Beim Pferdemarkt-Umzug gerät Tobias Degode in Narrenhände. Wie sich der Leonberger Neu-OB bei seiner Festpremiere schlug und allerlei andere Promi-Beobachtungen am Marktplatz.
Hexen kennen offenkundig keine Gnade: Zwei Drittel des Festumzugs am Pferdemarkt-Dienstag hat Tobias Degode mehr oder minder unbeschadet überstanden. Doch dann schlagen die Beerlesklopfer und die Waldhexen zu. Die Aktiven beider Narrenzünfte schmieren den neuen Leonberger Oberbürgermeister mit schwarzer und grüner Farbe an. Von seiner eigentlichen Gesichtsfarbe ist nicht mehr viel zu sehen.
Pferdemarkt in Leonberg: Der neue OB Tobias Degode ist von Lockerheit der Leute überrascht
Der ist zwar kein Karnevalsumzug im klassischen Sinne, da aber der Leonberger Pferdemarkt in den Regel vor der Fasnet liegt, sind viele Hexen, Teufel und närrische Musikgruppen dabei. „Ich bin überrascht, wie locker die Leute hier sind“, sagt denn auch der Neu-OB. „Das hätte ich so nicht gedacht.“ Nur um den Zustand seines Mantels und seines Anzugs hat sich Degode ein bisschen gesorgt.
Muss an solch einem Tag überhaupt ein Anzug sein ? Diese Frage klingt nicht unberechtigt. Aber es geht ja nicht nur um den Umzug für Degode. Zuvor hatte der Oberbürgermeister seine Kolleginnen und Kollegen aus dem alten Landkreis Leonberg empfangen – es ist eine Jahrzehnte währende Tradition. Und hernach sind die Honoratioren zum gepflegten Essen in die Stadthalle gegangen. Da darf man schon ein bisschen auf Etikette achten.
Neue Optik: Tobias Degode nach der Hexen-Behandlung. Foto: Simon Granville
Degode musste am Dienstag nicht nur die Schminkkünste der Narrenzünfte ertragen, sondern durfte auch allerlei Geschenke entgegennehmen – Bonbons aller Art, Schnaps vom SV Leonberg/Eltingen und Äpfel vom Obst- , Garten- und Weinbauverein. Von den Leonberg Alligators bekam er gar einen ganzen Wandkalender: Der Dank für eine spontane Minirunde Football vor der Promitribüne.
Schnaps für den OB gab es vom SV-Handballchef Matze Groß. Foto: Simon Granville
Apropos Promis: Die Landtagswahlkämpfer gehörten nicht zu den offiziellen Gästen der Stadt. Nicht aus bösem Willen, sondern weil eine Kommune zur Neutralität verpflichtet ist. Hans Dieter Scheerer, der FDP-Parlamentarier aus Weil der Stadt, begnügte sich mit einem Platz neben der Tribüne. Die SPD-Bewerberin Farina Semler lief in der Fußgruppe ihrer Partei mit. So war es denn die übliche Kundschaft, die leicht erhöht den Umzug verfolgte. Der Landrat Roland Bernhard und sein Vorgänger Bernhard Maier sind Stammgäste beim Pferdemarkt. Und auch zwei andere Veteranen waren dabei: der frühere Erste Bürgermeister Helmut Noë und der einstige Staatssekretär Wolfgang Rückert.
Martin Killinger erholte sich in Leonberg zwischen zwei Bürgermeister-Wahlgängen. Der Erste Beigeordnete von Rutesheim muss nach dem Patt vom Sonntag eine Stichwahl am 22. Februar organisieren. Und schon am Schmotzigen Donnerstag dürfte er in die Hände der Gumpa Hexa fallen, die um 12.30 Uhr das Rutesheimer Rathaus stürmen.
Viele Männer, keine Frau? Doch! Von der Kutsche der Jagdhornbläser grüßte Josefa von Hohenzollern. Die Erste Bürgermeisterin befindet sich immer noch im vom früheren OB Cohn verhängten Zwangsurlaub. Doch dass sie beim Pferdemarkt präsent ist, versteht sich für sie von selbst.
Pferdemarkt in Leonberg: Harald Lutz am Rande
Ein bisschen melancholisch verfolgte Harald Lutz am Straßenrand das Geschehen. Der Ehrenpräsident des Karnevalvereins Leonberg hatte am Sonntag noch beim Rathaussturm als gewitzter Ankläger brilliert, doch beim Umzug blieb er fern des Mikrofons. Seiner statt unterstützte Kartin Malchin die routinierte Angelika Elser bei der Moderation. Die beiden Damen machten es – im Gegensatz zum eingekauften Radiomann des vergangenen Jahres – sympathisch und mit Charme. Der könnte freilich eine Facette mehr bekommen, würde Lutz zum kommenden Umzug reaktiviert.
Vieles scheint möglich unter dem neuen OB Degode. Dass Dinge besser laufen können, zeigte am Dienstag schon mal das Wetter. Statt des angesagten Regens gab es pünktlich zum Umzug Sonnenschein. Oder wie sich die Rathaus-Mitarbeiterin Silke Holzbog ausdrückte: „Das ist echtes Neustart-Wetter.“