Pflege im Kreis Esslingen Bildungscampus gegen Pflegenotstand

Von ber 

Im Ringen um jede Fachkraft bündelt der Landkreis Esslingen die Ausbildung in den Pflegeberufen.

Auf dem Nürtinger Säer soll die Infrastruktur noch weiter gestärkt werden. Foto: PSB Wasner GmbH
Auf dem Nürtinger Säer soll die Infrastruktur noch weiter gestärkt werden. Foto: PSB Wasner GmbH

Kreis Esslingen - Drei Berufsbilder – Krankenpfleger, Altenpfleger und Kinderkrankenpfleger – werden unter der Trägerschaft des Landkreises Esslingen zu einer neuen generalistischen Pflegeausbildung zusammengefasst. Damit reagiert der Landkreis auf das Gesetz zur Reform der Pflegeberufe, das dem Pflegenotstand begegnen soll. Bundesweit werden schon heute 14 000 offene Pflegestellen gemeldet. Erwartet wird, dass bis 2035 der Bedarf auf 150 000 Fachkräfte steigen wird.

Bis zu 261 Azubis sollen eine attraktive Ausbildung vorfinden

In dem künftigen Bildungscampus führt der Landkreis das Ausbildungsangebot von drei Schulen unter einem Dach zusammen: der Schulen für Pflegeberufe der Kreiskliniken Nürtingen und Ostfildern Ruit sowie der Fritz-Ruoff-Schule in Nürtingen. „Wir sind überzeugt, dass die drei Einrichtungen aufgrund ihrer vielseitigen Erfahrungen voneinander profitieren können und der neue Campus die Stärken aller drei Einrichtungen erfolgreich zusammenführen wird“, sagte der Esslinger Landrat Heinz Eininger bei der Vorstellung des neuen Modells. Der Campus soll für bis zu 261 Azubis ein attraktives Angebot bereitstellen.

Die Ausbildung dauert drei Jahre, in Teilzeit kann sie bis maximal fünf Jahre gestreckt werden. Nach zwei Jahren erfolgt eine Zwischenprüfung, die aber kein Stolperstein darstellen, sondern den Azubis aufzeigen soll, wo sie stehen. Nach zwei Jahren der allgemeinen Pflegeausbildung besteht die Möglichkeit, einen Vertiefungsbereich zu wählen. Wer sich für die Fortsetzung des generalistischen Wegs entscheidet, legt am Ende des dritten Jahrs die Prüfung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann ab. Der zweite Weg mündet in den Abschluss der Altenpflege.

Quereinsteigern und Migranten steht der Weg offen

Der Bildungscampus soll eine qualitativ hochwerte Ausbildung und eine hohe Durchlässigkeit gewährleisten. Auch Schülern mit Förderbedarf steht der Weg offen. So sollen ausdrücklich auch Ausbildungswillige ohne mittleren Bildungsabschluss befähigt werden, die generalistische Ausbildung abschließen zu können. Ein Vorqualifizierungsjahr etwa richtet sich nicht zuletzt an Migranten ohne Berufsabschluss und ohne Deutschkenntnisse. Laut der Leiterin der Fritz-Ruoff-Schule, Silvia Blankenhorn, interessieren sich auch Quereinsteigerinnen für die Pflegeberufe. So gebe es beispielsweise Frauen, die einen Elternteil gepflegt haben und sich hernach für eine einschlägige Ausbildung entscheiden.

Kleine Pflegeeinrichtungen sollen keine Nachteile haben

Die Medius Kliniken des Landkreises werden die strategische Verantwortung für den Campus übernehmen. Die Fritz-Ruoff-Schule ihrerseits besetzt die stellvertretende Leitungsposition und kümmert sich um die Unterrichtsplanung und die Koordination des Praxiseinsatzes. Schon jetzt bietet die Akademie der Medius Kliniken Fortbildungskurse zur Praxisanleitung an, die zu einem hohen Anteil von externen Teilnehmern besucht werden. Vor allem kleine Pflegeeinrichtungen nehmen das Weiterbildungsangebot häufig in Anspruch.

Heinz Eininger betont, dass der Campus nicht zu Lasten gerade von kleineren Einrichtungen gehen soll. Die Vernetzung zwischen ambulanten und stationären Einrichtungen werde mit dem Bildungscampus gestärkt. „Altenpflegeeinrichtungen sind wichtige Partner für uns“, so Eininger. „Von einer intensiven Zusammenarbeit profitieren alle Seiten – neben Ausbildungsträger und Azubis natürlich auch die Altenpflegeeinrichtungen.“