Peter Glaser blickt in die Kristallkugel Das kybernetische Klosett

Von Peter Glaser 

Peter Glaser muss heute - leider? - über das Klo reden. Das Klo der Zukunft. Wenn man es je so nenn darf beim Kohler Numi K-3900. Es kommt unter anderem mit Fußwärmgebläse und einer smartphonehaften Near Field-Fernbedienung.

Die Toilette der Zukunft kommt mit Fußwärmgebläse. Foto: Kohler
Die Toilette der Zukunft kommt mit Fußwärmgebläse. Foto: Kohler

Stuttgart - Hier geht es in Zukunft um die Zukunft. Das StZ-Hausorakel Peter Glaser befragt einmal die Woche die Kristallkugel nach dem, was morgen oder übermorgen sein wird – und manchmal auch nach der Zukunft von gestern. Dazu als Bonus: der Tweet der Woche!

Tut mir leid, wir müssen heute über ein Klo reden. Leute, die ein solches besitzen, würden sich natürlich niemals dazu versteigen, die erlesene Einrichtung roh als Klo zu bezeichnen. Die Rede ist vom Kohler Numi K-3900, einer ambient illuminierten Sanitäreinrichtung mit Fußwärmgebläse und einer smartphonehaften Near Field-Fernbedienung für diverse regelbare Annehmlichkeiten.

Das Möbel ist für rund 5.000 Dollar zu haben, und von einer so teuren Toilette darf man selbstverständlich verlangen, dass sie einen auch erkennt. Das geschieht über Sensoren an der Vorderseite, die heranschreitende Nutzer ermitteln und in die Wege leiten, dass der Klodeckel, ein Wunderwerk unter den weich bewegbaren Klapparatismen dieser Erde, sich öffnet oder schließt, ohne dass man dazu seine Hände benutzen müßte. Dank weiterer Bewegungseinrichtungen vermag das Gestühl die Hockhöhe zu variieren, das Brett kann der Begegnung mit der nackten Sitzbereichshaut vermittels einer Heizung entgegenwirken und ein Bündel von Optionen, unter "Advanced Bidet Functionality" zusammengefaßt, läßt einen schon auf dem Vorwege respektvoll erschauern angesichts der Verheißungen vielfältiger Wassersprühmuster, Druck- und Temperaturpräferenzen sowie erwärmter Luft, die durch ein machtvoll desodorierendes Holzkohlefilter geschleust wird.

Subtil bezähmte Wasserstrahlen

Ich musste an das Bad in einem Hotelzimmer in Tokio denken, in dem es sogar eine Wanne gab, auch wenn sie aussah wie ein Hockgrab von Luigi Colani (alles in Japan ist klein, sogar die Feuerlöscher) und in dem mich auch eine der notorischen japanischen Hightech-Toiletten erwartete. Von Fotos waren mir derlei Einrichtungen mit ihren komplexen Schaltkonsolen bekannt, die alle an die Zero Gravity Toilet aus Kubricks “2001 - A Space Odyssee” erinnern. Man kann sich auf sowas einfach draufsetzen, wie das europäische Waldmenschen tun, aber eine japanische Hightech-Toilette ist einfacher zu programmieren als eine Venussonde und vermag einen dann mit subtil bezähmten Wasserstrahlen und Warmluftvariationen zu bedienen, die an der Frage enden: Wie lautet die Mehrzahl von Hauch?

Bereits an dieser sprachlichen Beschränkung im Deutschen erkennt man den Reichtum an kleinen Freundlichkeiten, die man in Japan in den verschiedensten Formen dargeboten bekommt. Nun aber haben die Amerikaner aufgeholt. Das Ganze beginnt, um genau zu sein, in Schnepfau, einem kleinen Dorf im österreichischen Vorarlberg, von wo Johann Michael Kohler mit seinen Eltern 1844 nach Amerika auswanderte. Mit 39 schraubte er erstmals vier Zierfüße an eine gußeiserne Pferdetränke, verkaufte sie als Badewanne und kam damit groß im Sanitärhandel raus. In dieser Branche ist Kohler, inzwischen geführt vom Enkel des Firmengründers, Herbert V. Kohler, Jr., einer der Riesen.

Gläserne Leichtigkeit

Das Promotion-Video für das Numi K-3900 ist einfach umwerfend. Für das Filmchen steht die eigenartig unrunde Toilette als Designbrocken in der gläsernen Leichtigkeit eines der schönsten Häuser der Welt – des nach dem ehemaligen Footballspieler Buck Stahl benannten Stahl House, aus dessen über einen Hang hinausragendem gläsernen Wohnzimmer man über die Lichtermatrix von Los Angeles blickt. Da sind ein weibliches und ein nichtweibliches Model, von denen man ständig befürchtet, dass sie gleich aufs Klo gehen müssen, während das Numi sich, so wie die wandverschiebenden Angebermechanismen, die Weltherrscher in den frühen James Bond-Filmen per Knopfdruck auslösten, zu seiner mit geöffnetem Deckel schlichtweg benutzbaren Form entfaltet. Ein aus der Zukunft gelandetes Notdurft-Ufo, in dem sacht die pastellfarbene Ambient-Beleuchtung hochgedimmt wird und uns versonnen das Kontrollpanel aus der Docking Station entgegenglimmt, die der Geräuschwünsche des Nutzers harrt.

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Und hier noch wie immer der Tweet der Woche: