Pflege in Wernau Kommt nun das Heim auf dem Katzenstein?
Die Stadt Wernau möchte der Keppler-Stiftung ein Grundstück auf dem Katzenstein anbieten. Über den Preis muss aber noch verhandelt werden.
Die Stadt Wernau möchte der Keppler-Stiftung ein Grundstück auf dem Katzenstein anbieten. Über den Preis muss aber noch verhandelt werden.
Seit vielen Jahren steht fest, dass in Wernau ein neues Seniorenheim gebaut werden muss. Hauptgrund ist, dass das 1984 gebaute St. Lukas in der Ortsmitte auf Zweibettzimmer ausgelegt ist. Bereits im Jahr 2019 endete die Übergangsfrist aus der novellierten Landesheimbauverordnung, nach der grundsätzlich nur noch Einzelzimmer angeboten werden dürfen. „Das Gebäude entspricht schon länger nicht mehr den Vorschriften“, fasste es die Bürgermeisterin Christiane Krieger zusammen. Das Seniorenzentrum hat eine Ausnahmegenehmigung bis zum Jahr 2027. Dass die Ausnahme verlängert werden muss, ist wahrscheinlich. Ein Umbau des bestehenden Heims kommt für den Betreiber nicht in Frage.
Kaum jemand glaubt in Wernau, dass ein neues Seniorenheim bis 2027 fertig ist. Nichtsdestotrotz ist die Gemeinde seit der jüngsten Sitzung des Gemeinderates einen wichtigen Schritt weiter auf dem Weg zu einem neuen Pflegeheim. Das Gremium fasste mehrheitlich den Grundsatzbeschluss, der Paul Wilhelm von Keppler-Stiftung ein Grundstück auf dem Katzenstein für den Neubau eines Pflegeheims anzubieten. Über den Preis muss aber noch verhandelt werden. Ferner solle die Stadtverwaltung mit der Stiftung über die Nachnutzung ihres aktuellen Standortes sprechen, heißt es in dem Gemeinderatsbeschluss.
Gerne hätte die Bürgermeisterin Christiane Krieger ohne Auflagen aus dem Gremium mit der Stiftung verhandelt. Schließlich werde ein Vertrag über das Grundstück ohnehin vor der Unterzeichnung dem Gemeinderat zum Beschluss vorgelegt, sagte sie. Auf Antrag der Wernauer Bürgerliste wurden die Vorgaben für die Verhandlungen jedoch im Beschluss konkretisiert. Demnach soll die Verwaltung auf Grundlage einer Machbarkeitsstudie einen am Bodenrichtwert orientierten Verkaufspreis oder Erbpachtzins fordern. „Wir wollen auch, dass es weitergeht, aber mit klaren Rahmenbedingungen“, sagte die Fraktionssprecherin Sabine Dack-Ommeln. Für das 6500 Quadratmeter große Grundstück auf dem Katzenstein würde der Kaufpreis, sofern man sich an einem Grundstückswertgutachten aus dem Jahr 2019 orientiert, rund 2,9 Millionen Euro betragen. Der geforderte Erbpachtzins würde bei vier Prozent bei 117 000 Euro liegen. Der Ball liegt nun beim Seniorenheimbetreiber. Nimmt er die Konditionen an, kann es weitergehen. Falls nicht, ist alles offen.
Dass es die Stiftung womöglich gar nicht so eilig mit dem Neubau haben könnte, vermutete der SPD-Stadtrat Arnold Pracht. Die Stiftung habe erklärt, einen Neubau aus finanziellen Gründen erst dann angehen zu können, wenn das bisherige Gebäude verkauft sei. Die Zweckbindung des Geländes sei festgeschrieben auf die Nutzung als Pflegeheim. Das heiße, die Keppler-Stiftung müsste das Gebäude an einen Mitbewerber verkaufen. Dass der Verkauf noch dauern könnte, dürfte vor diesem Hintergrund also im Interesse des Heimbetreibers liegen, vermutet Pracht. Hinzu komme, dass das das bestehende Seniorenheim noch bis zum Jahr 2034 abgeschrieben werden könne, so Pracht weiter. Dann seien 50 Jahre seit dem Bau vergangen. Das sei gewöhnlich die Zeit, über welche ein Seniorenheim abgeschrieben werde. Jedes Jahr, das die Keppler-Stiftung ihr bestehendes Heim vor dem Jahr 2034 schließe, bedeute einen Verlust von rund 200 000 Euro. Vor diesem Hintergrund, so Pracht, sollte darüber nachgedacht werden, ein Pflegeheim auf dem Katzenstein offen auszuschreiben.
Die Stiftung wollte die Aussagen des SPD-Stadtrats nicht kommentieren. Auf Anfrage teilt der Sprecher Friedemann Müns-Österle lediglich mit, dass die Einrichtung eine Nachfolgelösung suche, die aus betriebswirtschaftlicher Sicht realisierbar sei und die Belastung für die Pflegebedürftigen, die über ihre Eigenanteile letztendlich auch an den Grundstücks- und Investitionskosten beteiligt seien, in einem leistbaren Rahmen halte.
Unklar ist, was nach einem Neubau eines Pflegeheims mit dem alten Gebäude passiert. Die Stadt möchte das Grundstück aus finanziellen Gründen nicht selbst kaufen. Trotzdem möchte der Gemeinderat Einfluss auf die zukünftige Entwicklung nehmen. Eine Möglichkeit wäre aus Sicht der Verwaltung gewesen, das Gebäude vom Grundstücksfonds BW für maximal fünf Jahre zwischenfinanzieren zu lassen. Während dieser Zeit hätte die Stadt das Baurecht ändern und einen Wettbewerb durchführen können – so die Idee. Eine entsprechende Passage im Beschlussvorschlag wurde aber von Bürgermeisterin Krieger nach kritischen Stimmen aus dem Gremium vor der Beschlussfassung wieder gestrichen.
Zimmer
Nach eigenen Angaben verfügt St. Lukas über 101 Pflegeplätze, davon 31 in Einzelzimmern mit Balkon, alle Zimmer sind mit eigener Nasszelle mit Waschbecken, Toilette und Dusche ausgestattet. Dazu gibt es einen Anschluss für Kabelfernsehen, Telefonanschluss und eine Rufanlage mit zusätzlichen Funksendern.
Einrichtungen
Im Erdgeschoss gibt es ein Restaurant, das Café und die Hauskapelle, die Eingangshalle, in welcher zuweilen Veranstaltungen stattfinden, sowie die Tagespflege. Räume für Aktivitäten und Besprechungen. Rückzugsmöglichkeiten im gesamten Haus bieten ferner Möglichkeiten der Freizeitgestaltung und Abwechslung.
Namensgeber
Der Heilige Lukas ist der Namensgeber des Seniorenheims. Er gilt als Verfasser des nach ihm benannten Evangeliums und der Apostelgeschichte. Wichtig sei Lukas die Betonung von gerechten sozialen Beziehungen, insbesondere zwischen Armen und Reichen, das Bemühen um die Sünder und Geächteten der Gesellschaft sowie Jesus Wohlwollen gegenüber den Frauen, teilt das Pflegeheim auf seiner Homepage mit.