Pharmaindustrie Bedeutung der asiatischen Märkte nimmt zu

Leben: Werner Ludwig (lud)
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So musste Pfundner für die ersten drei Quartale 2011 einen Umsatzrückgang im hiesigen Pharmageschäft von sieben Prozent an den Mutterkonzern melden, dessen Baseler Zentrale sich wenige Kilometer flussabwärts befindet. Pfundner räumt aber ein, dass auf den deutschen Markt nur zwischen fünf und sieben Prozent des Roche-Gesamtumsatzes mit Arzneimitteln und Diagnostika entfallen. Dagegen nehme die Bedeutung der asiatischen und südamerikanischen Märkte zu - mit jährlichen Zuwächsen im zweistelligen Prozentbereich.

"Trotzdem bleibt Deutschland für uns ein Leitmarkt - ähnlich wie die USA oder Japan", sagt Pfundner. Das schlage sich auch in den Investitionen nieder, die in der jüngeren Vergangenheit in den hiesigen Werken so hoch gewesen seien "wie an keinem anderen Standort". So hat Roche im Penzberg (Bayern) eine der größten Anlagen für biotechnologisch - also mit Hilfe von lebenden Zellen - hergestellte Wirkstoffe gebaut. Wird es derartige Großinvestitionen auch künftig geben? "Wir werden wegen der Spargesetze nicht abwandern. Wir werden aber Investitionen in Deutschland kritischer als bisher prüfen", sagt Pfundner.

Tausende Stellen werden gestrichen

Auch Boehringer Ingelheim verweist auf die Bedeutung des deutschen Marktes. Der Familienkonzern, für den in Biberach gut 4500 Menschen in der Forschung und der biotechnologischen Wirkstoffproduktion arbeiten, macht zwar nur noch sechs Prozent des Umsatzes im Inland. "Deutschland ist aber der Referenzmarkt für die Preisgestaltung in vielen anderen Ländern", sagt eine Sprecherin. Auch dort wollen die Regierungen die Kosten im öffentlichen Gesundheitswesen im Zaum halten - eine Entwicklung, die sich durch die Schuldenkrise verstärken dürfte.

Viele Pharmafirmen streichen deshalb Tausende Stellen - auch Roche. Die Schweizer verkündeten vor einem Jahr den Abbau von 4800 Jobs. Laut Pfundner waren die deutschen Standorte aber "in Summe so gut wie nicht betroffen".

Verschärfung des Verteilungskampfs

Obwohl das Geschäft schwieriger geworden ist, erzielen die großen Pharmahersteller weiter Renditen, von denen andere Branchen nur träumen können. So weist der Roche-Konzern im ersten Halbjahr 2011 bei einem Umsatz von 21,7 Milliarden Schweizer Franken unterm Strich einen Gewinn von 5,3 Milliarden Franken aus - eine Umsatzrendite von rund 25 Prozent. "Wir brauchen solche Margen. Wir gehen mit den hohen Ausgaben für Forschung und Entwicklung - rund ein Fünftel unseres Umsatzes - auch ein hohes Risiko ein", sagt Pfundner.

Den Vorwurf, die Industrie treibe mit überteuerten Scheininnovationen die Kosten in die Höhe, weist er zurück. Die ebenfalls im Amnog geregelte strengere Nutzenbewertung neuer Arzneien - durch die viele Pharmafirmen Nachteile befürchten - werde am Ende zeigen, "dass unsere Produkte besser sind, als viele glauben", ist er überzeugt.

Gleichwohl prophezeit Pfundner eine Verschärfung des Verteilungskampfs im Gesundheitsmarkt, wo es in Zeiten voller Kassen leichter als heute war, hohe Gewinne einzufahren. Karl-Heinz Scheunemann, Pharma-Analyst bei der LBBW, erwartet deshalb einen wachsenden Konsolidierungsdruck: "Es wird mehr Kooperationen geben, aber auch Übernahmen und Zusammenschlüsse." Gerade für die vielen Mittelständler im Land werde es schwieriger, die hohen Kosten für die Entwicklung und Zulassung neuer Medikamente alleine zu schultern.

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