Kinder brauchen Freiräume und verlässliche Strukturen, um in der Kita glücklich zu sein. Foto: Christian Charisius/dpa
Weil Fachkräfte in den Kitas fehlen, müssen immer wieder Öffnungszeiten gekürzt werden. Inwiefern können Eltern Erzieherinnen und Erzieher entlasten und eine Betreuung sicherstellen?
Kinder sollen in der Kita glücklich sein. In diesem Punkt waren sich die Gäste bei der Podiumsdiskussion unserer Zeitung am Sonntag im Kulturzentrum Merlin einig. Die Jugendamtsleiterin Katrin Schulze, die stellvertretende Gesamtelternbeiratsvorsitzende Julia Wagner und die Kita-Fachkraft Rita Russo diskutierten die Frage „Kitas in Stuttgart: Immer weniger Qualität für immer mehr Geld?“
Rita Russo betonte, dass Kinder Freiräume brauchen, um eigene Ideen zu entfalten. Genauso wichtig sei aber ein verlässlicher Rahmen, der Sicherheit biete. Julia Wagner sah das genauso. Hinzu komme für sie als Mutter das Thema verlässliche Öffnungszeiten. Katrin Schulze betonte: „Kinder und Eltern brauchen feste und motivierte Ansprechpersonen.“ Genau das würden die städtischen Kitas grundsätzlich auch bieten. Doch gerade bei Infektionswellen könne es mal holpern.
„Es gibt Situationen, in denen wir nicht so verlässlich sein können, wie wir es wollen“, sagte Schulze. Für Kinder und Eltern sei es Stress, wenn Fachkräfte häufig wechseln oder Öffnungszeiten kurzfristig nicht aufrechterhalten werden. Ursache sei der Personalmangel. „Darum dürfen wir beim Thema Fachkräftegewinnung und Fachkräftebindung nicht nachlassen“, betonte die Leiterin des Jugendamts. Für sie bedeute das vor allem, dass die Stadt selbst Fachkräfte ausbilden müsse.
Um verlässlicher in der Betreuung zu werden und insgesamt mehr Kindern einen Kita-Platz anbieten zu können, wandelt die Stadt zudem einen Teil ihrer Ganztagsplätze in Plätze mit sechsstündiger Betreuung um.
Mangelnd Verlässlichkeit ist für Familien ein großes Problem
Die mangelnde Verlässlichkeit der Betreuung und auch die Abkehr vom Ganztag seien aus Sicht vieler Eltern kritische Aspekte, sagte Julia Wagner. „Wir haben schon häufig mit der Stadt diskutiert, wie viel hochqualitative Bildung und Betreuung ein Kind am Tag braucht und ob Randzeiten nicht auch von Nicht-Fachkräften abgedeckt werden können, also zum Beispiel von Eltern. Viele sind dazu bereit“, sagte Wagner. „Unsere Bitte an die Stadt ist es, hier nach kreativen Lösungen zu suchen und mutiger voran zu schreiten.“
Bei der Veranstaltung unserer Zeitung diskutierten die Elternbeirätin Julia Wagner, die Kita-Fachkraft Rita Russo und die Jugendamtsleiterin Katrin Schulze (von links). Die Redakteurinnen Eva-Maria Manz (links) und Alexandra kratz (rechts) moderierten. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
In den Kinderhäusern des freien Kita-Trägers Konzept-e wird das schon gelebt. Dabei gehe es nicht nur um Hospitationen und darum, dass Eltern zum Beispiel in der Weihnachtszeit die Musikstunde auf einem Instrument begleiten. Sondern auch darum, dass bei personellen Engpässen Eltern stundenweise zusammen mit einer Fachkraft eine Gruppe betreuen, deren Öffnungszeiten ohne die Mithilfe der Eltern hätten gekürzt werden müssen.
Katrin Schulze als Leiterin des Jugendamts ist da zurückhaltender. Es sei möglich, dass Eltern eine Betreuung organisieren und dafür die Räume der Kita nutzen. Doch auch wenn eine solche Betreuung immer außerhalb der offiziellen Kita-Betreuung stattfinde, brauche es dafür eine Qualifizierung. Die Träger hätten sich auf den Weg gemacht und ein Curriculum erarbeitet. Denn es gebe Dinge, die Eltern zwingend wissen müssen. „Da sind wir ganz klar beim Thema Kinderschutz, beim Themenkomplex Achtsamkeit, Nähe und Distanz sowie beim Datenschutz“, sagte Schulze. Zudem müssten sich viele Eltern beteiligen, zwei oder drei allein könnten so etwas nicht stemmen. „Auch da hakt es noch“, sagte Schulze. Dennoch versuche die Stadt, die Rahmenbedingungen für dieses besondere Engagement zu schaffen.