Peter Glaser blickt in die Kristallkugel Mit dem Exoskelett zur Superkraft

Von Peter Glaser 

Exoskelette, die ihrem Träger übermenschliche Kräfte verleihen, beflügelten schon in den 1960er Jahren die menschliche Fantasie. Die US-Navy war beispielsweise angetan vom Marvel-Comic-Helden Iron Man - und wollte sich von Disney einen Eisenanzug nachbauen lassen.

Die Comic-Version des Exoskeletts: Iron Man (im Hollywood-Film verkörpert durch Robert Downey Jr., rechts), inspirierte die US-Navy. Foto: AP
Die Comic-Version des Exoskeletts: Iron Man (im Hollywood-Film verkörpert durch Robert Downey Jr., rechts), inspirierte die US-Navy. Foto: AP

Stuttgart - Hier geht es in Zukunft um die Zukunft. Das StZ-Hausorakel Peter Glaser befragt einmal die Woche die Kristallkugel nach dem, was morgen oder übermorgen sein wird – und manchmal auch nach der Zukunft von gestern. Dazu als Bonus: der Tweet der Woche!

Essen auf Knopfdruck! In ihrer Ausgabe vom 18. Oktober 1903 malt sich die Times-Depesche aus Richmond im US-Bundesstaat Utah in einem Comic aus, wie man sich in einem künftigen Roboter-Restaurant verköstigen wird. Die Roboterarme sind sogar so höflich, Herrn Professor Jyblitts aus dem Mantel zu helfen!

Um Zeit und Wege zu sparen, wurde 1939 in einem Münchner Museum ein Büro auf Rädern erprobt. Es ließ sich durch Gänge und Ausstellungsräume rollen, um anlässlich einer Inventur der Objekte des Hauses jeweils gleich vor Ort zu sein.

"Selbst-antwortendes Telephon denkt mit und spricht!", lautete 1950 die Werbeverheißung der Firma Ipsophone für ihren weltweit angebotenen "Robot-Telephondienst mit Gehirn". Und so hatte man sich das vorzustellen: "Hallo, Hallo. Hier ist die Wohnung von Mr. John Smith. Ihre Nachricht wird automatisch aufgezeichnet. Bereit? Bitte sprechen Sie jetzt!" Drei Einheiten dieser ingeniösen Schweizer Erfindung wurden bereits für den König von Ägypten installiert. Wobei die Kosten von 38 Dollar im Monat die Technik auch für kleine Geschäftsleute in greifbare Nähe rückt.

Der Anzug des Eisenmanns - in echt

Ein Exoskelett, wir erinnern uns, ist ein bewegliches Gerüst, das den Menschen umgibt und ihn nicht nur stützen, sondern ihm auch übermenschliche Kräfte verleihen soll - Schritte, groß wie mit Siebenmeilenstiefeln oder die Fähigkeit, Gewichte zu heben, die hunderte Kilos schwer sind. 1965 trat die US-Navy mit einem Spezialprojekt an Walt Disney heran. Die Militärs wollten, dass ihnen die Disney-Ingenieure ein Exoskelett bauten - eine Art Realversion des Anzugs, den der Iron Man aus den Marvel Comics trägt.

Sie waren beeindruckt von den Robotern, denen die Disney-Animatroniker auf der New Yorker Weltausstellung 1964/65 Leben eingehaucht hatten. Ein Abraham-Lincoln-Roboter hielt so überzeugend Reden und gestikulierte, dass ihm ein Reporter auch zuschrieb, er liefe frei herum (was aber nicht stimmte). Disney lehnte das Projekt ab, da er ahnte, was dafür noch an Forschungsarbeit nötig sein würde.

Anschließend übernahm General Motors die Aufgabe. Deren Hardiman - der wahrscheinlich erste Versuch, ein Exoskelett zu bauen -, blieb ein erfolgloser experimenteller Prototyp. Hardiman sollte bis zu 680 Kilogramm schwere Lasten heben, aber jeder Versuch, das Exoskelett zu benutzen, endete in unkontrollierten Bewegungen. Danach konzentrierten die Forscher sich lediglich auf einen Greifarm, der zwar 340 Kilogramm heben konnte, aber eine dreiviertel Tonne wog.

Der aktuelle Stand der Technik knapp 50 Jahre später: Der koreanische Mischkonzern Daewoo hat letztes Jahr Exoskelette für seine Werftarbeiter getestet. Sie sollen die Mitarbeiter schonen - und die Fertigung beschleunigen. Das Gerät wiegt 28 Kilogramm und soll das regelmäßige Heben von bis zu 30 Kilogramm schweren Gegenständen vereinfachen. 

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Und hier noch wie immer der Tweet der Woche:

Habe einen Chinesen getroffen, der das Wort "Weißwurst" auf den Arm tätowiert hatte. Man sagte ihm, das sei Bayrisch für "aufgehende Sonne".

— Pia Neuronenstau (@PiaPositron) 15. März 2014