Pfandsystem des Böblinger Abfallwirtschaftssystems Konkurrenz für den Kaffeebecher

Statt beim System des Abfallwirtschaftsbetriebs mitzumachen, gibt Gerd Sehne lieber einen eigenen Becher aus. Foto: Haasis
Statt beim System des Abfallwirtschaftsbetriebs mitzumachen, gibt Gerd Sehne lieber einen eigenen Becher aus. Foto: Haasis

Die Bäckerei Sehne entwickelt ein eigenes Gefäß und spart sich das Pfandsystem von Recup. Der Abfallwirtschaftsbetrieb gewinnt dennoch neue Mitstreiter dafür – und will den Alleingang lieber nicht kommentieren.

Böblingen: Kathrin Haasis (kat)

Ehningen - Auf seine neueste Geschäftsidee ist Gerd Sehne ziemlich stolz: Knallorange ist der Kaffeebecher und der Name seiner Familienbäcker darauf gut zu lesen. „Das fällt auf, wenn man damit durch eine Fußgängerzone läuft“, freut er sich. Das Gefäß aus dickem Plastik ist wiederverwertbar und sein Beitrag zur Müllvermeidung. Um Einwegbecher zu sparen, können sich die Kunden in der Filiale ihren Kaffee auch in den orangefarbenen Becher einschenken lassen. Sie müssen ihn nur mitbringen. Denn der Ehninger Unternehmer spart sich wiederum das Spülen und das Pfand – und die Teilnahme an dem vom Abfallwirtschaftsbetrieb eingeführten Verleihsystem Recup.

Mit 170 FIlialen der größte Bäcker der Region

Die Eigenentwicklung der Bäckerei Sehne muss ein herber Verlust für den Müllentsorger sein. Zumal die Firma mit ihren 170 Filialen der größte Bäcker in der Region Stuttgart ist und im September vor einem Jahr noch erklärt hatte, die kreiseigenen Pfandbecher in drei Filialen testen zu wollen. Sie sollten an Schlüsselpositionen wie den Bahnhöfen von Böblingen und Herrenberg sowie am Sindelfinger Marktplatz angeboten werden. „Zu den Betrieben möchten wir uns nicht äußern“, teilt Simone Hotz für das Landratsamt zum Ausscheren des Bäckers nur mit. „Wir arbeiten weiter daran, immer mehr Betriebe für das Recup-System zu gewinnen“, schreibt sie. Immerhin sind es mittlerweile 42 Teilnehmer – neun mehr als beim Start vor zehn Monaten.

Die sauberste Lösung

Gerd Sehne findet seine Lösung einfach am saubersten. In der Filiale führt er vor, wie die orangefarbenen Becher, egal ob sauber oder benutzt, befüllt werden: Die Kunden stellen ihren Pott in ein kleines Metallblech, die Verkäuferin nimmt nur dieses Tablett in die Hand und berührt den Becher beim Eingießen des Kaffees an der Maschine gar nicht. In dem Behältnis reicht sie den Becher dann über die Theke, und der Besitzer nimmt ihn wieder herunter. „Jeder hat da andere Vorstellungen und Ideen“, sagt der Firmenchef über die Systeme. Ihm war wichtig, dass die Pfandbecher nicht in seinen Spülmaschinen geputzt werden müssen.

Bereits nach zwei Wochen hatte Gerd Sehne die Hälfte seiner Trinkgefäße unter die Leute gebracht, 50 000 Stück davon sind im Umlauf. Für einen Euro verkauft er die Mehrwegbecher, seinen Angaben zufolge zahlt er jeweils noch 80 Cent dazu, weil sie so hochwertig sind. Sie würden in Deutschland produziert und seien voll recycelbar. „Der Rücklauf ist nicht so, wie man es sich wünscht“, sagt er zur Mehrwegquote, „aber es kommen welche zurück.“

Keine konkrete Zahlen zum Umlauf der Tassen

Der Abfallwirtschaftsbetrieb ließ die dagegen bescheidene Zahl von 21 000 Mehrweggefäßen von Recup mit Motiven aus dem Kreis Böblingen wie dem Schönbuchturm bedrucken. „Die Becher kommen zurück zum Spülen“, berichtet Simone Hotz. Manche würden sich den Kaffee auch gleich in den mitgebrachten BB-Pfandbecher einfüllen lassen, ohne dass dieser getauscht werde. Konkrete Zahlen hat der AWB aber nicht zu bieten. Die teilnehmenden Betriebe, darunter vor allem Bäckereien, ein paar Cafés und die vom Kreis betriebenen Berufsschulen, hätten unterschiedlich hohe Nutzungsgrade genannt: „Teils wird gut nachgefragt, teils nicht so“, sagt sie vage. Bisher habe es aber noch keine Beschwerden gegeben. Und dass keine Ausschankstelle wieder ausgestiegen sei, hält sie auch für erfreulich. Einen Schub erwartet der AWB zudem vom Einstieg Stuttgarts bei Recup: 71 Bäckerei, Cafés, Restaurants und die Hochschulmensen sind daran beteiligt.

„Wir wollen für Sehne Reklame machen und kein Pfandsystem“, sagt Gerd Sehne. Den orangefarbenen Becher mit Firmenlogo findet er schlichtweg „scharf“. Sein Sohn Thomas, der Architektur studiert hat, hat ihn entworfen. Die Müllvermeidung dient seinem Geschäft. Der Großbäcker hofft natürlich, „dass viele der Becher immer wieder benutzt werden“.




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