Pfingstfestspiele Baden-Baden Eine düstere Walpurgisnacht

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Schade nur, dass Villazón diese Rolle, die er selbst oft genug gesungen hat, so passiv anlegt. So recht will man diesem Alfredo die glühende Liebe und Eifersucht nicht abnehmen. Vielleicht war es doch ein Zuviel an äußeren Bildern, vor allem in der düsteren Walpurgisnacht, die Villazón für das Finale des zweiten Akts gewählt hat, samt Baron Douphol als diabolischem Kardinal und einem Chor, der seine bunten Kostüme hinter venezianischen Totenmasken und schwarzen Mänteln versteckt.

Eine Figur fällt in diesem Gewusel auf: Es ist ein Clown, der eine Art lebenslustigerer und erfolgreicherer Widergänger Alfredos ist. Wenn man weiß, dass Rolando Villazón einen Roman über einen Clown mit einem Clown-Alter-Ego geschrieben hat und selbst gerne in diese Rolle schlüpft, wenn er in seiner Freizeit im Kinderkrankenhaus Unterhaltung bietet, dann ahnt man, dass hier eine (Lebens-)Geschichte erzählt wird, die vom Abschied und Sterben einer Bühnenfigur handelt.

Der Bariton Simone Piazzola lässt aufhorchen

Kein Wunder also, dass Giorgio Germont, der Vater Alfredos, mit grauem Gesicht und grauem Kostüm aussieht, als sei er die Statue aus Mozarts „Don Giovanni“. Er ist der Todesbote, der mit starrer Pose das zirkushafte und lebenslustige Bühnenspiel aufbricht. Der gerade mal Dreißigjährige Bariton Simone Piazzola lässt mit heller Stimmfärbung und Bühnenpräsenz aufhorchen.

Spannend ist auch die Gestaltung des Orchesterparts. Leicht aufgeraut wirkt der Tonfall des Balthasar-Neumann-Ensembles, und betont damit das untergründig Düstere und Moribunde dieser Partitur. Das passt gut zu Villazóns Konzeption. Schade nur, dass Pablo Heras-Casado am Dirigentenpult immer wieder mit der rhythmischen Koordination kämpft, manchmal auch allzu glatt über die Feinheiten hinweggeht, vor allem in der Sterbeszene des dritten Akts.




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