Peter Hahne Nette Gespräche ohne Lückenfüller

Von Senta Krasser 

Jeden Sonntag plauder Peter Hahne im ZDF. Nun hat der Moderator mit dem in der Sendung "Wetten, dass..?" verunglückten Samuel Koch gesprochen.

Peter Hahne (links) ist dem gelähmten Samuel Koch verständnisvoll begegnet. Foto: ZDF
Peter Hahne (links) ist dem gelähmten Samuel Koch verständnisvoll begegnet. Foto: ZDF

Berlin - Am liebsten würde Peter Hahnes Redaktionsleiter diese bösen Einträge über seinen ZDF-Star im Online-Lexikon Wikipedia löschen. Dort ist alles Negative dokumentiert, was den Journalistenkollegen über das Mittagsfernsehformat "Peter Hahne" eingefallen ist. Dass zum Beispiel Hahnes Wechsel von der ZDF-Hauptstadtredaktion zum Talk am Sonntagmittag womöglich ein "Abstieg" sei. Oder, auch sehr hübsch, eine "Jubelperser"-Passage aus der FAZ. Doch Hahne selbst lächelt selbst so etwas milde weg. Beim Presse-Essen in Köln lehnt er sich so entspannt zurück, dass die Knöpfe seines stahlblauen Qualitätshemds überm Bauch gefährlich spannen. "Wenn keiner über einen redet, ist man tot", sagt der 58-Jährige. Also reden wir über ihn.

Seit einem Jahr hält sich seine Talkshow zum Sonntag. Es scheint sich zu rechnen, dass das ZDF auf die Zugkraft seines populären Moderators und Buchautors ("Schluss mit lustig") setzt und ihm beispielsweise das erste TV-Interview mit dem bei "Wetten, dass..?" schwer verletzten Samuel Koch anvertraut hat. Die letzte Maisendung - es ging um das Darmbakterium Ehec - schaffte mit 1,7 Millionen Zuschauern den Einschaltrekord.

Peter Hahne ist beeindruckt von Bettina Wulffs Offenheit

Es gab allerdings virulentere Ausgaben als dieses Wiederkäuen von Verbrauchertipps mit der TV-Ärztin Antje-Katrin Kühnemann ("Wichtig: Hygiene!") und Bärbel Höhn von den Grünen ("Keine spanischen Gurken!"). Beim Thema Kachelmann flogen zwischen der "Spiegel"-Journalistin Gisela Friedrichsen und der Frauennotruf-Gründerin Ursula Schele so sehr die Fetzen, dass der Gastgeber kaum zum Schlichten kam. Er nickte, wie so oft. Peter Hahne will in der halben Stunde, in der seine Zuschauer noch brunchen oder schon den Sonntagsbraten verdauen, "nicht die große Keule schwingen", sondern "gepflegte Streitgespräche führen" mit maximal zwei Gästen. Die Betonung liegt auf "gepflegt".

Denn seine Nachfragen, die eine Kontroverse befeuern könnten, stoppen allzu oft an der Höflichkeitsgrenze oder werden erst gar nicht gestellt. "Ich bin nicht der Friedman, der koffert", sagt Hahne über seine Neigung zum Schmusekurs. Man könne eine Atmosphäre schaffen, "die freundlich ist, aber nicht das Gegenteil von kritisch". Und weil es so freundlich zugeht bei "Peter Hahne", lassen sich exklusive Gäste blicken. Stephanie zu Guttenberg wollte angeblich "nur zu mir", um über ihr Engagement gegen Kindesmissbrauch zu sprechen. Auch die First Lady Bettina Wulff befand den Hahne-Talk als angemessenen Ort, um über das präsidiale Privatleben zu plaudern. Peter Hahne ist noch Monate nach dem Gespräch beeindruckt von Bettina Wulffs Offenheit "entgegen der Linie des Bundespräsidialamtes". Mit ihrer Vorgängerin Eva Köhler habe man nur über das Müttergenesungswerk reden können. Er sieht seine Talkshow als Fortführung der Sommerinterviews mit Politikern, die er zuvor im ZDF führte.

Hahne fürchtet sich nicht vor Konkurrenz

Zumindest kommt die politische Hautevolee wie Gregor Gysi und Wolfgang Bosbach noch immer gern zum ehemaligen Vizeleiter des ZDF-Hauptstadtstudios. Dass ihn der Sender "entmachtet" und mit einer Mittagssendung getröstet habe, wie geschrieben wurde, verneint Peter Hahne. Er habe schon vor Vertragsende signalisiert, dass er etwas anderes machen wolle.

In der Hauptstadt talken noch Anne Will, Maybrit Illner, Frank Plasberg und - von September an - Günther Jauch. Doch Hahne fürchtet sich nicht: "Es kann nicht genug Talkshows geben, solange sie so sind, wie sie sind, und solange wir unser Alleinstellungsmerkmal behalten." Zum "Alleinstellungsmerkmal" gehört zum einen der Sendeplatz zu einer talkfreien, manche sagen: toten Zeit. Zum anderen sitzen bei "Peter Hahne" keine Hauptstadtjournalisten, die bei den anderen gern als Lückenfüller genommen werden, weil sonst in Berlin niemand kurzfristig zu haben war.