Petra Gerster übers Gendern Böse Briefe vom „alten weißen Mann“

Durchs Gendern gewinnen alle: die Fernsehjournalistin Petra Gerster Foto: dpa/Jana Kay
Durchs Gendern gewinnen alle: die Fernsehjournalistin Petra Gerster Foto: dpa/Jana Kay

Die frühere „heute“-Moderatorin Petra Gerster hat heftige Zuschauerreaktionen auf ihr mit hörbarer Sprechpause vorgetragenes Gendern erhalten. Sie ist aber überzeugt: Das Gendern werde „die Gesellschaft bunter machen“.

Kultur: Ulla Hanselmann (uh)
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Frankfurt - Die Fernsehjournalistin und ehemalige Moderatorin der ZDF-Nachrichtensendung „heute“, Petra Gerster (66), hat heftige Zuschauerreaktionen auf ihr mit hörbarer Sprechpause vorgetragenes Gendern erhalten. „Ich habe so viele Briefe bekommen wie noch nie, und es waren keine Liebesbriefe“, sagte Gerster am Mittwoch bei einem Podium auf der Frankfurter Buchmesse. Darunter seien „bitterböse Briefe“ gewesen. „Es waren 90 Prozent Männer, und davon, würde ich sagen, waren rund 90 Prozent über 65 Jahre“, wird Gerster von der Nachrichtenagentur KNA zitiert. Das merke man an den Namen, dem gesamten Duktus und den Unterschriften bei den Briefen.

Nur eine bestimmte Klientel reagiert

Es sei eine bestimmte Klientel, die auf die betont geschlechtergerechte Sprache besonders empfindlich reagiere. „Es ist tatsächlich der alte weiße Mann, der um den letzten Rest seiner Privilegien fürchtet und seine Felle davonschwimmen sieht“, sagte Gerster. Dabei gewännen auf lange Sicht alle durch das Gendern – also das geschlechtergerechte Schreiben und Sprechen, auch die Männer. Das Gendern werde „die Gesellschaft öffnen und bunter machen“, gab sich Gerster überzeugt. Sie hatte in ihren Moderationen in der „heute“-Sendung etwa nach Berufsbezeichnungen eine Minipause gemacht und dann ein „innen“ hinzugefügt, um auch die weibliche Wortform zu nennen.

Eine Sprache, die alle einschließt

Im Bundestag, bei Behörden, in Sprachinstitutionen und in der Gesellschaft ist zuletzt eine heftige Debatte um geschlechtergerechte Sprache entflammt. Stellschrauben für eine inklusive Sprache sind geschlechtsneutrale Formulierungen (beispielsweise Kundschaft statt Kunden) und typografische Sonderzeichen, die das generische Maskulinum, also die allgemeine männliche Form, ersetzen. Sonderzeichen können immer dann zum Einsatz kommen, wenn eine geschlechtsneutrale Formulierung nicht möglich ist oder geschlechtliche Vielfalt explizit benannt werden soll. Optionen, um in in Personenbezeichnungen männliche, weibliche und auch weitere Geschlechter und Geschlechtsidentitäten einzubeziehen, sind das Gendersternchen (Kolleg*in), der Doppelpunkt (Professor:innen) und der Unterstrich (Einwohner_innen). In der gesprochenen Sprache kann der Effekt durch eine Pause im Wort erzielt werden.

„Lebbe geht weider“

Petra Gerster ist eine bekannte Fernsehjournalistin. Sie moderierte ab 1989 zehn Jahre lang das Magazin „ML Mona Lisa“ im ZDF und erhielt dafür unter anderem 1996 den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis. Von August 1998 an präsentierte sie mit der „heute“-Sendung die Hauptausgabe der ZDF-Nachrichten um 19 Uhr. Am 26. Mai 2021 ging sie in den Ruhestand. Sie verabschiedete sich mit den Worten „Lebbe geht weider“, einem Zitat des ehemaligen Fußball-Trainers Dragoslav Stepanović.




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