Philipp Amthor Die kontroversen Aussagen des Bundestagsabgeordneten

Von Jan Merklinger 

Die „Heute Show“ nannte ihn den „ältesten 26-Jährigen der Welt“: Philipp Amthor, jüngster Bundestagsabgeordneter der CDU, polarisiert mit seinen Aussagen. Wir haben die besten gesammelt.

Bundestagsabgeordneter seit 2017: Philipp Amthor Foto: Gregor Fischer/dpa
Bundestagsabgeordneter seit 2017: Philipp Amthor Foto: Gregor Fischer/dpa

Stuttgart - Er ist der zweitjüngste Abgeordnete im Bundestag – aber seine Äußerungen klingen oft, als wäre Philipp Amthor bereits ein alter Mann. Ob Abtreibung, Abschiebung oder Artikel 13, seine Forderungen sind konservativer, seine Rhetorik oft schärfer als die seiner Kollegen. Dabei schießt er manchmal über das Ziel hinaus. Gleichzeitig haben ihm seine Äußerungen aber auch zu einer gewissen Popularität verholfen. Wir haben fünf Kontroversen des Manns gesammelt, dessen öffentlicher Ruf irgendwo zwischen Omas Liebling und erzkonservativem Abgeordneten liegt.

1. AfD-Antrag zum Burka-Verbot

Öffentlichen Zuspruch – den erhoffte sich die AfD wohl Ende Februar. Bei dem Antrag, die Vollverschleierung von Frauen in der Öffentlichkeit zu verbieten, hatte sie die Rechnung aber ohne Philipp Amthor gemacht. Der studierte Jurist brachte die Fraktion in Verlegenheit, indem er in der Sache zunächst zustimmte. Gleichzeitig argumentierte er mit der im Grundgesetz festgeschriebenen Religionsfreiheit und Verfassungsrecht gegen den eingereichten AfD-Antrag. Prägnantester Satz: „Ein Viertel ihrer Fraktion sind Juristen. Diese Expertise findet sich in dem Antrag in keiner Weise wieder“

2. Moslem-Spruch beim Bürgermeister-Wahlkampf

Es war Fußball-WM 2018, Deutschland debattierte über Mesut Özil, das Foto mit Erdogan und sein Schweigen bei der Hymne. Zu dieser Zeit kam Philipp Amthor zu einem Bürgermeisterwahlkampf nach Strasburg in die Uckermark. Im Rahmen der Veranstaltung wurde auch die Nationalhymne gesungen. Es folgte eine Szene, von der sich Amthor rückblickend distanziert: Zunächst der Kommentar von Amthor „Keiner von uns Moslem, der das jetzt nicht singen kann“. Daraufhin erwidert jemand: „Auch keiner Ölauge“, worauf Amthor mit Lachen und einem Schulterklopfen reagiert. Das Wort „Ölauge“ ist eine derbe und abwertende Bezeichnung für Personen aus dem arabischen Raum. Sowohl für den verallgemeinernden, fragwürdigen Witz und seine Reaktion auf das Wort „Ölauge“ musste Amthor anschließend viel Kritik einstecken.

3. Der Rezo-Konter

Markus Lanz kann ein hartnäckiger Gesprächspartner sein. Wieder und wieder versucht er, Amthor Aussagen zu der zurückgehaltenen Videoantwort der CDU zu entlocken. Schließlich schafft es die ebenfalls eingeladene YouTuberin Mai Thi Nguyen-Kim: Schmunzelnd spielt der Abgeordnete den ersten Satz vor: “Hey Rezo, du alter Zerstörer!“. Dabei schaut er herausfordernd in die Kamera und seine Augenbrauen entwickeln ein Eigenleben, das jedes Trampolin neidisch werden lässt. Die Neugier wird dadurch nicht geringer. Was hat dieser Teufelskerl produziert, dass sein Werk ein trauriges Dasein in den Tiefen des CDU-Archivs fristen muss?

4. Allein unter Frauen

Eine Abtreibungsdiskussion ist wie ein Minenfeld: Wer zu entschlossen vorgeht, lebt gefährlich. Das musste auch Amthor erfahren, der Teil einer Kampagne des Vereins „Durchblick“ war, einem Verein, der sich unter anderem gegen Abtreibungen einsetzt. Anne Will sprach ihn auf die Kampagne namens „Fürs Leben, nicht fürs Töten werben“ an. Daraufhin ruderte er zurück: Er sei eigentlich gar kein Abtreibungsgegner. Und er wolle auch keine Frau bevormunden. „Wir haben als Männer natürlich auch unseren Anteil an der Schwangerschaft“, sagte er. Dennoch verteidigte er in der Talkshow als einziger männlicher Gast vehement das Werbeverbot für Abtreibungen.

5. Süß oder bitter?

Die Meisten werden die Bestellung eines Cappuccinos wohl für ungefährlich halten. Doch als junger Politiker unter doppelt so alten, männlichen Kollegen? Da kann auch die Frage des Baristas nach Zucker kritisch sein. Amthor profiliert sich „Fürs Süße sind die Frauen zuständig“. Ein Satz, ursprünglich gefallen in einem Porträt des Spiegels, der im Gedächtnis bleibt. Bei den anschließend grinsenden Herren in Amthors Umkreis mag der Satz gut angekommen sein. In der Öffentlichkeit allerdings eher weniger.




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