Der Pferdehändler Robert Maier, Vater von Marc Maier, kommt seit rund 50 Jahren auf den Leonberger Pferdemarkt. (Archivbild) Foto: Simon Granville
Der Leonberger Pferdemarkt gehört für den Händler Marc Maier schon sein ganzes Leben dazu. Doch verkauft werden Pferde dort kaum noch. Warum er trotzdem noch auf den Markt kommt.
Für den Markttag am Dienstag bekam er damals sogar schulfrei, um seinem Vater helfen zu können. Frühmorgens ging es los – „mitten in der Nacht“, wie Maier erzählt. Auf dem Markt packte er damals mit an wie ein Großer, er putzte die Pferde heraus und führte sie dem Publikum vor.
Der Handel mit Pferden verlagert sich ins Internet
Sechs bis zehn Pferde habe sein Vater damals pro Markt verkauft, noch bis vor etwa zehn Jahren war das so, sagt Maier. Inzwischen jedoch laufe der Handel vor Ort nahezu gar nicht mehr. „Die beiden letzten Jahre waren Nullrunden, die haben echt nichts gebracht“, sagt der Händler.
Grund für das immer schlechter laufende Marktgeschäft: Der Pferdehandel spiele sich mittlerweile „zu 80 Prozent“ im Internet ab, auf speziellen Plattformen oder in sozialen Netzwerken wie Facebook.
Dort können Interessenten in aller Ruhe den „Lebenslauf“ sowie Fotos und Videos der angebotenen Vierbeiner begutachten. Röntgenbilder, tierärztliche Bescheinigungen und Auszeichnungen gehören zur digitalen Präsentation ebenso dazu. Auch die Preise sind transparent, sie lassen sich vergleichen und teilweise verhandeln.
Maier kann nachvollziehen, warum viele Kunden den Onlinehandel bevorzugen – zumal die Preise für Pferde in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sind. „Ein Fahrpferd hat vor 15 Jahren vielleicht 3000 Euro gekostet, jetzt sind es schnell acht- bis zehntausend Euro.“ Tiere in dieser Preisklasse direkt auf einem Markt zu kaufen sei für viele weniger attraktiv als der wohlüberlegte Erwerb im Netz.
Die Nachfrage nach Pferden ist gut – aber nicht mehr vor Ort
So trubelig ging es beim Handel Anfang der 2000er-Jahre in Leonberg zu. Die Pferde mit den gelben Decken wurden von den Maiers angeboten. Foto: privat
Auf dem Pferdemarkt in Leonberg sei davon jedoch wenig zu merken. Junge Käufer entschieden sich fast ausschließlich für den Onlineweg, die ältere Kundengeneration sterbe nach und nach weg. Und auch im Nachgang des Marktes ergebe sich kaum noch ein Geschäft, so Maier.
Warum er trotzdem weiterhin nach Leonberg kommt? Seinem Vater zuliebe, der sich seit rund 50 Jahren jedes Jahr nach Leonberg aufmacht. „Der Pferdemarkt ist eine alte Tradition, an der er festhält“, erzählt Maier. Auch dieses Jahr werden Marc und Robert Maier mit voraussichtlich zehn Pferden auf dem Marktplatz anzutreffen sein. Doch für Marc Maier ist klar: Das wird bald Geschichte sein. „Die Zukunft ist der Onlinehandel.“