Um das Bootshaus im Uferbereich des Max-Eyth-Sees ist es seit einem Jahr ruhig, denn die Tore zum Grundstück sind verschlossen. Der Betrieb ist gerade nicht möglich, denn das Gebäude muss saniert werden. Wer das besondere hölzerne Gebäude mit Spitzdach von Seeseite sieht, erkennt, dass es nach vorne geneigt ist. „Die vorderen Stützpfeiler haben sich abgesenkt“, sagt der Geschäftsführer der Stuttgarter Jugendhaus-Gesellschaft (Stjg) Clemens Kullmann auf Nachfrage. Im vergangenen Frühjahr sei das Problem entdeckt worden. Daraufhin habe der Gemeinderat für die Sanierung des Bootshauses 290 000 Euro zur Verfügung gestellt. „Wir stehen in den Startlöchern“, sagt Kullmann. Ursprünglich sollte das Haus im Frühjahr mit Fundament und neuen Stützpfeilern versehen werden.
Gemeinderat hat Gelder bewilligt
Die Stuttgarter Jugendhaus-Gesellschaft wartet noch immer auf die Genehmigung und hofft, dass das Haus in der nächsten Saison wieder einsatzbereit sein kann, also ab Mai 2025. Die Abstimmungsverfahren seien komplex. „Wir freuen uns, dass der Gemeinderat die Maßnahme unterstützt“, sagt Kullmann. Das Bootshaus sei ein wichtiger Bestandteil des pädagogischen Angebots und in einem guten, erhaltungsfähigen Zustand, erklärt der Stjg-Geschäftsführer. Das mehr als 50 Jahre alte Reetdach sei in Ordnung, nur die Stützen vorne müssen repariert werden.
2021 feierte das Haus seinen 50. Geburtstag
Das Bootshaus ist für Kinder und Jugendliche seit Langem ein Anziehungspunkt am See, wovon die Fotos am Zaun des Grundstücks zeugen. Denn: Schon im Jahr 2021 feierte dieses Haus der Erlebnispädagogik seinen 50. Geburtstag. Geschaffen worden war es von Künstler und Holzbildhauer Peter Sonder (1931–2016) aus Münster, der von 1960 an bis 1994 die Holzwerkstatt in Münster leitete, die Vorläufereinrichtung des Kinder- und Jugendtreffs. Dort begeisterte er Kinder und Jugendliche, baute Boote, auch das Bootshaus am Max-Eyth-See. Die Fotos dort rufen bei Besuchern und einstigen Mitbauern viele Erinnerungen wach.
Bootshaus wurde 1971 eingeweiht
1969 hatte Sonder mit Jugendlichen aus einer alten, am Neckarufer gefällten Pappel das Einbaum-Auslegeboot Tigekadopemic gebaut, dessen Namen aus den Anfangssilben der Vornamen der Erbauer zusammengesetzt ist. 1971 entstand dann unter Sonders Regie das Bootshaus, das am 10. Juli 1971 eingeweiht wurde. Es beherbergt Einbäume und dient bis heute als Ausgangspunkt für erlebnispädagogische Angebote der Stjg auf dem Wasser mit Kajaks, Kanadiern und Segeljollen. Kullmann hofft, dass das Haus bald wieder standfest gemacht wird und die Kinder und Jugendlichen es nutzen können.