Hinter den kryptischen Kürzeln PFAS und TFA verbergen sich Schadstoffe für die Ewigkeit: Sie stecken in Anoraks, Pfannen, Kosmetika und im Wasser, werden als Kühl- und Narkosemittel und in der Biotechnologie eingesetzt: dauerhafte Chemikalien, welche die Natur massiv schädigen. Umweltschützer schlagen Alarm.

Wochenend-Magazin: Markus Brauer (mb)

Das Vorkommen von industriellen PFAS, sogenannten Ewigkeits-Chemikalien, in Europas Flüssen und Gewässern hat nach Angaben von Umweltorganisationen ein alarmierendes Ausmaß erreicht.

 

Ewigkeits-Chemikalien sind weit verbreitet

Die Abkürzung PFAS steht für Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, eine große Gruppe von synthetisch hergestellten Molekülen. Wegen ihrer Hitzebeständigkeit und Undurchlässigkeit kommen sie bereits seit den 1940er Jahren zum Einsatz, etwa in wasserfesten Textilien, Anti-Haft-Beschichtungen, Waschmitteln und Kosmetika.

Laut dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) wurden einige PFAS mit verschiedenen Erkrankungen in Verbindung gebracht, etwa des  Hormonsystems, der Schilddrüse und Leber sowie einer verringerten Impfwirkung bei Kindern.

TFA verursacht bei Kontakt schwere Verätzungen. Foto: Imago/Pond5 Images

Vor allem bei der chemischen Verbindung Trifluoressigsäure (TFA) würden die EU-Grenzwerte teilweise weit überschritten, heißt in einem am Montag (27. Mai) in Paris vorgestellten Bericht des Europäischen Pestizid-Aktions-Netzwerks (PAN Europe) und weiterer Organisationen. Laut BUND sind in Deutschland die Elbe und die Spree besonders betroffen.

Elbe, Spree und Seine im Fokus der Forscher

Für den Bericht waren mehr als zwei Dutzend Oberflächen- und Grundwasserproben aus zehn europäischen Ländern durch das Technologiezentrum Wasser in Karlsruhe untersucht worden, darunter aus Elbe und Spree und aus der Seine in Frankreich. In allen Proben wurde demnach TFA nachgewiesen, was dem Bericht zufolge ungehindert ins Grundwasser eintreten und dort jahrhundertelang verbleiben kann.

In der EU-Pestizidverordnung wird TFA als „nicht relevant“ eingestuft. Verschiedene Verbände verweisen allerdings auf die Langlebigkeit des Stoffes in der Umwelt und die Unmöglichkeit, ihn mit den üblichen Verfahren zur Trinkwasseraufbereitung herauszufiltern.

Elbe am stärksten durch TFA verschmutzter Fluss Europas

Laut BUND ist die Elbe bei Hamburg am stärksten von der Verunreinigung durch TFA betroffen. Dort wurde demnach mit 3300 Nanogramm pro Liter die höchste Konzentration unter allen Proben festgestellt. Der von der EU vorgeschlagene Grenzwert für alle PFAS im Trinkwasser liegt bei 500 Nanogramm pro Liter.

„Wir brauchen jetzt ein PFAS-Verbot, damit die Konzentrationen der Ewigkeits-Chemikalien in unserer Umwelt nicht noch weiter zunehmen“, fordert BUND-Vorstand Olaf Bandt. Dabei müssten auch Pestizide verboten werden.

Warum TFA und PFAS so gefährlich sind

Wegen ihrer in der Industrie geschätzten Eigenschaften sind TFA und PFAS gleichzeitig praktisch unzerstörbar und reichern sich in der Natur und im menschlichen Körper an.

  • Trifluoressigsäure: TFA wird etwa in der Biotechnologie als Lösungsmittel für Proteine verwendet. Als Abbauprodukt vielfältiger Produkte in die Umwelt – etwa durch atmosphärischen Eintrag fluorhaltiger Kälte- und Narkosemittel sowie industrieller Abwasser und Klärwasser – gelangt es in die Umwelt, wo es sich anreichert.
  • TFA ist eine farblose Flüssigkeit, die stechend nach Essig riecht. Sie ist gesundheitsschädlich beim Einatmen, verursacht schwere Verätzungen und ist auch in Verdünnung extrem schädlich für Wasserorganismen.
  • Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen: Das Ausmaß der Verunreinigung von Flüssen, Seen und dem Grundwasser durch PFAS erfordere ein „entschlossenes Handeln“, heißt es in dem Bericht weiter. PFAS-Pestizide müssten verboten werden, zudem sei ein Umdenken bezüglich der Gefahren einzelner Chemikalien wie TFA notwendig.
  • PFAS werden dem Umweltbundesamt zufolge aufgrund ihrer wasser- und fettabweisenden Eigenschaften sowie ihrer Stabilität und Langlebigkeit vielfach in der Industrie und in Haushalten eingesetzt. Viele dieser Chemikalien seien toxisch und würden sich über die Nahrungskette anreichern. „Alle PFAS sind, wenn sie einmal in die Umwelt ausgebracht wurden, kaum oder nur mehr sehr schwer wieder entfernbar, schreibt das Umweltbundesamt auf seiner Homepage.

Was haben Teflon-Pfannen und Outdoor-Kleidung mit PFAS zu tun?

Teflon ist der Markenname für Polytetrafluorethylen, eine Chemikalie aus der Stoffgruppe der PFAS. Foto: Imago/Christian Ohde
Oft lohnt sich schon ein Blick auf das Label, denn viele Hersteller kennzeichnen ihre Produkte, wenn sie PFAS-frei sind. Foto: dpa/Lino Mirgeler

Zu den PFAS zählen geschätzt über 10 000 einzelne Substanzen, die in Alltags- und industriellen Produkten verarbeitet sind. In der Industrie werden sie etwa in Dichtungen, Isolierungen oder Kabeln eingesetzt. Auch Lithium-Ionen-Batterien sind auf PFAS angewiesen. Und: Teflon-Pfannen und Outdoor-Kleidung.

Die korrekte chemische Bezeichnung für den Markennamen Teflon ist PTFE – Polytetrafluorethylen. Dabei handelt es sich um eine Chemikalie aus der Stoffgruppe der PFAS, die in unzähligen Alltagsprodukten enthalten sind, wie beispielsweise:

  • regenfeste Kleidung
  • Kosmetika
  • Backpapier
  • Kaffeebecher
  • Pfannen
  • Outdoorkleidung
  • Kletterseile

Wären diese industriell hergestellten Stoffen aufgrund ihrer Eigenschaften nicht so giftig, wären sie einfach nur genial: Durch PFAS klebt nichts aneinander, alles perlt ab und ist leicht zu reinigen. Ein Traum für jede Hausfrau und jeden Hausmann – und ein Albtraum für die Umwelt.