Das Pflegeheim in Schönberg steht seit Längerem zum Verkauf. Was viele bisher nicht auf dem Schirm hatten: Auch die Zukunft der angeschlossenen Kita wackelt. Lokalpolitiker und Eltern zeigen sich überrascht.

Schönberg - Im Zusammenhang mit dem geplanten Verkauf des seit mehr als einem Jahr leer stehenden Pflegeheims der Bruderhaus-Diakonie in Stuttgart-Schönberg rückt nun auch die Zukunft der benachbarten Kindertagesstätte am Röhrlingweg in den Fokus. Grund ist der Aushang einer Schönberger Immobilienagentur, der kürzlich die Birkacher Bezirksbeirätin Brigitta Haak (FDP) auf den Plan gerufen hat. Bass erstaunt hatte Haak dem öffentlich einsehbaren Exposé des Immobilienmaklers entnehmen müssen, dass keineswegs nur das Pflegeheim selbst zum Verkauf steht.

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Das Angebot mit einem Gesamtvolumen von 15 Millionen Euro umfasste für jeden nachlesbar auch das an das Heim anschließende Gebäude Röhrlingweg 9, das demnach Teil des zum Verkauf stehenden rund 9300 Quadratmeter großen Grundstücks ist. Die Ausschreibung, die kurze Zeit später wieder verschwunden war, informierte zudem darüber, dass es sich bei dem betreffenden Gebäude um ein nahezu neues Haus, Baujahr 2018, handelt, in dem sich nicht nur acht Appartements befinden, sondern auch die Kindertagesstätte der Bruderhaus-Diakonie.

Große Überraschung im Stadtbezirk Birkach

Nicht nur für Brigitta Haak war das eine faustdicke Überraschung. Auch andere Birkacher Bezirksbeiräte zeigten sich angesichts dieser Neuigkeit in der jüngsten Sitzung des Bezirksbeirats außerordentlich irritiert. „Wenn nun alles im Verbund verkauft werden soll“, sagt die FDP-Beirätin, „muss man sich schon fragen, was mit der Kita passiert“. Bekanntermaßen sind nicht nur Pflege-, sondern auch Kitaplätze ein rares Gut in der Landeshauptstadt. Haak bemängelt in diesem Zusammenhang, dass Stadt und Bruderhaus-Diakonie in der Sache „nicht offen kommunizieren“.

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Dass der Immobiliendeal die Betreuungseinrichtung für Kinder tatsächlich mit einschließt, wird von der Bruderhaus-Diakonie mit Sitz in Reutlingen indirekt bestätigt: „Für das Grundstück in Schönberg gibt es einen Bebauungsplan mit der Vorgabe Gemeinbedarfsfläche für Altenwohn- und Pflegeheim“, erklärt die Bruderhaus-Diakonie-Sprecherin Sabine Steininger auf Anfrage. „Das Grundstück in Schönberg, auf dem sich Pflegeheim und Kindertagesstätte befinden, ist von der Zweckbindung her als Ganzes zu sehen.“ Identisches ist aus dem Amt für Stadtplanung und Wohnen zu hören: „Ob dort eine Kita betrieben wird oder nicht, sieht der Bebauungsplan nicht vor“, so das Amt. Die Bruderhausdiakonie wünscht sich allerdings, „dass die Kita weitergeführt wird“. Von wem, sagt sie nicht.

Zudem Brisant: Obgleich die Bruderhaus-Diakonie gegenüber unserer Zeitung erklärt, „die Eltern der Kita sind informiert“, zeigen sich vor der Kindertagesstätte angesprochene Mütter überrascht: „Davon habe ich noch nichts gehört“, sagt eine junge Frau, die vor wenigen Tagen nachmittags ihren Nachwuchs aus der Einrichtung abholt. Im Gegenteil: Sichtlich beunruhigt schiebt sie die Rückfrage hinterher, was ein möglicher Verkauf der Kindertageseinrichtung bedeuten könnte.

Eltern vor der Kita zeigen sich erstaunt

Eine zweite Frau, die ebenfalls bittet, ihren Namen in der Zeitung nicht zu nennen, erklärt, dass auch sie nichts über einen möglichen Verkauf der Kita wusste. Erst ein Zeitungsbeitrag über die unklare Zukunft des Pflegeheims Anfang Januar habe einige Eltern alarmiert: „Auf Anfrage bekamen wir diese Informationen von Seiten der Bruderhausdiakonie“, so die Mutter. Auch ob die Stadt oder einer der interessierten Investoren die Kindertagesstätte mit bis zu 45 Kindern im Alter bis zu sechs Jahren im Fall einer Veräußerung des Pflegeheims weiterbetreiben will, ist derzeit noch völlig unklar. Die Birkacher Bezirksvorsteherin Andrea Lindel hatte im Rahmen der jüngsten Beiratssitzung durchblicken lassen, dass unter den drei Investoren, mit denen die Bruderhausdiakonie derzeit Gespräche führe, einer auch „Kitas im Portfolio“ habe. Soll heißen: Bei den beiden anderen ist das nicht der Fall.