Stellen. Im jüngsten Doppelhaushalt hatte der Gemeinderat rund 1000 zusätzliche Stellen bewilligt, die bis 2024 Schritt für Schritt hinzukommen sollen.

 

Verschärft wird der Personalmangel durch altersbedingte Abgänge. Laut dem Personalbericht der Stadt werden allein in diesem Jahr 200 Beschäftigte in den Ruhestand gehen. Die Zahl wird sich demografisch bedingt auf bis zu 500 pro Jahr erhöhen. Darüber hinaus verliert die Stadt Personal durch Abwanderung. „Durch den allgemeinen Fachkräftemangel gibt es viele freie Stellen, was immer wieder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter veranlasst, sich neu zu orientieren“, erklärt die Gesamtpersonalratsvorsitzende. Ein weiteres Problem sind unzureichende Arbeitsmöglichkeiten. Die größten Bedarfe gibt es laut Häußler bei pädagogischem Fachpersonal wie Erzieherinnen und Erziehern. Außerdem bei Ärzten und in der Altenpflege. Mangel herrsche auch im IT-Bereich, in gewerblich-technischen Berufen, im Ingenieurwesen, bei Architekten und in Teilen der Verwaltung.

Vor diesem Hintergrund erneuert der Gesamtpersonalrat seine Forderung nach zusätzlichen finanziellen Anreizen. „Angesichts der massiven Auswirkungen, die der Personal- und Fachkräftemangel für die Arbeit der Stadtverwaltung hat, halten wir eine noch größere Kraftanstrengung für zwingend notwendig“, sagte Häußler. Der Gemeinderat habe im letzten Doppelhaushalt erfreulicherweise reagiert: „Doch weitere Maßnahmen müssen folgen.“

„300 Euro monatlich wären ein deutliches Signal“

Im Schulterschluss mit der Gewerkschaft Verdi macht sich die Personalvertretung für die Zahlung einer „Stuttgart-Zulage für alle Beschäftigten“ stark. „Nimmt man das Beispiel München als Maßstab, wären monatlich 300 Euro ein deutliches Signal an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, bei der Stadt zu bleiben, und ein deutlicher Anreiz bei Bewerbungen“, sagte Häußler. Sie wies auch auf eine „Gerechtigkeitslücke“ hin. Städtische Beschäftigte würden immer wieder bemängeln, wenn nur bestimmte Berufsgruppen innerhalb der Verwaltung in den Genuss einer Zulage kommen. Dies ist bei Beschäftigten in Kitas und der Ausländerbehörde und neuerdings auch in den stark beanspruchten Bürgerbüros und der Kfz-Zulassungs- und Führerscheinstelle der Fall. Konkret geht es um rund 100 Euro zusätzlich in den Entgeltgruppen 7 und 8.

Eine Stuttgart-Zulage für alle sei auch deshalb wichtig, weil sich viele Beschäftigte das Leben in Stuttgart auch angesichts steigender Energie- und Lebenshaltungskosten nicht mehr leisten könnten, meint Häußler. Sie fordert außerdem „zeitgemäß gute Arbeitsplätze“, eine schnellere Ausstattung mit Laptops und Diensthandy und eine Beschleunigung der Digitalisierung insgesamt. Als Beispiel nannte sie die elektronische Akte. Notwendig sei auch ein „umfassendes Gesundheitsmanagement“. „Gerade in diesen Bereichen fällt uns das jahrelange Sparen bis auf die Substanz jetzt schmerzhaft auf die Füße“, sagte Häußler. Der Gesamtpersonalrat mahnt zudem Eile an: „Es wird entscheidend sein, wie umfassend und rasch gehandelt wird, denn gerade hier gilt: Die Konkurrenz schläft nicht.“

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