Pforzheim Polizei stoppt Gegner eines rechtsextremen Fackel-Aufzugs

Von dpa/lsw 

Mit einem Aufgebot von rund 1000 Beamten hat die Polizei Demonstranten in Pforzheim daran gehindert, einen Fackel-Aufzug von Rechtsextremisten zu stören. Dabei kam auch Pfefferspray zum Einsatz.

Polizisten verwehren auf dem Wartberg in Pforzheim Gegendemonstranten den Zugang. Weitere Bilder der Auseinandersetzungen in Pforzheim gibt es in der Bildergalerie. Foto: dpa 5 Bilder
Polizisten verwehren auf dem Wartberg in Pforzheim Gegendemonstranten den Zugang. Weitere Bilder der Auseinandersetzungen in Pforzheim gibt es in der Bildergalerie. Foto: dpa

Pforzheim - Stilles Gedenken auf der einen und gewaltsame Zusammenstöße auf der anderen Seite haben den 70. Jahrestag der Bombardierung Pforzheims im Zweiten Weltkrieg bestimmt. Bei Protesten gegen einen rechtsextremen Fackel-Aufzug kam es am Montagabend zu Zusammenstößen von linken Demonstranten mit der Polizei. Gleichzeitig versammelten sich mehrere hundert Menschen zu einem «Lichtermeer» mit zahllosen Kerzen.

Ein Teil der 350 linksgerichteten Demonstranten durchbrach eine Polizeisperre am Wartberg, wo sich etwa 70 Sympathisanten des als rechtsextrem eingestuften Vereins «Freundeskreis - Ein Herz für Deutschland» mit Fackeln aufstellten. Bei Zusammenstößen wurden nach Polizeiangaben neun Beamte leicht verletzt. Die Polizeikräfte setzten Schlagstöcke und Pfefferspray ein. Sanitäter behandelten mehrere Menschen mit Augenreizungen.

Einsatzleiter Günther Friesleben sagte am späten Montagabend, er sei mit dem Verlauf des Einsatzes zufrieden. Das neue Konzept der «strukturierten Separierung» von Teilnehmern unterschiedlicher Kundgebungen sei aufgegangen. Insgesamt hatte die Polizei mehr als 1000 Kräfte im Einsatz.

Eine Person wird festgenommen

Die Beamten nahmen eine Person aus dem rechten Spektrum wegen Beleidigungen fest. Von den Gegendemonstranten wurden mehrere zeitweise abgeführt oder umstellt.

Sieben Jahrzehnte nach ihrer Zerstörung rief die Stadt zu Frieden und Versöhnung auf. Das Gedenken an die Opfer der britischen Bombardierung wende sich gegen Hass und Gewalt und sei nicht in die Vergangenheit gerichtet, sagte Oberbürgermeister Gert Hager (SPD) vor den Gräbern von Opfern des Luftangriffs auf dem Hauptfriedhof.

Der britische Botschafter in Deutschland, Simon McDonald, sprach sich dafür aus, die deutsch-britische Freundschaft lebendig weiterzuentwickeln, «damit sich die Ereignisse von vor 70 Jahren nicht wiederholen». Er stellte Pforzheim in eine Reihe mit Hamburg, Köln und Dresden, erinnerte aber auch an die Bombardierung von London, Birmingham und Coventry durch die deutsche Luftwaffe.

Am 23. Februar 1945 hatten britische Bomber die Stadt an der Enz angegriffen und das gesamte historische Zentrum innerhalb von 20 Minuten in Brand gesetzt. Dabei kamen 17 600 Menschen ums Leben. Aus Trümmern und Zerstörung sei jetzt eine Stadt mit internationaler Bevölkerung gewachsen, sagte Hager.