Rosen haben viele Gesichter: Gärtnermeister Joachim Teeuwen zeigt ungefüllte, rote Rosenblüten Foto: /Evelyn Scheer
Sonne ja, aber bloß kein Hitzestau: Rosen sind Divas und anspruchsvoll, was Pflege und Standort angeht. Was es zu beachten gilt, verrät Gärtnermeister Joachim Teeuwen vom Lehr- und Versuchsgarten Tachenhausen der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen.
Evelyn Scheer
17.06.2024 - 13:58 Uhr
Die Königin der Blumen, die Rose, ist das Symbol der Liebe und Schönheit. Im Garten oder auf dem Balkon gelten Rosen jedoch oft als empfindlich und schwierig zu pflegen. Wenn jedoch ein paar Dinge beachtet werden, ist der Weg zur Blütenpracht verblüffend einfach. Der Gärtnermeister Joachim Teeuwen vom Lehr- und Versuchsgarten Tachenhausen (LVB) der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen gibt Profitipps, wie es am besten gelingt.
Betörender Duft und fantasievolle Namen
Im Juni ist die Hochphase der Rosen. Gefüllte oder ungefüllte Exemplare recken ihre Blütenköpfe in Rot, Rosa, Pink, Weiß, Gelb, Orange, Violett oder mehrfarbig gen Sonne. Dabei verströmen manche Sorten einen betörenden Duft. Am Eingang zum Lehr- und Versuchsgarten Tachenhausen empfangen die üppige 20-jährige Strauchrose „Ghislaine de Feligonde“ und drei Ramblerrosen die Gartenfreunde. Innen gedeihen etwa 400 Rosenpflanzen, rund 80 verschiedene Sorten sind es. Strauch-, Kletter-, Beet-, Rambler-, Wild- und Teehybridrosen (auch bekannt als Edelrosen) wurden im großen Rosengarten kombiniert. Betörend duftende historische Rosen runden die Klassenauswahl ab. Bei der Entscheidung für die Sorten stand die Krankheitsresistenz im Vordergrund.
Gärtnermeister Joachim Teeuwen /Evelyn Scheer
„Wenn Sie eine Rose richtig pflegen, dann wird sie mit Ihnen alt werden“, erklärt Teeuwen und lacht: „Die Rose hat den großen Vorteil, dass man sie immer wieder verjüngen kann. Wir müssen zum Schönheitschirurgen und bei der Rose reicht die Rebschere.“ Mit den richtigen Schnittmaßnahmen kann eine 40 Jahre alte Rose aussehen, als ob sie fünf oder zehn Jahre alt wäre. Zum einen sollten die abgeblühten Triebe zurückgeschnitten werden, um den Neuaustrieb zu fördern. Mit etwas Glück kann man sich im September über einen zweiten Blütenflor freuen. „Aus dünn kommt dünn“, sagt Teeuwen und rät zu einem Schnitt auf fünf Blätter bis ins Holz, mindestens jedoch zwei Blattpaare. Die Rose dankt es mit einem kräftigen Austrieb. Zu Beginn der Forsythienblüte, Mitte März, folgt der Frühjahrsschnitt.
„Rosen brauchen es luftig und sonnig“, beschreibt Teeuwen ihre Vorlieben. Einen Hitzestau lieben sie hingegen gar nicht, sie sollten deshalb keinesfalls an heiße Südwände oder Mauern gepflanzt werden. Ebenso wenig schätzen die Divas die Konkurrenz anderer Pflanzen, die ihnen Wasser, Licht und Nährstoffe streitig machen. Was sie hingegen benötigen, ist ein tiefgründig gelockerter Boden: Zwei Spaten tief dürfen es schon sein, führt der Experte aus. Bereits angewachsene Rosen müssen so nicht einmal mehr gegossen werden, da sie sich als Tiefwurzler das Wasser aus unteren Erdschichten holen. Es gibt eine einfache Regel zur Standortwahl: „Was uns guttut, tut meist auch den Pflanzen gut“, sagt Teeuwen.
So gelingt der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel
Rosengesundheit ist vor allem Blattgesundheit, doch auch auf Regenfestigkeit und Hitzeverträglichkeit der Blüten muss man achten. Teeuwen empfiehlt, nur sortenechte Rosen zu kaufen, die die gewünschten Eigenschaften wie Gesundheit oder Wuchshöhe garantieren. Es lohnt sich auch, dabei auf das Prädikat der ADR (Allgemeine Deutsche Rosenneuheitenprüfung) zu setzen, das für eine besonders robuste, blühfreudige Qualität steht. So werden typische Pilzkrankheiten wie Echter und Falscher Mehltau, Sternrußtau oder Rosenrost weitgehend vermieden. Diese, aber auch tierische Schädlinge von Blattläusen über Rosenzikaden bis Rosentriebbohrern, lassen sich bis zu 80 Prozent reduzieren, wenn die richtige Sorte und der passende Standort gewählt und der Boden mittels Kompost- und Sandzugaben verbessert wurde. Auf diese Weise kommen die Rosen in Tachenhausen weitgehend ohne Pflanzenschutz aus. Teeuwen hat einen Tipp, wie Rosenfreunde abwehrkräftige Sorten schnell erkennen können: „Gehen Sie im Juli oder August in einen Rosengarten, dann trennt sich die Spreu vom Weizen.“ Der Trend geht auch zu bienenfreundlichen Rosen. Für Bienen sind die Pollen eine gute Eiweißquelle. Da die Insekten jedoch rotblind sind, sollten helle Sorten gewählt werden.
Blütenpracht zum Bestaunen
Täglich geöffnet Der Lehr- und Versuchsgarten Tachenhausen (LVG) der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen in Oberboihingen ist täglich von 7 bis 22 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist kostenlos. Neben dem großen Rosengarten sind unter anderem Beete mit Sommerblumen, Stauden und Zwiebelblumen zu sehen. Als wertvolle Hinweise zur Verwendung der Pflanzen dient die Zuordnung nach Lebensbereichen. Weitere Informationen unter: www.hfwu.de/lvg
Tag des offenen Hofes Am Samstag, 22. Juni, findet von 11 bis 17 Uhr der Tag des offenen Hofes statt. Es werden Führungen angeboten und Forschungsprojekte vorgestellt.
Rosenzucht Führende deutsche Rosenzüchter sind unter anderem der Rosenhof Schultheis, Kordes’ Söhne, Noack Rosen und Rosen Tantau.