Pfarrplan 2024 auf den Fildern Das große Grübeln der Gemeinden

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Der Pfarrplan 2024 der Evangelischen Landeskirche verlangt den örtlichen Gemeinden viel ab. Auf den Fildern schwinden die Prozente der Pfarrstellen. Das hat zwangsläufig Auswirkungen auf die Strukturen. Wir erklären, warum.

Auf die evangelischen Gemeinden der Filder kommen Veränderungen zu. Das Foto zeigt  die Martinskirche in   Plieningen. Foto: Archiv Sägesser
Auf die evangelischen Gemeinden der Filder kommen Veränderungen zu. Das Foto zeigt die Martinskirche in Plieningen. Foto: Archiv Sägesser

Filder - Es gibt noch viele Fragezeichen für die evangelischen Kirchengemeinden im Stadtbezirk Sillenbuch. Aber eine Sache ist wohl klar: Weitermachen wie bisher, das geht nicht mehr. Der Pfarrplan 2024 bringt für die Kirchengemeinden Veränderungen. Insgesamt sollen 2024 im Gebiet der württembergischen Landeskirche die 1666 Pfarrstellen um 220 auf dann 1446 verringert werden. Die Evangelische Landeskirche sieht auch in Sillenbuch weniger Pfarrstellen vor. Bisher kommen die Gemeinden Sillenbuch, Riedenberg, Heumaden-Süd und Alt-Heumaden auf zusammen 500 Prozent. Spätestens 2024 sollen es noch 350 Prozent sein, also rein rechnerisch anderthalb Pfarrer weniger.

„Das ist ein Unterschied“, sagt Friedbert Baur, geschäftsführender Pfarrer der Sillenbucher Gemeinde. „Das ist unmöglich in der jetzigen Struktur.“ Er vermutet, dass aus den vier Gemeinden drei werden müssen. Baur betont allerdings, „dass alles in Bewegung ist“. Es sei nichts festgezurrt, noch seien die vier Gemeinden nicht zu einem gemeinsamen Ergebnis gekommen. Dieser Tage ist das nächste Treffen. Die Landeskirche möchte bis Ende Januar Vorschläge aus den Gemeinden haben, wie sie mit den Auswirkungen des Pfarrplans 2024 umzugehen gedenken.

Werden die Heumadener Gemeinden fusionieren?

Ob eine neue Struktur für den Stadtbezirk Sillenbuch bedeuten könnte, dass künftig jeder der drei Stadtteile eine Gemeinde haben wird, bleibt offen. Bedeuten würde dies, dass die beiden Heumadener Gemeinden fusionieren würden.

Wie konkret diese Idee ist, will Lars Vogt, der Vorsitzende des Kirchengemeinderats in Heumaden-Süd, nicht kommentieren. Es gebe eine Zukunftswerkstatt, „aber es ist ein Prozess, der noch nicht abgeschlossen ist“. Deshalb möchte er die Debatte nicht in die Öffentlichkeit tragen. Was er bestätigt: Für die Gemeinde Heumaden-Süd wurde ein Nachfolger für Jutta Seifert gefunden. Ingo-Christoph Bauer wechselt Anfang März aus einer Gemeinde bei Balingen auf die Filderebene.

Die Gemeinden in Asemwald, Schönberg, Birkach und Plieningen sind, was ihre Vorstellungen von der Zukunft betrifft, schon einen Schritt weiter als Sillenbuch, Heumaden und Riedenberg. Auch ihnen stehen Veränderungen ins Haus. Aus den aktuell vier Pfarrstellen sollen von 2024 an drei werden. „Damit müssen wir umgehen“, sagt Thomas Honold-Reichert, Vorsitzender des Kirchengemeinderats Plieningen. Es gebe bereits jetzt etliche Kooperationen, „das sind gute Ansatzpunkte, das zu vertiefen“, sagt er.

Stelle in Stuttgart-Birkach soll ausgeschrieben werden

Die vier Gemeinden sollen bestehen bleiben, doch es soll ein neues Konstrukt, ein Überbau, gebildet werden: eine Verbundkirchengemeinde. Die Pfarrer hätten demnach feste Seelsorgebezirke, doch in thematischen und organisatorischen Fragen würde die Zusammenarbeit ausgebaut werden. Dass es automatisch die Birkacher Stelle ist, die aufgrund der Vorgabe von oben nicht mehr besetzt wird, wenn sich Pfarrerin Ursula Wilhelm verabschiedet hat, verneint Honold-Reichert. Die Stelle soll seiner Information nach ausgeschrieben und möglichst 2018 besetzt werden.

Über den anstehenden Weg seien die Gemeinden „nicht begeistert“, sagt Honold-Reichert. Doch es habe sich kein Widerstand angebahnt. Andere Gemeinden hatten lautstark ihr Missfallen über die Pläne geäußert. So hatten beispielsweise Mittel- und Oberfischbacher (Kreis Schwäbisch Hall) wiederholt vor dem Oberkirchenrat in Stuttgart demonstriert. Und auch andernorts wächst der Protest.

Die Gemeinden in Plieningen, Birkach, Asemwald und Hohenheim zeigen sich gelassener. „Wir müssen uns an den Fakten orientieren“, sagt Honold-Reichert. Für den Schritt gebe es ja Gründe. „Wir versuchen, eine gute Konstruktion zu schaffen.“

In Stuttgart-Degerloch bleiben noch zwei Stellen

Nach einer guten Konstruktion sucht auch die Gemeinde auf dem Haigst in Degerloch. Die Gemeinde zeigte sich kürzlich schockiert, dass die halbe Stelle, die dem Haigst noch verblieben ist, gestrichen werden soll. Es wird befürchtet, dass dies der Anfang vom Ende ist. Ohne Pfarrer bliebe der Gemeinde nichts anderes übrig, als zu kooperieren. Das wird wohl mit der Markusgemeinde im Stuttgarter Süden sein.

Kerstin Vogel-Hinrichs findet es schade, dass die Haigstgemeinde nicht früher mit Degerloch verknüpft worden ist. Jetzt sei es schwierig. Denn auch in Degerloch schwinden Prozente bis 2024. Bisher verfügen die Gemeinden über 2,75 Stellen, künftig sollen es zwei sein. Die Dekanin möchte nicht von Kürzungen sprechen. „Wir verteilen es um“, sagt sie. „Wir hatten es sehr, sehr gut in den letzten Jahren in Degerloch.“ Und die Argumente leuchten ihr ein. „Wir müssen in guten Zeiten einsparen für Zeiten, in denen wir weniger Pfarrer haben.“ Wie sich die Anpassung auf Degerloch auswirken wird, darüber wird noch gegrübelt. Im März soll es eine Versammlung dazu geben.

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