Peter Glaser blickt in die Kristallkugel Riesige Rechner, miniaturisierte Menschen

Von Peter Glaser 

Wie haben sich die Menschen in der Vergangenheit die Zukunft vorgestellt? Eine kleine Zeitreise durch das Morgen von gestern mit zum Mars fliegenden Menschen und groben Wearables zum Selbstschutz.

Stuttgart - Hier geht es in Zukunft um die Zukunft. Das StZ-Hausorakel Peter Glaser befragt einmal die Woche die Kristallkugel nach dem, was morgen oder übermorgen sein wird – und manchmal auch nach der Zukunft von gestern. Dazu als Bonus: der Tweet der Woche!

Ein Schlaglicht auf die Vorstellungen der Zukunft nach dem Zweiten Weltkrieg wirft dieser Ausblick aus dem Magazin Popular Science vom Mai 1947: Roboterflugzeuge werden demnach bald mit Überschallgeschwindigkeit den Himmel bevölkern "und der rastlose Mensch wird sich auf den Mond, den Mars und auf andere Materiebrocken werfen, um danach Bücher darüber zu schreiben". Verkehrsfreie Lebensräume in der Stadt werden durch Ringstraßen eingefasst werden, an denen Privatfahrzeuge parken müssen. Schlechtes Wetter wird von Flugzeugen aus bekämpft und kontrolliert. Künstliche Photosynthese erschließt die günstige Massenproduktion von Zucker, Proteinen, Stärke, Fett und Zellulose. Mikrowellen-Netzwerke werden sämtliche Kommunikation inklusive Funk und Radio, Telefon, Telegramme und Fax transportieren - "ein General im Pentagon könnte von seinem Radarschirm im Büro aus sehen, wo überall im ganzen Land welche Flugzeuge in der Luft sind". Und Uran-Batterien sollen Atomenergie direkt und nicht über den Umweg der Wassererhitzung und Energieumwandlung in Turbinen an unsere Maschinen abgeben – schon ist das Energieproblem gelöst. Ein paar kleine Hindernisse auf dem Weg haben sich allerdings bis heute gehalten.

Kunststoffe mit immer neuen Namen

In den Fünfzigerjahren begann eine Medienrevolution: Jeder sollte nun ein Kino zu Hause haben. Auf dieser Anzeige von 1954 wirbt die Firma Kodak für ihr bestes Stück - den 16-mm-Filmprojektor "Royal". Es war die Zeit, in der Kunststoffe die Textilindustrie umkrempelten und Fasern und Stoffe mit immer neuen Namen in den Bekleidungsgeschäften auftauchten, hier: Orlon. Dazu im Vorgriff der legendäre Katalog des US-Versandhändlers Sears von 1974 – „Pages of Polyester“. Und - heute eine sonderbare Vorstellung - damals als Empfehlung hingenommen: Beim Pausieren auf einer Wanderung möchte man sich erst einmal eine Zigarette anzünden.

Über jeden Zweifel erhaben: Futuristische Frisuren zur Weltausstellung 1964 in New York. Auch die Tonmöbel entwickeln sich immer weiter: Ein Stereo-Musikkabinett von 1966 mit Plattenspieler und Mehrkanal-Radio. Und in der Tomorrowland-Abteilung von Disneyland präsentierte die Firma Monsanto 1967 eine "Reise durch den inneren Raum", auf der Besucher durch überdimensionale Exponate auf winzige Dimensionen geschrumpft werden. Noch war es vor allem analoge Technik, die die Dinge so richtig in Bewegung brachte.

Die Speicherbibliothekarin gibt Auskunft

Aber das Morgenrot des digitalen Zeitalters war bereits in ersten Streifen zu erkennen. Hier ein Ausschnitt aus einem Film über Computer-Netzwerke - "die Vorboten des Ressourcen-Sharings" - aus dem Jahr 1972, in dem Internet-Pioniere über den Netz-Vorläufer Arpanet und über die Zukunft von Geld, Büchern und Papier diskutieren. 1976: Ein Raum mit Speicherbändern des Los Angeles County. Barbara Nichols, die Speicherbibliothekarin, gibt Auskunft über das multimillionenteure UNIVAC-Computersystem im Rechenzentrum des County, das über eine neue Finanzierungstechnik namens Leasing angeschafft worden war – andernfalls hätte der Landkreis sich die moderne Technologie gar nicht leisten können.

Ein Thema übrigens, das sich heute erst in seiner ganzen Fülle zu entfalten beginnt, war bereits 1981 ein vogue: Wearables - am Körper zu tragende Gadgets. Die ersten Versionen waren allerdings in mehrfacher Hinsicht grob. Dieses am Massachusetts Institute of Technology (MIT) entwickelte Selbstschutzgerät beispielsweise wird am Arm getragen und bedarfsweise aktiviert, um zudringliche Zeitgenossen mit einem Stromschlag auf Distanz zu halten. 

Dann schon lieber mit George Clooney und Britt Robertson ins neue Tomorrowland.

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Und hier noch wie immer der Tweet der Woche: