Dieses Gemälde entstand erst vor wenigen Tagen am Olgaeck. Foto: /Katrin Maier-Sohn
Stuttgart wird bunter! Seit 2022 werden im Rahmen eines Festivals Stuttgarter Häuserfassaden bemalt. Wir haben eine Spaziergangs-Route durch den Kessel zusammengestellt, auf der ihr gleich sieben dieser Kunstwerke bewundern könnt.
Ihr habt es sicher schon bemerkt: Die Stadt wird wieder bunter. Besonders präsent waren die Malarbeiten der Künstlerin Gizem Erdem. Direkt am Olgaeck – das bisher nicht gerade für seine einladende Atmosphäre und architektonische Meisterleistungen bekannt war – arbeitete sie in den vergangenen Tagen an einem farbenfrohen Mural.
Das Ganze fand im Rahmen des „Pfffestival – Urbane Kunst in Stuttgart“ statt. Lokale und international renommierte Künstler:innen gestalten hierzu großflächige Arbeiten in mehreren Stadtteilen. Innerhalb von vier Wochen, bis Anfang September, werden fünf Fassaden bemalt. Ziel des Festivals ist es, die Stadt Stuttgart langfristig bunter und lebenswerter zu machen.
Bis 2025 mindestens zwanzig bemalte Fassaden geplant
Seit 2022 entstehen in Stuttgart jährlich mehrere großformatige Wandbilder. Das Festival ist als langfristiges Projekt konzipiert. Bis 2025 und eventuell darüber hinaus sollen insgesamt mindestens 20 großflächige Fassaden im öffentlichen Raum gestaltet sein.
Wir haben für euch einen Spaziergang durch die Stadt zusammengestellt, bei dem ihr an gleich sieben der im Rahmen des Festivals entstandenen Fassaden vorbeikommt. Wenn ihr den kompletten Weg zu Fuß zurücklegt braucht ihr circa 2,5 Stunden. Ihr könnt unterwegs aber auch immer wieder Strecken mit der Stadtbahn fahren.
Viel Spaß!
Böblingerstraße
Brückenpfeiler dienen als Leinwand. Foto: PFFFESTIVAL//Thommy West
Wir starten in Südheim. Direkt neben dem Discounter Aldi gestaltete der in Tübingen geborene Künstler Marvin Daumüller im Jahr 2022 zwei Brückenpfeiler der Nesenbachtalbrücke. Die Figuren in seinen surrealistischen Gemälden sind Metaphern für die menschliche Existenz.
Züblin-Parkhaus
Kunst am Parkhaus Foto: PFFFESTIVAL//Thommy West
Wir steigen an der Haltestelle Heslach Vogelrain in die Bahn und fahren mit der U14 bis zur Haltestelle Rathaus. Von dort laufen wir zum Züblin-Parkhaus. An der Außenfassade befindet sich das Mural der Stuttgarterin Julia Humpfer. Sie schloss 2010 ihr Studium der Visuellen Kommunikation an der Merz-Akademie in Stuttgart ab. Seither lebt sie hier von und für freie Kunst und Illustration. Inspiration für ihre Atelierarbeiten und großformatigen Murals findet sie in der Auseinandersetzung mit Archetypen beziehungsweise dem wahrhaftigen, wilden Menschlichen jenseits der Trennung von Mensch und Natur. Wer Zeit und Lust hat, kann sich weitere Streetart im Inneren des Züblin-Parkhauses anschauen.
Olgaeck
Ganz neu am Olgaeck Foto: Katrin Maier-Sohn
Erst wenige Tage alt ist das bunte Wandbild am Olgaeck. Hierher können wir vom Züblin-Parkhaus aus easy laufen, zum Beispiel durch das schöne Bohnenviertel. Das Mural von Gizem Erdem befindet sich am Gebäude der Charlottenstraße 14.
Neckarstraße
Vielen Dank für die Blumen! Foto: PFFFESTIVAL/Thommy West
Wir steigen am Charlottenplatz wieder in die Stadtbahn und fahren zwei Stationen bis zum Neckartor. Von dort aus ist es nur einen Katzensprung bis zum nächsten Kunstwerk. In der Neckarstraße 127 findet man einen riesigen Blumenstrauß in einer Vase, gemalt von Bezt (Etam). An der stark frequentierten Kreuzung wirkt das Stillleben wie ein Ruhepol. Werke des polnischen Künstlers befinden sich bereits in New York, Los Angeles, Miami, München, Berlin und Paris.
Kriegsbergstraße
Kunst an viel befahrener Straße Foto: PFFFESTIVAL/Thommy West
Da es schönere Spazierwege gibt als von der Neckarstraße zum Hauptbahnhof steigen wir in die U1 oder U9 und fahren bis zum Hauptbahnhof. Fünf Minuten zu Fuß entfernt, in der Kriegsbergstraße 30, bemalte der Londoner Künstler Will Gates, auch bekannt unter dem Namen Roids, eine Fassade. Sein Werk verbindet ein tief greifendes Verständnis für Form und Dimensionalität mit einer Ästhetik, die der Erkundung seiner Umgebung im Rahmen seiner Graffiti-Praxis entspringt.
Hegelstraße
Buntes im Westen Foto: PFFFESTIVAL//Thommy West
Von der Kriegsbergstraße laufen wir vorbei am Klinikum Stuttgart und dem Lindenmuseum zur Hegelstraße (Russische Kirche), alternativ nehmen wir den Bus. Bei der Hausnummer 47 erwartet uns eine kunterbunte Illustration der Bremer Künstlerin Inga Krause. Ihr Stil zeichnet sich hauptsächlich durch große Formen und leuchtende Farben aus. Sie kombiniert Figuren und Abstraktion.
Schwabstraße
Ende der Tour: Schwabstraße Foto: PFFFESTIVAL/ /Thommy West
Wir laufen weiter durch den schönen Stuttgarter Westen, vorbei am Hölderlinplatz und dem Bismarckplatz. Unterwegs laden Cafés wie die Raupe Immersatt, das Wyld oder die Metzgerei für eine Kaffee-Kuchen-Pause ein. Schließlich landen wir an der Schwabstraße 47. Hier malte 2023 die international arbeitende Britin Eloise Gillow ihr Werk „Solitude/Connection“. Für ihre Bildsprache schöpft sie aus ihrer Umgebung und fängt subtile Gesten in der Körpersprache ein.