Pfiffig aus der Krise So sexy sind Kroatiens Sneaker

Von  

Früher wurden sie von ganze Generationen von Krankenschwestern, Kellnerinnen und Sekretärinnen getragen, heute sind sie laut „Vogue“ ein Muss. Wie ein kroatisches Unternehmen mit hippen Retro-Schuhen sein Comeback feiert.

Dank der hippen Kultschuhe ist es geglückt, endlich auch jüngere Generationen als Käufer zu gewinnen Foto: Borovo 5 Bilder
Dank der hippen Kultschuhe ist es geglückt, endlich auch jüngere Generationen als Käufer zu gewinnen Foto: Borovo

Borovo - Eingefallene Scheiben, von Einschusslöchern zersiebte Fassaden: Die Zeit scheint stehen geblieben in den baufälligen Backsteinhallen auf dem Werksgelände von Kroatiens größtem Schuhhersteller Borovo. Dabei verbirgt sich zumindest in den beiden intakten Hallen des verfallenen Industriemonuments einer der kreativsten Schuhwerkstätten des Kontinents: Nach Jahren des scheinbar unaufhaltsamen Niedergangs kämpft sich der angeschlagene Schuhgigant mit hippen Retro-Tretern aus der Krise.

Es war der tschechische Schuhkönig Jan Bata, der das verschlafene Donau-Nest Borovo unweit von Vukovar 1931 zum Zentrum der jugoslawischen Schuhproduktion machte. Nach 1945 nationalisiert, mauserte sich Borovo zu sozialistischen Zeiten mit fast 24 000 Arbeitern und einer Jahresproduktion von 23 Millionen Paar Schuhen zum größten Schuh-Gigant des Vielvölkerstaats. Doch der Kroatienkrieg zwischen 1991 und 1995 sollte dem Werk die Zerstörung, den Wegfall angestammter Märkte und einen tiefen Fall bescheren.

Für Disco-Besuche ein wenig umgearbeitet

Stilisierte Herzen auf farbenfrohem Segeltuch lassen in der betagten Werkshalle mittlerweile selbst die bitteren Jahre nach dem mühsamen Neu-Anfang vergessen: Die Wiederentdeckung und Überarbeitung von jugoslawischen Kultschuhen haben dem 2012 nur knapp am Bankrott vorbeigeschrammten Staatskonzern nun eine überraschende Renaissance beschert.

„Borosana“ nennen sich die zehenfreien Segeltuch-Schuhe, die sich im früheren Jugoslawien ganze Generationen von Krankenschwestern, Kellnerinnen und Sekretärinnen um ihre ranken Fesseln schnürten. Wehmütig sollte später die populäre Rockband Hladno Pivo („Kaltes Bier“) die Zeiten besingen, in denen Kellnerinnen „mit Schnurrbärten und blauen Borosanas“ den Kunden geduldig ihre Ohren schenkten.

An dem bequemen Arbeitsgaloschen fand auch die Zagreber Industrie-Designerin Iva Curkovic schon zu Studienzeiten Gefallen. Doch für sich und ihre Freundinnen arbeitete sie das Schuhwerk für Disco-Besuche ein wenig um. „Ich schnitt die Zunge heraus, kürzte den Schaft und ließ die Sohlen vom Schuster um zwei Zentimeter erhöhen“, erklärt sie die Geburtsstunde der „Boromina“. Das eigenwillige Re-Design verhalf ihr Ende 2013 zu einem Vorstellungsgespräch – und ihrer ersten Anstellung: Mit ihren pfiffigen Entwürfen hat sie der auf 700 Mitarbeiter geschrumpften Firma ein neues, junges Image verschafft.




Unsere Empfehlung für Sie