Krimikolumne

Peter James: „Rigor mortis“ Die Grausamkeiten der Paten-Tochter

Die Fakten, Mister: James Peter  schaut beim Schreiben angeblich ganz genau hin. Foto: Christian Sauter
Die Fakten, Mister: James Peter schaut beim Schreiben angeblich ganz genau hin. Foto: Christian Sauter

Rigor mortis ist der lateinische Ausdruck für Leichenstarre. Anders als dieser Titel vermuten ließe, geht es in Peter James’ Thriller aber recht wild zur Sache. Die Personen bleiben dabei allerdings eher blass.

Lokales: Hans Jörg Wangner (hwe)

Stuttgart - Bei all seinen Büchern, sagt Peter James, lege er „stets größten Wert auf die Fakten“. So ist ihm auch die Feststellung wichtig, dass das Wasser, in das sein Held fällt, zehnmal und nicht, sagen wir, neun- oder elfkommafünfmal kälter als angenommen war. Und auch die eigene Branche beobachtet der Autor mit kritischem Interesse: so bekommt „Luther“, die aus dem Fernsehen bekannte Figur seines Kollegen Neil Cross, im Vorbeigehen wg. Unrealismus eins eingeschenkt. Doch Erbsenzählerei beiseite: abgesehen davon ist „Rigor mortis – Ein neuer Fall für Roy Grace“ solide, spannende Thrillerware. Sehr viel mehr allerdings auch nicht.

Schnell wird klar, wohin die Reise geht

Hauptschauplatz der „Totenstarre“ (die Lateiner unter uns haben den Titel natürlich schon längst übersetzt) ist die Stadt Brighton, der Mark Peterson in seinem leider viel zu wenig beachteten Debüt „Flesh & Blood“ ein düsteres Denkmal gesetzt hat. Routiniert stellt James die handelnden Personen vor und hat als Erzähler alles im Griff. Recht schnell wird dem Leser klar, wohin die Reise geht: Die Tochter eines New Yorker Mafiabosses schickt einen außergewöhnlich skrupellosen und erfolgreichen Profikiller auf die Insel. Der Mann soll alle möglichst grausam auslöschen, die mit dem Unfalltod ihres Sohnes zu tun haben.

Dass die Opfer des Killers im juristischen Sinne nichts oder fast nichts mit dem Ableben des Sohnes zu tun haben, interessiert die Paten-Tochter nicht. Mit ungeheurer Härte, unterstützt von erheblichen Mengen Alkohol, lässt die Frau ans Werk gehen.

Im Showdown zählt jede Sekunde

Spätestens nach dem zweiten Mordopfer wissen die Kriminalbeamten um Roy Grace, woher der Wind weht. Für sie geht es jetzt darum, das Leben der dritten Beteiligten – einer verwitweten Anwältin – zu schützen. Aber erstens versucht die Juristin, das Problem auf ihre Weise zu lösen (sie sucht persönlich in New York das Gespräch mit den hinterbliebenen Eltern – Mediation in eigener Sache, gewissermaßen) und zweitens steht plötzlich ihr minderjähriger Sohn im Visier des Killers. Im Showdown zählt dann jede Sekunde.

Wie gesagt: „Rigor mortis“ ist ein geschickt komponierter Thriller, der seine Fans finden dürfte. Im direkten Vergleich mit Cross und Peterson fällt aber auf, dass der psychologische Feinschliff fehlt. Die Figuren bleiben schemenhaft und die alkoholkranke Mafia-Tochter ist in ihrem Furor eher eine Karikatur als ein Mensch aus Fleisch und Blut und abgrundtiefer Bosheit.

Peter James: „Rigor Mortis – Ein neuer Fall für Roy Grace“.Scherz bei Fischer, 2013. Klappenbroschur, 352 Seiten, 14,99 Euro. Auch als E-Book, 12,99 Euro, und als Hörbuch (Sprecher: Hans Jürgen Stockerl), 19,95 Euro.

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