Petition des Chors Gospel im Osten Chor bangt um sein Domizil in der Friedenskirche

Gospel im Osten probt in der Friedenskirche. Foto: Tatjana Eberhardt

Seit 2014 ist die Friedenskirche nahe dem Stöckach die Heimatadresse des Chors Gospel im Osten. Die Konzerte und Gottesdienste sind stets gut besucht. Doch jetzt befürchten die Sängerinnen und Sänger, dass „ihre“ Kirche dem kirchlichen Sparkurs zum Opfer fällt.

Lokales: Armin Friedl (dl)

Die Mitglieder und das Leitungsteam von Gospel im Osten sind entsetzt: „Mit Befremden und Fassungslosigkeit haben wir die Entscheidung der Pfarrschaft des Kirchendistrikts Stuttgart-Ost zur Kenntnis genommen, die Friedenskirche Stuttgart für verzichtbar zu erklären“, schreiben sie an den evangelischen Gesamtkirchengemeinderat in Stuttgart. In einer Petition, die auch online ausgefüllt werden kann, fordern sie: „Wir bitten Sie herzlich und dringend, sich dieser Empfehlung der Pfarrerschaft Stuttgart-Ost, die Friedenskirche Stuttgart für verzichtbar zu erklären, nicht anzuschließen!“

 

Die Friedenskirche ist auch Gospelkirche

Gospel im Osten und die Friedenskirche nahe dem Stöckach – das ist in der Tat eine Erfolgsgeschichte: 2014 ist Gospel im Osten von der Heilands- in die Friedenskirche umgezogen, weil das Gebäude am Kreisel Sickstraße zu klein geworden war für die mittlerweile etwa 500 Sängerinnen und Sänger. Seitdem ist die Friedenskirche bei den wöchentlichen Proben voll besetzt. Und das gilt auch für die Gottesdienste, wo nur ein Teil von Gospel im Osten auftreten kann, damit auch Platz für das Publikum ist. Seit dem 1. März 2023 ist die Friedenskirche offiziell die Gospelkirche der Landeshauptstadt, seit Januar 2024 gibt es den Gospelpfarrer Jens Rembold. Zu den Gottesdiensten mit viel Gospelklang kämen stets bis zu 400 Besucher, sagt er. Und einmal im Monat gebe es auch einen Live-Stream im Internet. Jedes Wochenende werden drei bis vier Gottesdienste angeboten, damit möglichst wenige Menschen außen vor bleiben müssen.

Ein Kirchengebäude soll von den Kostenplänen verschwinden

Dennoch sind die Befürchtungen von Gospel im Osten nicht von der Hand zu weisen. Die Kirchen – beide Konfessionen – müssen drastisch sparen. Im Stuttgarter Osten muss eine der fünf Kirchen „stillgelegt“ werden, so die offizielle Bezeichnung. Das ist der Auftrag der evangelischen Gesamtkirchengemeinde an das Dekanat Ost, für die anderen Stadtteile gelten andere Vorgaben. Dazu sind die Gemeindemitglieder und Kirchenbeiräte vor Ort aufgefordert, entsprechende Vorschläge zu machen. Und still gelegt heißt: Das betroffene Gebäude soll möglichst nicht mehr auf irgendeinem Kostenplan erscheinen. Abreißen wäre die logische Konsequenz, wie es in Bad Cannstatt mit der Andreä-Kirche geschieht. Im Osten ist dies keine Option, da die meisten Kirchen unter Denkmalschutz stehen. Die Friedenskirche steht nicht unter Denkmalschutz, dort stehen außerdem einige Reparaturen an, vor allem das Dach ist undicht.

Große Nachfrage nach Gospel-Gottesdiensten

Auf der anderen Seite der Bilanz steht aber die Zahl jener, die mit religiösen Inhalten begeistert werden können, wenn man sie eben etwas zeitgemäßer verpackt. Der Chorleiter Thomas Dillenhöfer lobt immer wieder das Gebäude für seine herausragende Akustik speziell für diese Musik. Dafür seien viele andere Kirchen mit ihrem langen Nachhall nicht so geeignet. Deshalb hat der Chor auch investiert in eine neue Tontechnik, in neues Lichtdesign, in fest installierte Podeste aber auch in eine Küche.

2026 ist in Stuttgart internationaler Gospelkirchentag

Albrecht Hoch, der Pfarrer der Friedenkirchen-Gemeinde, berichtet, dass 2026 der internationale Gospelkirchentag in Stuttgart stattfinden werde. Eine große Aufgabe: „Da kommen etwa 5000 Sänger zu uns, es werden etwa 10 000 Besucher erwartet, die Porsche-Arena ist schon gebucht. Da kommen ganz herausragende Aufgaben auf uns zu.“ Hoch kann derzeit nicht erkennen, dass in der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Stuttgart diese Chance und Herausforderung erkannt wird.

Gospel im Osten schließt seine Petition mit folgenden Sätzen: „Es ist uns völlig unverständlich, wie man solch einer fruchtbaren Gemeindearbeit die heimatliche Grundlage entziehen kann. In einer Zeit abnehmenden kirchlichen Lebens würde es die Öffentlichkeit wohl kaum verstehen, warum ausgerechnet ein sehr gut besuchtes Gottesdienst- und Gemeindeangebot Gebäude und Ort verliert.“ Im Sommer dieses Jahres soll entschieden werden, welche Kirche im Stuttgarter Osten still gelegt beziehungsweise geschlossen wird.

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