Pflück-Saison im Kreis Böblingen beginnt Üppige Ernte bei den Erdbeeren

Die roten Früchte gibt es in diesem Jahr reichlich – selber pflücken kann man sie zum Beispiel bei Holzhäuser und Reim in Merklingen Foto: Stefanie Schlecht

Die Erdbeerernte im Kreis Böblingen fällt in diesem Jahr gut aus, die Preise stagnieren deshalb auf dem Niveau des Vorjahres. Die Erzeuger können höhere Lohn- und Energiekosten nicht an Verbraucher weitergeben.

Die Erdbeerernte im Kreis Böblingen ist in vollem Gange – ob auf den Feldern der Obstbauern oder bei der Selbsternte. Bundesweit ist das Angebot an den roten Früchten mehr als üppig, sodass der Kilopreis teilweise unter dem des Vorjahres liegt. Vereinzelt kommen die Erdbeeren daher gar nicht in den Handel, da die Erzeuger damit Verluste einfahren würden. Im Kreis Böblingen fällt die Ernte nach ersten Einschätzungen ebenfalls gut bis sehr gut aus, doch von einem ruinösen Preiskampf ist hier nichts zu spüren. Wenngleich die Preise für Erdbeeren auf dem Vorjahres-Niveau stagnieren – und das, obwohl die Kosten für Energie und Löhne bei den Erzeugern gestiegen sind.

 

Die Preise bewegen sich auf dem Niveau des Vorjahres

„Die höheren Kosten können wir nicht an die Verbraucher weitergeben“, sagt der Ehninger Landwirt Henning Kempf, der neben Erdbeeren auch Äpfel und Kartoffeln anbaut. Mehr als zwei Drittel der Ernte verkauft Kempf im eigenen Hofladen nahe der Kreisstraße zwischen Ehningen und Gärtringen, das halbe Kilogramm geht zwischen 3,50 Euro und vier Euro über die Theke. Die selbst geernteten Erdbeeren gibt er etwa für die Hälfte des Preises ab, hier kostet ein Kilo vier Euro. Damit bewegen sich die Preise auf dem Niveau des Vorjahres.

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„Unsere Erdbeerfelder ernten wir zu rund 70 Prozent selbst ab, nur ein kleiner Teil steht für die Selbsternte zur Verfügung“, sagt Kempf. Rund zwei Hektar hat er auf seinen Feldern reserviert für Obsthungrige, die selbst die roten Früchte pflücken wollen. Im Mai habe es keinen Frost gegeben, der den Erdbeerblüten hätte zusetzen können. Dementsprechend gut seien die Erträge. Drei Sorten baut Kempf an, die nacheinander zwischen Ende Mai und Ende Juli reif werden: Lambada, Korona und Malwina. Letztere allerdings bleibt den Kunden im Hofladen vorbehalten, da die Selbsternter im Juli kaum noch kämen. „Da sind die Marmeladengläser schon voll“, sagt Henning Kempf.

Rein mengenmäßig fällt die Ernte bei Kempfs dennoch etwas geringer aus, da er die Setzlinge im vergangenen Juli etwas später in den Boden eingebracht hat. „Dadurch sind die Pflanzen in diesem Jahr etwas kleiner und tragen weniger Früchte“, sagt er. Doch das komme den Kunden durchaus entgegen: Die Erdbeeren seien dadurch viel geschmacksintensiver, da die Stauden ihre Kraft auf weniger Früchte aufteilen.

Hohe Nachfrage auf dem Biohof in Weil der Stadt-Merklingen

Beim Landwirtschaftsbetrieb Holzhäuser und Reim, der seit 1984 im Weiler Teilort Merklingen Bioland-Erdbeeren anbaut, landet unterdes kaum eine Frucht im Müll: „Unsere Erdbeeren sind häufiger ausverkauft als in großen Mengen übrig“, berichtet Ramona Reim, die im Betrieb für die Erdbeerernte verantwortlich ist. Die Ernte in diesem Jahr laufe gut, das Wetter spiele mit.

Gerade ist bei Holzhäuser und Reim die Hauptsaison, sowohl beim Selbstpflücken als auch im Hofverkauf gibt es jetzt die aromatischsten Erdbeeren. Noch zwei Wochen dauert diese Hochphase laut Reim an, vorausgesetzt, Hagel und Sturm bleiben aus.

Dass die Landwirte bisher von großen Restmengen verschont geblieben sind, liegt laut Reim an einer stabilen Stammkundschaft – und daran, dass man auch in Merklingen im Laufe der Jahre die Anbauflächen für Erdbeeren verkleinert hat. Damit wollte man sich auf die Zukunft einstellen, sagt Reim. „Die klimatischen Bedingungen werden immer schwieriger und stellen uns vor eine Herausforderung.“ Der Anbau von Bio-Erdbeeren im Freiland sei für die Landwirte, die den Erdbeeranbau im Nebenerwerb betreiben, zeitaufwendig und stark wetterabhängig. Außerdem würde es immer schwieriger werden, Arbeitskräfte für die Ernte zu finden. Eine kleinere Anbaufläche soll diesen Entwicklungen entgegenwirken.

Bauern unter Druck

Preisverfall
 Die Anbauer von Spargel- und Erdbeeren geraten nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes durch umfangreiche Importe der Lebensmittelketten und eine spürbare Kaufzurückhaltung unter Druck. „Größere Mengen billiger Importware bei Erdbeeren und Spargel drücken die Preise deutlich nach unten. Bei diesen Dumpingpreisen können unsere Bauern schlicht nicht mehr mithalten“, sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied der Deutschen Presseagentur. In Nordrhein-Westfalen haben Landwirte teilweise ihre Ernte aus Protest vernichtet, weil die Preise derart verfallen seien, dass der Verkauf sicht nicht lohnte. Dies berichtete der WDR.

Anbaugebiete
 Die Selbstversorgungsquote in Deutschland liegt bei Obst bei 19 Prozent und bei Gemüse bei 35 Prozent. Experten befürchten, dass diese bereits jetzt nicht sehr hohe Quote dadurch noch weiter zurückgehen werde.

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