Personalnot in Kitas Kitas, keine Kinder-Aufbewahrungsstätten
In vielen deutschen Kitas arbeiten nicht genügend Fachkräfte. Jetzt braucht es eine große Ausbildungsoffensive, findet Hauptstadtkorrespondentin Rebekka Wiese.
In vielen deutschen Kitas arbeiten nicht genügend Fachkräfte. Jetzt braucht es eine große Ausbildungsoffensive, findet Hauptstadtkorrespondentin Rebekka Wiese.
Sie sind nicht genug, deshalb sind sie überlastet. Und weil sie überlastet sind, werden sie noch weniger. Das ist seit vielen Jahren die Lage etlicher Fachkräfte in deutschen Kindertagesstätten. Und bislang ist keine Besserung in Sicht.
Das hat Konsequenzen. Experten empfehlen, dass mindestens etwas mehr als 80 Prozent der Erzieherteams in Kitas mit Fachkräften besetzt sein sollten. Doch das schaffen immer weniger der Einrichtungen, wie nun eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt. 2017 erfüllten noch 41 Prozent die Quote. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 32 Prozent – jede dritte Kita.
Dass Arbeitskräfte ohne entsprechende Ausbildung in Kitas einspringen, mag in Ordnung sein, um eine Notlage aufzufangen. Doch das darf nicht der neue Standard werden. Schließlich sind Kitas keine Kinder-Aufbewahrungsstätten, sondern Lernorte. Wenn immer weniger Kitas die Fachkraft-Quote erfüllen, wirkt sich das langfristig auf die frühkindliche Bildung aus. Dabei weiß man längst, wie entscheidend diese für die Zukunft vieler Kinder ist.
Eine vom Familienministerium eingesetzte Arbeitsgruppe empfiehlt schon lange, eine bundeseinheitliche Quote für Fachkräfte in Kitas einzuführen. Das scheiterte bislang an den Ländern. Vor allem in Westdeutschland erfüllen wenige Kitas die Fachkraftquoten, in Baden-Württemberg sind es 26 Prozent, in Bayern sogar nur drei Prozent. Dass man sich hier gegen eine bundesweite Regelung wehrt, verwundert nicht. Doch das nimmt die politisch Verantwortlichen nicht aus der Pflicht, etwas gegen das Problem zu tun.
Die neuen Zahlen sind ein Alarmsignal. Nun muss dagegen gesteuert werden: mit Ausbildungs- und Umschulungsoffensiven, die dazu führen, dass mehr Fachkräfte nachrücken. Ansonsten droht die Situation sich weiter zu verschärfen. Einfach nichts zu tun, darf nicht die Lösung sein.