Ein Häuflein Ewiggestriger, rund 2000 Gegen-Demonstranten und nochmal fast so viele Polizisten - der Gedenktag an die Opfer der Pforzheimer Bombennacht 1945 ist auch dieses Jahr von einer rechtsextremen Fackel-Aktion überschattet worden.  

Pforzheim - Den bislang größten Polizeieinsatz in der Geschichte der Stadt hat es am Samstag zum Pforzheimer Gedenktag für die Opfer der verheerenden Bombennacht vor 68 Jahren gegeben. Weil linke wie rechte Gruppen im Vorfeld Aktionen angekündigt hatten, war die Polizei mit 1600 Beamten vor Ort. Größere Ausschreitungen gab es nicht. 400 linke Demonstranten, die eine genehmigte rechtsextreme Fackelaktion verhindern und Absperrungen durchbrechen wollten, wurden über Stunden in eisiger Kälte von der Polizei eingekesselt.

Es flogen Steine und Flaschen, Autos wurden beschädigt. Die Polizei setzte Schlagstöcke und Pfefferspray ein. Mindestens ein Demonstrant wurde durch einen Schlagstock verletzt, zwei Polizisten leicht durch ein Brett. Von allen eingekesselten Nazi-Gegnern wurden die Personalien aufgenommen, drei wurden wegen Landfriedensbruch festgenommen. „Wir waren recht gut vorbereitet“, sagte ein Polizeisprecher am Abend. „Wir hoffen aber, dass so etwas in Zukunft nicht mehr so ablaufen wird.“

Rechtsextreme instrumentalisieren Gedenken

Am 23. Februar 1945 hatten britische Bomber die Stadt nahezu völlig zerstört. 17.600 Menschen starben. Rechtsextremisten nutzen den Tag seit mehr als zehn Jahren zum Verdruss der Pforzheimer für eine Fackel-Mahnwache auf dem Wartberg. Oberbürgermeister Gert Hager (SPD) bedauerte am Abend bei einer Kundgebung auf dem Marktplatz mit rund 1300 Menschen, dass Rechtsextreme erneut den Gedenktag „so schändlich missbrauchen mit ihrem unsäglichen, ja abscheulichen Gedankengut“. Die Aktion der Rechtsextremen verletze die Würde des Gedenktags.

Am Nachmittag hatte es zunächst eine friedliche Kundgebung der „Initiative gegen Rechts“ mit rund 700 Teilnehmern gegeben. Mit Trillerpfeifen und „Nazis raus“-Rufen hatten die Teilnehmer ihren Unmut darüber kund getan, dass die Aktion auf dem Wartberg überhaupt stattfinden darf. „Wir dürfen nicht zulassen, dass die Rechten diesen Tag missbrauchen“, hatte Landeschefin der Gewerkschaft Verdi, Leni Breymaier, betont.

Demonstranten versuchen Absperrungen zu überwinden

Im Anschluss an die Demo versuchten mehrere Hundert Demonstranten von verschiedenen Seiten die Absperrungen zu der Anhöhe zu durchbrechen, auf der sich 95 Rechtsextreme versammelt hatten. Gegen die Übermacht der mit Helmen und Schutzschildern ausgestatteten, in mehreren Reihen stehenden Beamten konnten die Demonstranten jedoch nichts ausrichten. Die Polizei hatte auch Pferde, Hunde und einen Hubschrauber im Einsatz. Etwa 100 Rechtsextreme, die nicht zum Wartberg durchkamen, fuhren eine Bahnstation weiter und entzündeten in Mühlacker (Enzkreis) ihre Fackeln.

Auftakt des Gedenkens war am Morgen eine Aktion auf dem Marktplatz gewesen, bei der Schüler Mosaiksteine verlegten, auf denen etwa der Wunsch nach Frieden zum Ausdruck kam. Hager empfing zudem Delegationen aus La Bresse und Ventron in den Vogesen; von dort waren 1944 als Vergeltungsmaßnahme für Partisanen-Attacken auf die Wehrmacht nahezu alle Männer als Zwangsarbeiter deportiert und auch nach Pforzheim gebracht worden. Nach einer Gedenkfeier am Friedhof läuteten ab 19.50 Uhr 22 Minuten - so lang wie die Bombardierung dauerte - die Glocken der Pforzheimer Kirchen.