Peter Glaser blickt in die Kristallkugel Die abgefahrene Zukunft

Von Peter Glaser 

Wie man sich Mitte des letzten Jahrhunderts die Transportsysteme von morgen vorstellt.

 

Den Individualverkehr der Zukunft stellte man sich früher eher schwebend und luftig-leicht vor. Die Gegenwart sieht etwas anders aus. Foto: dpa
Den Individualverkehr der Zukunft stellte man sich früher eher schwebend und luftig-leicht vor. Die Gegenwart sieht etwas anders aus. Foto: dpa

Stuttgart - Hier geht es in Zukunft um die Zukunft. Das StZ-Hausorakel Peter Glaser befragt einmal die Woche die Kristallkugel nach dem, was morgen oder übermorgen sein wird – und manchmal auch nach der Zukunft von gestern. Dazu als Bonus: der Tweet der Woche!

Und wieder einmal blicken wir beherzt nach hinten – in eine Zukunft, wie sie mal werden sollte, sich dann aber doch nicht recht durchzusetzen vermochte. Unserer Gegenwart noch am nächsten ist dieser Entwurf eines spiralisierten Drive-in-Hotels, das der Zeichner Arthur C. Radebaugh sich 1948 ausmalte. Es zeigt sich als etwas wie eine Mischung aus den beiden 1964 erbauten, maiskolbenförmigen Wohntürmen der Marina City in Chicago (deren unterste 19 Stockwerke ein spiralförmiges Parkhaus bilden), und dem 1999 eröffneten Burj al Arab in Dubai (das, wie auf der Skizze, am Strand gelegen und mit Mast-Pfeiler und Hubschrauberlandeplattform versehen ist).

Ein weiterer Illustrator, der Franzose Michel Siméon, hat sich an der möglichen Weiterentwicklung des Individualverkehrs versucht, die bei ihm die Gestalt schwebender Ein- und Zweisitzer-Glasblasen annimmt, die den von Transportröhren durchdrungenen Großstadtraum wie eine sonderbare Verbindung aus Riesenmaschine und Vergnügungspark erscheinen lassen. Die spurlos sauber schwebenden Gefährte, ohne jedes Auspuffgas oder Rückstoßwölkchen, erinnern an die traditionelle Neigung, bei derartig verheißungsvollen Bildern Dinge, die stören, unter den Tisch fallen zu lassen (Wir erinnern uns zum Beispiel an die Frühzeit der PC-Revolution, in der auf Reklamefotos elegante Computerbildschirme und Tastaturen stets ohne Kabel zu sehen waren).

Hier noch eine zeitgemäße Version des damals ungemein beliebten Schwebefahrzeugs - ein Inbild der Leichtigkeit, mit der Transport im Allgemeinen hinkünftig vonstatten gehen sollte: radlose Heckflossen-Autos, die über eine fast nur noch aus Fahrbahnen bestehende Welt hinwegeilen, überflogen von Privat-Ufos und Autobushelikoptern.

Ein an der Knuffigkeit der Rakete in die Fünfzigerjahre datierbares Comicheft „Santa Takes a Trip to Mars“ verdeutlichte den Konkurrenzdruck, dem sogar der Weihnachtsmann angesichts der rasenden Fortschritte in der Raumfahrttechnik unterlag. Zugleich wurde zwanglos die Ausweitung der freien Marktwirtschaft in den Kosmos vermittelt: der Markt für Weihnachtsbäume würde gleich um einen ganzen Planeten erweitert. 1960 auf dem Umschlag des Groschenromans „The Tomorrow People“ hatte die Sache schon erwachsenere Aspekte: „Er kam zurück vom Mars – mit einem Geheimnis, das zu schrecklich war, um darüber zu sprechen.“

Wer bei solchen vertrackten Problemen helfen sollte, war auch klar: Ein Roboter. Der Kreis schließt sich, wir sind wieder in Chicago. Auf einer Automobilmesse, um genau zu sein, auf der Freddie Ford, von hübschen Mädchen umschwärmt, Frage und Antwort steht. War die Zukunft nicht wundervoll, auch wenn sie nie eingetroffen ist?

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Und hier noch wie immer der Tweet der Woche: