Zum Jahresende wartet auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Lohnbuchhaltung beim VfB Stuttgart noch einiges an Arbeit. Aufgelöste Verträge, Abfindungen, neue Arbeitspapiere – das zurückliegende Personalbeben beschert ihnen so einiges an zusätzlichem Papierkram. Und den obersten Kassenhütern beim Fußball-Bundesligisten wenn nicht schlaflose Nächte, dann zumindest etwas Kopfzerbrechen. Denn vorgesehen waren all die Personalwechsel in der Budgetplanung nicht.
Der Trainerstab vergrößert sich – zumindest vorübergehend
Zusammen kommt eine garantiert siebenstellige Aufwendung für Mitarbeiter, die nicht mehr in Amt und Würden sind. Und zu den Altlasten kommen neue Personalkosten hinzu. Cheftrainer Bruno Labbadia bekam einen Vertrag bis Sommer 2025 vorgelegt. Zu welchen Konditionen, ist unklar. Zuletzt in Berlin soll der 56-Jährige drei Millionen Euro pro Jahr verdient haben. Während der Coronazeit verzichtete er auf die Hälfte seines Gehalts.
Von solchen Dimensionen ist man in Stuttgart weit entfernt. Matarazzo wurde mit rund einer Million Euro pro Jahr entlohnt. Das Gesamtpaket Labbadia ist freilich teurer, bringt er doch drei eigene Assistenten mit. Sie gesellen sich zu den acht verbliebenen Spezialisten aus dem bisherigen Trainerstab. Über ihre künftigen Rollen wird entschieden, wenn sich der neue Cheftrainer sowie der neue Sportdirektor ein Bild gemacht haben. Für Fabian Wohlgemuth wurde eine Ablöse in Höhe von 250 000 Euro an den SC Paderborn fällig. Immerhin dürfte er beim Gehalt unter dem seines Vorgängers liegen. Bei Mislintat waren rund zwei Millionen Euro pro Jahr überliefert.
Der VfB lässt sich den sportlichen Neustart also etwas kosten. Und das in einer Zeit, in der er jeden Euro zweimal umdrehen muss. Die Folgen der Coronakrise schlagen sich noch immer in den Bilanzen nieder, wie Finanzvorstand Thomas Ignatzi während der USA-Reise des VfB berichtete: „Wir brauchen weiter maximale Kostenflexibilität. Zumal die Ausfälle, die wir hatten, nicht nachgeholt werden können.“ Bis 2026 muss der Verein Darlehen aus der staatlichen Coronahilfe tilgen. Hinzu kommen der Stadionumbau, der dem Verein höhere Pachtzahlungen abverlangt, und vorübergehend verringerte Zuschauereinnahmen – Ignatzi spricht in diesem Zusammenhang von einer „Umsatzdelle im zweistelligen Millionenbereich“ bis zum Ende der Maßnahmen in einem Jahr. Danach rechnet man mit Mehrerlösen. Vorausgesetzt, die Mannschaft steigt nicht ab.
Hiroki Ito steht wohl bei AS Rom auf der Einkaufsliste
Um mehr Geld zu generieren, nennt Ignatzi zwei Stellschrauben: „Das ist einmal eine Kapitalerhöhung. Aber die steht hier und heute nicht an. Und das sind jeweils die beiden Transferfenster – aber da lassen wir uns nicht unter Druck setzen.“ Begehrte Profis gibt es allerdings, etwa Borna Sosa und Hiroki Ito. Wie die „Gazzetta dello Sport“ berichtet, ist AS Rom auf den Japaner aufmerksam geworden. Am Dienstag bekräftigte Vorstandschef Alexander Wehrle gegenüber unserer Zeitung: „Wir sind handlungs- und wettbewerbsfähig – und nicht gezwungen, im Winter Spieler zu verkaufen.“
Mit Blick auf die Suche nach einem Investor ergänzte Finanzvorstand Ignatzi: „Die Kapitalerhöhung ist nicht so dringend, als dass wir Leute zu uns an den Tisch einladen, die als Investor nicht zu uns passen.“ Wirklich voran kommt der Club auf der Suche nach einem zusätzlichen Anteilseigner nicht. Dazu passen die jüngsten Aussagen von Claus Vogt bei einer Veranstaltung in Waldenbuch: „Momentan haben wir mit Mercedes-Benz einen super Partner drin. Wir sind mit Mercedes dran, einen weiteren Partner zu finden. Da gibt es Gespräche. Aber die Zeiten sind natürlich alles andere als gut. Nicht nur im Profifußball gab es Corona, sondern auch in vielen Unternehmen. Die Umsätze sind nicht mehr so wie früher.“
Die VfB AG muss also mit den vorhandenen Mitteln klarkommen. Die nun zusätzlich entstandenen Personalkosten nimmt man in Kauf. Denn: Als Gegenwert werden gerne 40 Millionen Euro angeführt. So viel würde ein neuerlicher Abstieg kosten.