Pferdesport in Aichwald Ein Rinderstall ist die Wiege des Reitvereins
Als vor 50 Jahren der Reitverein Aichwald gegründet wurde, gab es Aichwald noch gar nicht. Die Mitglieder blicken nun auf bewegte Jahrzehnte zurück.
Als vor 50 Jahren der Reitverein Aichwald gegründet wurde, gab es Aichwald noch gar nicht. Die Mitglieder blicken nun auf bewegte Jahrzehnte zurück.
Idyllisch am Waldrand des Naturschutzgebiets Oberer Schurwald zwischen den Aichwalder Teilorten Schanbach und Lobenrot liegt seit 1982 die Reitanlage des Reitvereins Aichwald. Aus der Taufe gehoben wurde der Verein bereits zehn Jahre früher am 18. Juli 1972. Bis die Reitbegeisterten und ihre Vierbeiner aber ihr eigenes Domizil beziehen konnten, war Geduld gefragt.
An einem Freitagmittag Anfang August trifft man die Reiter auf der Anlage im schicken Zwirn an, auch die Pferde sind herausgeputzt. Es ist das Wochenende des dreitägigen 40. Aichwalder Dressur- und Springturniers mit rund 300 Pferden und 450 Starts. Den Turnierauftakt machen die Dressurprüfungen: Während auf dem Reitplatz die Zwei- und Vierbeiner vor den Augen der Dressurrichter hoch konzentriert bei der Sache sind, ist es auf dem Rest der Anlage am ersten Turniertag noch ruhig. An einem der Biertische, die für die Besucher bereit stehen, haben sich mit der ersten Vorsitzenden Edith Hövelmann, ihrer Tochter Maren Hövelmann, Hans und Elke Roos – die zu den Gründungsmitgliedern des Reitvereins zählen – sowie der 16-jährigen Reiterin Lisa Priemer ganz unterschiedliche Reiter-Generationen zusammengefunden, um über die 50-jährige Vereinsgeschichte und ihre persönliche Faszination für das gemeinsame Hobby zu sprechen.
Hans Roos erinnert sich noch gut an die Anfänge. Der 89-Jährige war der federführende Ideengeber für die Vereinsgründung. „Ich habe das Reiten als Hobby erst im Alter von 40 Jahren im Urlaub für mich entdeckt“, erzählt er. Bis vor Kurzem saß Roos selbst im hohen Alter noch im Sattel. „Die Idee war damals, einen ländlichen und lokalen Reitverein zu gründen. Hier gab es mehrere Landwirte und die Erben landwirtschaftlicher Betriebe, die Pferde besaßen“, berichtet Roos. Die habe man mit ins Boot geholt.
Ein mutiges Unterfangen sei die Gründung gewesen. Zwar war die dafür nötige Anzahl an Mitgliedern schnell beisammen – sieben mussten es sein, sogar neun unterschrieben schließlich – doch standen weder Stall noch Reitplatz zur Verfügung. 1972 startete der Verein zunächst als Reitverein Schurwald-Rems: „Es war noch völlig offen, ob wir im Remstal oder auf dem Schurwald einen geeigneten Reitplatz und Stall oder ein Grundstück dafür finden würden. Dazu gab es die heutige Gemeinde Aichwald unter diesem Namen noch gar nicht“, erinnert sich Roos. Glücklicherweise konnte der junge Verein den Rinderstall des Schanbachers Johannes Lutz direkt neben dem Rathaus pachten und umbauen. Als ersten Reitplatz stellte Gründungsmitglied Manfred Liebezeit seine vom Stall gut einen Kilometer entfernte Pferdekoppel zur Verfügung. 1973 startete das Unterrichtsangebot – neben dem regulären Reitunterricht wurde eine bis heute erfolgreiche Voltigiergruppe ins Leben gerufen. „Heute sind beim Voltigieren fast nur Mädels dabei, am Anfang war das genau umgekehrt“, sagt Edith Hövelmann. Überhaupt sei das Reiten früher eher ein Männersport gewesen, so Hans Roos. „Dazu gab es das gängige Vorurteil des elitären Sports und Hobbys für Besserverdienende. Das ist heute nicht mehr so.“
Ab Mitte der 70er-Jahre wurde der Verein vor allem durch eigene Veranstaltungen im Ort bekannter, das Reiten bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen immer beliebter. Um den Reitbetrieb auch im Winter aufrecht erhalten zu können, wurde ab 1975 ein Reitzelt nahe des Stalls aufgebaut, bis Anfang der 80er-Jahre die heutige Reitanlage inklusive Reithalle gebaut wurde. Der Bau erforderte viel Eigenleistung der Mitglieder, um diesen finanziell stemmen zu können. Noch vor dem Baubeginn im Juli 1981 nannte sich der Verein in Reitverein Aichwald um.
Heute sind alle 31 Boxen im Stall belegt, fünf Schulpferde warten auf die Reitanfänger. „Wir haben 220 Mitglieder, darunter 150 Aktive. Die Jugend zählt 85 Mitglieder, 20 davon voltigieren zudem. Wir sind gut aufgestellt, die Nachfrage ist da, wir haben Wartelisten“, zieht Edith Hövelmann ein positives Fazit. Während deutschlandweit die Mitgliederzahlen nach Angaben der Deutschen Reiterlichen Vereinigung in Reitvereinen eher sinken, spüre man in Aichwald bisher nichts davon, ergänzt Maren Hövelmann.
Lisa Priemer ist eine der aktiven Reiterinnen. Die 16-jährige Gymnasiastin aus Oberesslingen geht ihrem Hobby seit ihrem sechsten Lebensjahr nach. „Ich habe viele Gleichgesinnte im Verein getroffen und neue Freundschaften geschlossen. Pferdeinteressiert war ich schon immer, das war bei mir nicht nur eine typische Mädelsphase, sondern hat bis heute angehalten.“ Ob als Hobby oder auch als Turniersport, man lerne beim Reiten nie aus. „Dazu ist es super, um im Alltagsstress den Kopf frei zu bekommen.